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Historisches Seminar der Universität Bonn

 

 

Der erste Weltkrieg als Katalysator

Die Voraussetzungen für den Aufstieg des Faschismus in Italien

 

 

Hausarbeit zum Hauptseminar

„Der italienische Faschismus“

im Wintersemester 2000/01

unter Leitung von PD Dr. Joachim Scholtyseck

 

vorgelegt von

Matthias Fuchs

Adenauerallee 18-22

53113 Bonn

  1. Einleitung

Im Zeitraum von nur drei Jahren entwickelten sich die italienischen Faschisten von einer obskuren Ansammlung von Kriegsveteranen, Anti-Sozialisten und Nationalisten ohne kohärente Ideologie, ohne finanzielle oder politische Machtmittel zur tödlichsten Bedrohung für die liberale Demokratie in Italien. Sie sollten den Staat handstreichartig übernehmen und das erste in Ansätzen totalitäre System der modernen Zeit aufbauen, Inspiration für nachfolgende Autokraten und der Anfang einer Reihe von Diktaturen, die den Charakter des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt haben. Diese Arbeit hat es sich zum Ziel gesetzt, zu untersuchen, welche Faktoren den 1919 gegründeten Fasci di Combattimento den Aufstieg zur Macht im Jahre 1922 ermöglichten. Besonderes Augenmerk soll auf die Person Benito Mussolinis gelegt werden, dem Mann, dem der Faschismus alles verdankt und der dem Faschismus fast nichts verdankte.[1] Es sollen aber auch vor allem externe Faktoren beleuchtet werden, gerade inwieweit die Auswirkungen des ersten Weltkriegs den Aufstieg des Faschismus begünstigten.

 

2.         Italien am Vorabend des ersten Weltkriegs

2.1       Das Vorkriegssystem

Italien war, wie auch Deutschland, eine „zu spät gekommene“ Nation. Erst in  der Phase des Risorgimento und durch die Politik Cavours wurden die italienischen Fürstentümer, die zum Teil unter ausländischer Kontrolle standen, zu einem Staat geeint. Rom beispielsweise wurde erst 1870 erobert.[2] In den folgenden Jahrzehnten wurde Italien als eine konstitutionelle Demokratie von einer homogenen politischen Klasse liberaler Politiker regiert, die durch ihre gemeinsame soziale Herkunft in einer gewissen Distanz zur Bevölkerung stand. Diese Homogenität hatte aber auch zur Folge, daß trotz politischer Differenzen ein pragmatischer Politikstil an den Tag gelegt wurde, der als trasformismo bekannt geworden ist. Er zeichnet sich durch ständige Regierungsumbildungen und flexible Suche nach Mehrheiten aus. Ideologische Dogmen waren weit weniger ausschlaggebend als zu späteren Zeiten. Durch das eingeschränkte Wahlrecht waren diese Politiker jahrzehntelang begünstigt und sahen daher auch im Angesicht der aufkommenden Massenbewegungen der Sozialisten und Katholiken nie die Notwendigkeit, eine starke bürgerliche Partei ins Leben zu rufen.[3] Auch fand insgesamt eine Abwendung der geistigen Eliten weg vom Parlamentarismus statt, hin zur piazza, zur direkten Aktion auf der Straße.[4]

 

2.2       Konflikt Interventionisten – Neutralisten

Im August 1914 brach der erste Weltkrieg aus. Zwar war Italien durch den Dreibund an Österreich und das Deutsche Reich gebunden, doch entschied die Regierung bald, daß ein Eintritt auf Seiten der Mittelmächte nicht in Frage komme.[5]

Die Regierung unter Salandra beabsichtigte in jedem Fall, so gut es ging von der Situation zu profitieren und begann ein Doppelspiel, indem sie sowohl mit Österreich wie auch mit der Entente verhandelte. Die Mehrheit der Parlamentarier war zu diesem Zeitpunkt gegen einen Kriegseintritt Italiens. Indes, die Entscheidung sollte auf der Straße fallen, denn „Italien war das einzige Land, in dem Kräfte außerhalb von Politik und Regierung den Weltkriegseintritt erheblich mitbeeinflußt haben.“[6]

Die Nation spaltete sich schnell in Neutralisten und Interventionisten. Auf der Seite der Neutralisten standen liberaldemokratische Parlamentarier wie der ehemalige Ministerpräsident Giolitti, die Katholiken und die Sozialisten, die, anders als in anderen europäischen Staaten, nicht in die allgemeine Kriegsbegeisterung einfielen und ihren Vorkriegsidealen treu blieben. Diese sahen für den Fall eines Krieges einen internationalen Generalstreik vor, und in der Tat drohte Mussolini, damals noch Chefredakteur des Avanti, der Regierung auch mit Streik.[7] Die Neutralität der italienischen Sozialisten mochte mit der Tatsache zusammenhängen, daß sie, anders als in anderen Ländern, zuwenig in das liberale Herrschaftssystem integriert war.[8]

Auf der anderen Seite standen konservative Politiker wie Salandra, woran deutlich zu sehen ist, daß die Frage der Intervention die liberale Regierungsklasse spaltete. Weitere demokratische Interventionisten waren z.B. Bissolati oder Salvemini. Diese waren aus moralischen Gründen für einen Kriegseintritt gegen die Mittelmächte, die sie als die Agressoren sahen. Auch revolurionäre Syndikalisten, Republikaner, Futuristen und Irredentisten waren für einen Kriegseintritt. Die überzeugtesten Interventionisten kamen jedoch aus den Reihen der Nationalisten.[9] Seine Vordenker waren Corradini und Rocco, der Dichter Gabriele D’Annunzio einer seiner prominentesten Vertreter.[10] Die Nationalisten empfingen den Krieg mit offenen Armen, glaubten sie doch, daß nur ein großer Krieg die Nation einen und ihre besten Tugenden hervorkehren könne.[11] Waren sie zu Beginn eher auf Seiten Deutschlands,[12] so befürworteten sie später den Eintritt auf Seiten der Entente, einfach weil sie sich davon größere Gebietsgewinne versprachen.

Entscheidend ist zu bemerken, daß die Spaltung zwischen Interventionisten und Neutralisten nicht nur zu einer völligen Neuausrichtung der politischen Landschaft in den Monaten nach dem August 1914 geführt hat, sondern auch noch bis weit nach dem Krieg anhielt und die alten Machtstrukturen grundlegend zerrüttet hat.[13]

 

2.3       Londoner Vertrag, Kriegseintritt

Die schon erwähnte Doppelstrategie der italienischen Regierung schlug sich in einer parallelen Verhandlungsführung sowohl mit Österreich wie auch mit England, Frankreich und Rußland nieder. Auf die territorialen Forderungen soll im Einzelnen nicht eingegangen werden, die Entente sicherte Italien aber größere Gebietsgewinne zu als Österreich bereit war abzutreten, so daß am 26.4.1919 in London der Geheimvertrag zwischen Frankreich, England, Rußland und Italien unterzeichnet wurde.[14] Salandra und sein Außenminister Sonnino hatten es genossen, umworben zu werden und hatten die Angebote gegeneinander ausgespielt. Sie begingen jedoch zwei fatale Fehler: sie spekulierten zum einen auf einen kurzen Krieg und überschätzten andererseits die Italienfreundlichkeit der Entente.[15]

Giovanni Giolitti hatte indes die Verhandlungen mit Österreich weiter fortgesetzt (wofür er von den Nationalisten als Verräter gebrandmarkt wurde[16])  und erhielt am 9.5.1919 ein sehr weitreichendes Angebot, das mit großer Sicherheit vom Parlament gebilligt worden wäre. Salandra, der bereits den Londoner Vertrag unterzeichnet hatte, vereitelte eine Abstimmung jedoch, indem er am 13.5. zurücktrat und das Parlament auflöste.[17] Er ließ den interventionistischen Agitatoren freie Hand, zu deren Wortführern D’Annunzio in Rom und der zum Interventionisten gewandelte Mussolini in Mailand gehörten. Sie verstanden es, in den Maitagen durch Massendemonstrationen eine bürgerkriegsähnlichen Zustand heraufzubeschwören, der die traditionellen Autoritäten einschüchterte (Mussolino droht sogar mit dem Ende der Monarchie) und den König schließlich veranlaßte, Salandra wieder zum Ministerpräsidenten zu ernennen.[18] Der König und eine lautstarke Massenminorität hatten das Parlament „vergewaltigt“.[19] Am 23. Mai 1919 schließlich erfolgt die Kriegserklärung, zunächst nur an Österreich. Salandra hatte mit dem Kriegseintritt vor allem bezweckt, von den inneren Problemen abzulenken und sein System zu stabilisieren. In beiden Fällen sollte jedoch das genaue Gegenteil eintreten.[20]

 

3.         Die Person Benito Mussolini

Drei Zitate sollen der Untersuchung der Person Mussolini vorangestellt werden. Das erste vom 23.7.1914 im Avanti: „Wenn Italien sich nicht ins äußerste Verderben bringen will, dann darf es nur eine Stellung annehmen: absolute Neutralität. Entweder nimmt die Regierung diese Notwendigkeit auf sich, oder das Proletariat wird sie mit allen Mitteln dazu zwingen.“[21] Das zweite kaum vier Monate danach, am 15. November, im ersten Artikel im Popolo d’Italia: „Mein Ruf ist ein Wort, das ich zu normalen Zeiten niemals ausgesprochen hätte, das ich heute aber mit lauter Stimme, ohne Verstellung, mit festem Glauben sage, ein schreckliches und faszinierendes Wort: Krieg!“[22] Und schließlich, am 3. Dezember auf einer Rede in Parma: „Blut allein treibt die Räder der Weltgeschichte.“[23]

Eine deutliche Wandlung in der Kriegsfrage innerhalb kürzester Zeit ist abzulesen. Die Gründe sollen im folgenden erläutert werden.

 

3.1              Mussolini als Marxist, frühe Karriere

Obwohl Mussolinis Rolle beim Kriegseintritt hinter der von D’Annunzio und anderen zurücktritt, werden in den Monaten nach Ausbruch des ersten Weltkriegs die Weichen für seinen späteren Lebensweg gestellt. Der Wandel vom überzeugten Sozialisten zum Interventionisten und später zum Nationalisten mutet in der Rückschau befremdlich an, es gibt aber durchaus Indizien, daß diese Entwicklung in der Person Mussolini angelegt war.

Benito Mussolini wurde 1883 in Predappio in der Romagna geboren. Sein Vater Allessandro, ein überzeugter Sozialist, hatte einen großen Einfluß auf ihn. Er gab seinem Sohn den Vornamen des mexikanischen Revolutionärs und von ihm erhielt Mussolini seine Leidenschaft für eine Politik der Gewalt. Der zweite entscheidende Einfluß, dem der junge Mussolini ausgesetzt war, war seine Schulzeit. Erzogen in einer streng katholischen Schule, entwickelte er einen starken Antiklerikalismus. Auch mußten dort die Kinder armer Leute an separaten Tischen sitzen. Vor allem diese eigene Erfahrung von Klassenunterschieden prägte ihn und ließ ihn zum Sozialisten und Gegner der herrschenden Klasse werden.[24]

Zum Marxisten wird er während seiner Zeit in der Schweiz, wo er sich unter anderem als Lehrer versucht. Beeinflußt wird er dort vor allem durch sein Zusammentreffen mit der russischen Sozialistin Angelica Balabanoff. 1904 kehrt er nach Italien zurück, um seinen Wehrdienst abzuleisten und schien überraschenderweise Gefallen an militärischer Disziplin zu finden. 1909 arbeitete er in einer Zeitungsredaktion im österreichischen Trentino, und kam dort auch in Kontakt mit italienischen Nationalisten. Durch seine Auslandsaufenthalte fand Mussolini seine Berufung als Journalist, Redner und Agitator. Darüberhinaus knüpfte er Kontakte mit Sozialisten, die ihm bei seinem späteren Aufstieg in der Partei von Nutzen waren. Gleichzeitig entwickelte er aber auch einen nationalen Minderwertigkeitskomplex, da er sah, wie die Italiener in Österreich als Volk zweiter Klasse behandelt werden.[25]

Ernst Nolte hat sich damit beschäftigt, welche Elemente in Mussolinis Marxismus die spätere Wandlung begünstigt haben. Er geht zunächst davon aus, daß Mussolini angesichts seiner frühen Einflüsse ein ernsthafter Marxist war. Viele orthodoxe Elemente sind in seinem Marxismus zu finden, zum Beispiel sein Antimilitarismus (er protestiert vehement gegen den Krieg in Libyen).[26] Auch ist er Internationalist, er glaubt wie Lenin, daß jeder Krieg nurmehr Bürgerkrieg sein kann, zwischen Klassen, nicht mehr zwischen Völkern.[27] Für Mussolini ist der Nationalismus einzig und allein ein Ablenkungsmanöver der Bourgeoisie um die sozialistische Revolution der Massen zu verhindern. Er fordert, die Nebelschwaden des romantischen Patriotismus zu durchbrechen.[28] Mussolini: „[Wir haben] gelernt, daß es in der Welt nur zwei Vaterländer gibt, das der Ausgebeuteten und das der Ausbeuter.“[29] Und doch steht neben seinem naiven Internationalismus seine Erkenntnis, daß die italienischen Verhältnisse noch gar nicht reif sind für die sozialistische Revolution[30] (laut marxistischer Theorie sollte eine kleine Gruppe der Bourgeoisie gegen eine große, entrechtete Masse des Proletariats stehen – dies war in Italien noch lange nicht gegeben) – wie wird sich dieser Konflikt auswirken?[31]

Entscheidend sind vor allem die individuellen Elemente seines Marxismus. Von allen Lehren Marx betont er vor allem die der Arbeitergewaltsamkeit. Er ist Revolutionär, kein Reformist.[32] Mussolini ist darüberhinaus ein Voluntarist,[33] er glaubt daran, daß der Mensch durch seine Handlungen den Lauf der Geschichte beeinflussen kann. Dies steht im Gegensatz zu Lenin und zur evolutionstheoretischen Überzeugung der Zeit, daß der Sozialismus als Zwangsläufigkeit am Ende der Geschichte steht und nichts und niemand den Lauf der Geschichte aufhalten könne. Laut Nolte ist dies aber kein Indiz dafür, daß Mussolini kein Marxist war, er versuchte allenfalls „den streng deterministischen Geist des Marxismus voluntaristisch zu durchwärmen.“[34]

Man kann allgemein auf Unterschiede in der Interpretation von Mussolinis Marxismus hinweisen. Während konservativere Historiker wie Nolte und Renzo DeFelice Mussolini als ernsthaften Marxisten sehen, wird er von weiter links stehenden Historikern wie Salvemini oder Mack Smith eher als skrupelloser Opportunist bezeivchnet, dem Ideen nichts weiter waren als austauschbare Waffen. Er habe eine generelle Ideenverachtung an den Tag gelegt und nur an eine Religion der Gewalt geglaubt. Durch anarchistische und blanquistische Elemente sei die Ernsthaftigkeit von Mussolinis Sozialismus sehr fragwürdig.[35]

Ein anderer Faktor, der für seinen späteren Wandel spricht, ist seine Impressionabilität,[36] die Tatsache, daß er sich Ergeignissen und Strömungen, wie später der Kriegsbegeisterung, kaum entziehen kann. Die Werke Nietzsches hatten ebenfalls entscheidenden Einfluß auf Mussolini. Sie machten ihn zu einem Anhänger der Lebensphilosophie. Deren Hauptmerkmale waren Vitalismus, Aktionismus, die Idee des ewigen Kampfs und das Bewußtsein, daß die Bewegung selbst wichtiger als das Ziel sei. Im Vergleich zu Marx Humanismus ist bei Mussolini auch eine Akzentverschiebung zu beobachten. Er war technikbegeistert, sah die Zukunft vom Rhythmus der Maschinen bestimmt, wie die Futuristen.[37]

Vor allem aber ist sein Marxismus mehr ein Gefühl als eine Überzeugung. Er glaubte nicht unbedingt an seine Richtigkeit, ist zu Diskussionen bereit. Schon die Lebensphilosophie sagte ihm, daß Ideale wichtiger seien als ihre Richtigkeit. Der Marxismus war ja durchaus heterogen, Idealismus (Geist) stand gegen pragmatischen Reformismus – Mussolini entschied sich für den Geist.[38] So war der Marxismus für ihn eher ein Glaube, er mythologisierte ihn. Er sah ihn dadurch bestätigt, daß so enthusiastisch an ihn geglaubt wurde. Was aber, wenn die Massen plötzlich an etwas anderes enthusiastischer glaubten?

Die Sprengkraft liegt in der Tatsache, daß es in Mussolinis Weltbild ein permanentes Nebeneinander des Unvereinbaren gab: Humanismus stand gegen Technikglauben, Marx gegen Nietzsche und die Finalität des Sozialismus kontrastierte mit der lebensphiliosophischen Idee des ewigen Kampfs. Hier sind die Grundlagen der Dissoziierung laut Nolte schon vorhanden, die nur noch ihres Katalysators harrten – und das sollte der Krieg sein.[39]

 

3.2       Wandel zum Interventionisten

Mussolini war nach seiner Ausweisung aus Österreich 1912 Chefredakteur des Avanti geworden, der Parteizeitung der PSI. Er tat sich vor allem durch seine Opposition gegen den Kolonialkrieg in Libyien hervor und vertrat auch zu Beginn des ersten Weltkriegs eine strikt neutralistische Linie. Vor allem war er gegen den Kriegseintritt auf Seiten des feudalistischen Österreichs und kritisierte den Dreibund, ganz Sozialist, als „Geheimbund gekrönter Häupter“. Er sieht den Krieg als extremste Form der Klassenkollaboration.[40] Auch blieb die PSI als einzige sozialistische Partei Europas neutral.[41] Hier entstand aber auch schon das erste Problem für Mussolinis Neutralität, da alle anderen sozialistischen Parteien in den Krieg zogen, selbst Pazifisten wie der Franzose Gustave Herve über nacht zu überzeugten Nationalisten mutierten. Denn Mussolini war von Natur aus Kämpfer, hatte dem Kampf im Sozialismus immer eine große Bedeutung beigemessen. Er suchte nach Möglichkeiten, diesen inneren Konflikt aufzulösen, blieb nach außen hin noch neutral.[42]

Es liegt ein Problem der Persönlichkeit vor: Mussolini war Aktionist, er wollte Geschichte machen und sie nicht erleiden und konnte dem „grandiosen Drama“ nicht einfach nur zusehen. Das war der Sprengstoff seines individuellen Marxismus. Nolte: „Für einen Marxisten, der sich konkret und historisch verstand, war in der it. Situation der Entschluss zur Intervention auf Seiten der Entente möglich. Für einen von der Lebensphilosophie und Nietzsche beeinflussten Marxisten war er notwendig.“[43]

Mussolini hatte den Sozialismus schon immer als Kampf gesehen, daher war der Kriegsausbruch womöglich Bestätigung seiner innersten Sehnsüchte.[44]

Er sieht, daß eine sozialistische Revolution in Italien, wie sie die PSI ja ursprünglich geplant hatte, jetzt nur den autoritären Regimen nutzen würde, da Italien dann neutralisiert wäre. Er löst seinen Konflikt schließlich, indem er den Krieg selbst zur Revolution deklarierte, er würde die Revolution erst ermöglichen (Später sieht er diese These durch die erste russische Revolution bestätigt). Nach der Marneschlacht am 10.9.1914, in der die Mittelmächte eine Niederlage erleiden, ist er endgültig auf Seiten der Entente, er ist kein Freund der Besiegten.[45]

In einem Briefwechsel mit dem Professor Lombardo-Radice macht er nun deutlich, daß die Sozialisten dem Krieg gegen Österreich sympathisch gegenüberstehen würden, aber weder Verantwortung dafür tragen noch Initiative ergreifen wollten.[46]

Auf einer Sitzung der PSI deutete Mussolini sein Umschwenken an: „Ich war bisher gegen den Krieg, aber nur Tote bringen keine neuen Gedanken hervor, nur Verrückte klammern sich krampfhaft an eine Idee.“[47] Er veröffentlichte schließlich am 18.10. seinen letzten Artikel im Avanti, in der er den Übergang von der „absoluten“ zur „aktiven“ Neutralität forderte. Es gebe eine sozialistische Pflicht zur Intervention um die Proletarier aller Länder vor weiterem Blutvergiessen zu schützen, daher wären auch alle anderen Sozialisten in Europa für den Krieg. Vor allem aber wollte er nicht „den Buchstaben der Partei retten, wenn das hieße, den Geist des Sozialismus zu töten,“ und fragte „Wollen wir untätige Zuschauer bei diesem packenden Schauspiel sein?“[48]

Der Artikel löst einen Aufschrei unter seiner Parteigenossen aus. Mussolini versucht sich noch zu rechtfertigen, wird aber aus der Partei ausgeschlossen. Einige Historiker sehen in dem Parteiausschluß einen entscheidenden Fehler der Sozialisten, die zu dogmatisch handelten. Sie hätten Mussolini integrieren sollen um so vielleicht eine Brücke zur nationalen Tradition schlagen zu können, die dem Faschismus dann zum Erfolg verholfen hat.[49] Mussolini hat seinen ehemaligen Genossen den Parteiausschluß niemals verziehen, er verstand nicht, daß der humanistische Sozialismus nicht das Opfer von hunderttausenden zulassen konnte, nur um „dabeigewesen“ zu sein,[50] und er wandelte sich zum entschiedenen Gegner der PSI.[51]

Binnen kurzer Zeit jedoch konnte Mussolini sein eigenes Sprachrohr ins Leben rufen: den Popolo d’Italia. Die Zeitung wurde finanziell von Industriellen aber wahrscheinlich auch von französischen Sozialisten unterstützt, die Interesse an einem Kriegseintritt Italiens hatten. Möglicherweise war auch die Regierung involviert, die die PSI schwächen wollte.[52] Die Tatsache, daß Mussolini kurze Zeit nach seinem Parteiausschluß schon wieder eine neue Zeitung herausgab, trug ihm den Vorwurf ein, sein Wandel sei erkauft gewesen[53] oder ließe zumindest seine politische Beweglichkeit aus reinem Machtkalkül erkennen.[54]

Der Popolo war eine neue Art der Zeitung, eine Boulevardblatt, das auf simple Botschaften mit einer klar antideutschen Tendenz setzte.[55] Mussolini nutzte die Zeitung um Stimmung für einen Kriegseintritt zu machen. Den Krieg charakterisierte er als schnell und erfolgreich, was auch zum Stimmungswandel in der Bevölkerung beitrug.[56]

Zu Beginn zeigte sich Mussolini in seinen Artikeln noch sozialistisch, im Laufe des Jahres 1915 jedoch wurden die Untertöne immer imperialistischer, er fordert schließlich auch große territoriale Zugewinne. Zum Jahreswechsel 1915 hatten die fasci schon 9.000 Mitglieder, und Mussolini machte auf dem ersten Kongreß am 24.1. deutlich, daß er zeigen will, daß die Italiener fähig sind, einen großen Krieg zu führen, nicht nur auf ihr Vergnügen aus sind. Hier zeigte sich schon die spätere Idee des „homo novo“.[57]

Die Massenkundgebungen im Mai 1915 schließlich zwangen die Regierung (die allerdings bereits den Londoner Vertrag unterzeichnet hatte) schließlich zum Kriegseintritt. Mussolini hatte sein Ziel erreicht und entwickelte sich im Verlauf des Krieges immer weiter vom Sozialismus weg und hin zum Nationalismus. Durch seine Abneigung gegen Deutschland deutet er den Marxismus sogar als Manifestation des „alldeutschen Herrschaftsanspruchs“ und gibt sich selbst die Schuld, die Sozialisten in Italien so mächtig gemacht zu haben.[58] Dies zeigt sich auch in seiner Wertung der russischen Oktoberrevolution, die er als „jüdisch-deutsch“ charakterisiert. Er sieht die Sozialisten nun als Feiglinge und nennt Lenin den „Mörder der Revolution“, als dieser mit Deutschland den Frieden von Brest-Litowsk schließt.[59]

Mussolinis Kriegserlebnisse bedürfen keiner großen Ausführungen. Wie Hitler bringt er es zum Obergefreiten und seine angeblichen heldenhaften Einsätze sind wohl größtenteils seiner Phantasie entsprungen. Bei einem Granatangriff wird er verwundet und stilisiert dieses Erlebnis später zum Heldenmythos.[60]

 

4.         Der Krieg und seine Folgen

4.1              Kriegsgeschehen

Die Regierung Salandra wußte, daß Italien auf den Krieg sowohl militärisch wie wirtschaftlich schlecht vorbereitet war und hoffte darum auf eine kurze Kriegsdauer. [61]  Denis Mack Smith spricht hier von „irresponsibility on a colossal scale.“[62] Zwangsläufig sollte der Krieg die fragile Administration überdehnen und es enstand eine riesige, verschwenderische Militärbürokratie[63] und eine aufgeblähte Kriegswirtschaft.[64]

Der Krieg in Oberitalien ist als der sinnloseste des ganzen Weltkriegs bezeichnet worden. [65] Er eröffnete zwar eine dritte Front gegen die Mittelmächte, hatte aber nur wenig Einfluß auf den Verlauf des Krieges. Die militärischen Aktivitäten konzentrierten sich zunächst entlang der Isonzo-Linie, aber in elf Abnutzungsschlachten mit hohem Einsatz von Menschen und Material konnte weder die eine noch die andere Seite signifikante Geländegewinne machen. Es folgt ein festgefahrener Stellungskrieg, der nur durch Kommandounternehmen wie die von D’Annunzio unterbrochen wird.[66] Am 24.10.1917 wurde den Italienern die verheerende Niederlage von Caporetto beigebracht. Schuld an dem Debakel war nicht zuletzt der italienische Oberbefehlshaber General Cadorno, der die Armee mit eiserner Hand führte. Die Moral der Truppe war auf dem Tiefpunkt und Desertionen an der Tagesordnung waren.[67] Die Niederlage war auf Cadornos Fehler zurückzuführen, trotzdem schaffte er es, eine italienische Dolchstoßlegende ins Leben zu rufen. [68]

Die Behandlung der Truppen verbesserte sich nun, der Krieg wurde „demokratischer“.[69]

Gegen das sich auflösende Habsburgerreich startete der neue Oberbefehlshaber Diaz schließlich in den letzten Tagen des Kriegs eine Offensive, die am 24.10.1918 bis Vittorio Veneto vordrang. Dieser einzige Sieg der Italiener wurde von den Nationalisten später zum Mythos erhoben.[70]

 

4.2       Wirtschaftliche und soziale Auswirkungen

Durch die Erfordernisse der Kriegsproduktion hatte in den Kriegsjahren ein starkes wirtschaftliches Wachstum stattgefunden, besonders im Bereich der Schwerindustrie. Viele Unternehmen wuchsen stark, FIAT beispielsweise verzehnfachte die Zahl seiner Beschäftigten binnen vier Jahren. Außerdem förderte der Staat den Konzentrationsprozeß im Finanzsektor – ein Bankenkartell entstand.[71] Der Krieg hatte Italien 148 Mrd. Lire gekostet, das doppelte aller Staatsausgaben von 1861 bis 1913.[72] Die Regierung finanzierte die Militärausgaben in erster Linie durch öffentliche Verschuldung, steigerte den Geldumlauf, so daß es zur Inflation kam. Zwischen 1913 und 1918 vervierfachten sich die Preise, die Reallöhne gingen zurück.

Da viele Arbeiter aus der Landwirtschaft zum Kriegsdienst eingezogen worden waren, war die Nahrungsmittelproduktion stark zurückgegangen. Die großen Agrarunternehmen, die marktgerecht produzieren konnten, profitierten eher noch von der Krise, aber eine große Zahl von mittleren Landbesitzern litt unter den Inflationsauswirkungen und mußte ihr Land verkaufen, ein Proletarisierungsprozeß hatte eingesetzt. Als das Staatsdefizit und die Inflation weiter anstiegen, unternahmen die Nachkriegsregierungen von Nitti und Giolitti Sanierungsversuche, mit denen sie aber sowohl die besitzenden wie die ärmen Schichten gegen sich aufbrachten. Sie erhöhten die Steuern, führten eine Vermögenssteuer ein, sowie Namenspapiere, die Steuerhinterziehungen erschweren sollten. Gleichzeitig schlug die Regierung vor, die Brotsubventionen zu streichen.[73]

Unter italienischen Industriellen begann sich angesichts der großen Probleme die Forderung nach Steuererleichterungen und totaler Kontrolle über die Arbeitskräfte durchzusetzen – dafür sollten sie später Mussolini als den richtigen Mann erkennen.[74]

Ein weiteres Problem stellte sich durch die große Masse der Kriegsheimkehrer. Vier Millionen Soldaten kehrten zurück, viele fanden keine Arbeit in der krisengeschüttelten Wirtschaft, die mit kriegsbedingten Überkapazitäten und Kapitalarmut zu kämpfen hatte. Auch hatte die Regierung nach der Niederlage von Caporetto den zurückkehrenden Landarbeitern großzügige Landverteilungen versprochen. Diese Versprechen blieben unerfüllt und schürten den Unmut unter der Landbevölkerung.[75] Viele Offiziere, an Führungsstellung durch den Krieg gewohnt, besuchten nun Universitäten. Sie beeinflußten andere Studenten mit militärischem und nationalistischen Gedankengut und „rekrutierten“ so Mitglieder für die späteren Kampfbünde. Zu diesen stießen auch die „Arditi“, kampferprobte Spezialeinheiten, deren Fähigkeiten den Faschisten später von Nutzen sein sollten.

Der Krieg fungierte als Generalprobe für den Faschismus, so der Reformsozialist Turati. Er habe autoritäre Strukturen salonfähig gemacht und die „Geringschätzung des Lebens“ in die Bevölkerung eingepflanzt.[76] Lill faßt es zusammen:

„Die Teilhabe am alliierten Sieg war mit ca. 680.000 Gefallenen, wirtschaftlichem wie finanziellem Bankrott und mit maßlosem Nationalismus allzu teuer bezahlt. Die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Widersprüche wurden ausweglos verschärft und haben direkt in die Auseinandersetzungen geführt, in denen das liberale System untergegangen und Mussolini zur Macht gelangt ist.“[77]

 

4.3       Pariser Verträge, Konflikt Imperialisten – Renunciatori

Zusätzlich zu der fortwährenden Spaltung der Gesellschaft in Interventionisten und Neutralisten kam auf politischer Ebene nun noch ein weiterer Graben hinzu: Der zwischen Imperialisten und Renunciatori, die Italiens territoriale Ambitionen nicht auf Kosten des Selbstbestimmungsrechts der Völker des untergegangenen Habsburgerreichs befriedigen wollten. Hatte man im Krieg noch verstärkt Propaganda für eine Selbstbestimmung der Völker gemacht (v.a. um Österreich zu schwächen) und im April 1918 den „Kongreß der unterdrückten Völker“ in Rom abgehalten, so schien dies jetzt vergessen und viele Stimmen forderten die Angliederung von Dalmatien und des Trentino. Hauptvertreter der Annektionsbefürworter waren die Nationalisten und im Bereich der etablierten Parteien Außenminister Sonnino. Orlando und vor allem Bissolati waren gegen diese hohen Forderungen.[78] Auf den Pariser Friedensverhandlungen standen somit der Londoner Vertrag gegen Wilson’s vierzehn Punkte, in denen das Selbstbestimmungsrecht der Völker als Leitprinzip vertreten war.[79]

Italien erhielt allerdings teilweise mehr als im Londoner Vertrag versprochen worden war, nicht nur das Trentino sondern auch das deutschsprachige Südtirol.[80] Trotzdem wurden viele der von den Imperialisten hochgeschraubten Erwartungen nicht erfüllt, daran konnte auch Italiens zeitweiser Rückzug von den Verhandlungen nichts ändern. So waren die Nationalisten vor allem enttäuscht, daß Fiume nicht italienisch geworden war, daß die Adria nicht das mare nostrum geworden war und daß kaum koloniale Zugewinne erhalten wurden.[81] Hieraus kreieren die Nationalisten nun den Mythos der „vittoria mutilata“, des verstümmelten Sieges. Der Krieg sei gewonnen worden, wegen der Schuld von England und Frankreich sei der Frieden aber verloren, man hätte weniger erhalten, als Österreich freiwillig zu geben bereit gewesen war.[82] Mussolini[83] und seine arditi störten eine pro-jugoslawische Rede von Bissolati im Dezember 1918. Carsten dazu: „The nationalist passions which had been aroused by the war were reaching fever heat.“[84]

 

5.         Die Faschisten

5.1              Zusammensetzung, frühes Programm und Wandel

Etwa fünfzig Menschen gründeten am 23.3.1919 in Mailand die fasci di combattimento. Mussolini stellte programmatische Forderungen auf, die ihrem Charakter nach stark sozialistisch waren: Landverteilung für die Bauern, Gewinnbeteiligung der Arbeiter, gegen die Monarchie, Wahlrecht auch für Frauen, Verbot der Waffenproduktion. Es gab aber auch nationalistische Töne (Annexion von Fiume) und eine Forderung nach Freihandel.[85] Genauso heterogen waren die Faschisten der ersten Stunde, die nur durch ihren Interventionismus und den Haß auf die parlamentarische Demokratie geeint waren. Bei den Parlamentswahlen im November 1919 fielen die Faschisten aber kläglich durch und konnten keinen einzigen Sitz erlangen.[86] Es gab im politischen Bild der Zeit keinen Platz für linke Nationalisten.[87] Mussolini erkannte nun, daß er seine fasci neu positionieren mußte, um seine politischen Ziele zu erreichen, und seine ideologische Beweglichkeit kam ihm dabei zugute. Er näherte sich den Nationalisten an, gab Zug um Zug auch den Antiklerikalismus auf, um Unterstützung der Katholiken zu gewinnen und dann auch den Republikanismus, um das royalistische Offizierskorps auf seine Seite zu ziehen. Ohnehin versuchte er, die Kriegsheimkehrer als Klientel zu gewinnen. Die Tatsache, daß die Sozialisten sie als Verräter beschimpften und ihren Dienst am Vaterland nicht anerkannten, trieb sie später immer mehr in die Reihen der Faschisten.[88] Auch der Korpsgeist der Faschisten wirkte anziehend auf die Veteranen[89] Schließlich sollte sich die Armee später als wichtige Stütze der Faschisten herausstellen. Die Faschisten bekamen auch Unterstützung, weil die gemeinsame Erfahrung des Kriegs den Menschen ein starkes neues Nationalbewußtsein injiziert hatte.[90]

Der Durchbruch gelang der Bewegung aber erst nach 1921, als sie Antibolschewismus und Nationalismus offiziell auf ihre Fahnen schrieben.[91] Nun wurden sie von breiten Teilen der Mittelschicht, der Bürokratie und dem König und vor allem von Industriellen und Agrariern unterstützt, die sie als Gegenpol zu den sozialistischen Streiks und Landbesetzungen willkommen hießen.[92]

Auch die Zusammensetzung änderte sich. Hatten die Faschisten zuvor aus einer bunten Mischung von revolutionären Syndikalisten, Futuristen, Republikanern und Konservativen bestanden,[93] so traten nun immer mehr Liberale und Nationalisten in die Bewegung ein, 90% der ursprünglichen Führer hatten die Bewegung verlassen. Viele Studenten schlossen sich den Faschisten an, weil sie sich von der politischen Klasse nicht mehr repräsentiert sahen und vom „Dynamismus“ der Faschisten angezogen fühlten.[94] Darüber hinaus gründeten sich lokale Gruppierungen mit unabhängigen Führern („ras“), der Faschismus verlor seinen urbanen Charakter.[95]

 

5.2       Fiume – Generalprobe und Lektion

Im Gegensatz zu den am Anfang wenig erfolgreichen Faschisten war der Dichter Gabriele D’Annunzio Hoffnungsträger der Nationalisten. Er besetzte mit einer Gruppe arditi und mit stillschweigender Duldung der Armee am 12. September 1919 die freie Stadt Fiume. Der neue Ministerpräsident Francesco Nitti gab sich opportunistisch, drohte der jugoslawischen Armee, sie solle nicht einschreiten. Ein Jahr lang errichtet D’Annunzio in Fiume eine Art Stadtstaat in dem schon viele Elemente der späteren Faschismus-Bewegung erkennbar sind, vor allem auf der Symbolebene: schwarze Hemden, Parolen.[96] Es war dies eine Generalprobe für die spätere Machtübernahme und eine Lektion für Mussolini, der erkannte, daß die alte Führungsschicht ungesetzliche Handlungen hinnimmt, wenn sie nur patriotisch genug daherkamen.[97] Laut Mack Smith entwickelte er damals den Plan, Anarchie und Unruhe zu schüren, um dann als Retter der Nation aufzutreten.[98] Erst Ende 1920 ließ der neue, alte Premier Giolitti Fiume gewaltsam räumen, D’Annunzio mußte abziehen. Ihm war Fiume eigentlich egal, es ging ihm nur um persönliche Glorifizierung.[99] Er war dann auch zu sprunghaft um wirklich zum Führer der nationalistischen Bewegung zu werden, aber auch der „Konkurrent“ Mussolini war da noch nicht als Führer erkennbar.[100]

 

6.         Die Schlußkrise des liberalen Systems

6.1       Wahlen 1919 – Massenparteien als neues Phänomen

Bei den Wahlen 1919 sollte sich die parlamentarische Landschaft Italiens von Grund auf verändern. Es waren die ersten Wahlen, die nach allgemeinem, gleichen Stimmrecht für Männer und dem Proporzsystem abgehalten wurden: es wurde nach Listen gewählt, außerdem wurden große Wahlkreise eingerichtet, die weit weniger personalisiert waren als früher. Dies wuchs sich vor allem zum Nachteil für die etablierten liberalen Parteien aus und nützte den neuen Massenparteien: Sozialisten und Popolari erhielten beträchtliche Zugewinne, stellten fortan 156 bzw. 100 Parlamentsabgeordnete.

Das Parlament erhielt nun viele neue Abgeordnete, die noch keine Erfahrung mit den Funktionsweisen des Parlamentarismus hatten, insbesondere nicht mit den wechselnden, pragmatischen Koalitionen, der Praxis des trasformismo. Die Vertreter der Massenparteien hielten weit mehr an Ideologien fest, sie waren weit weniger bereit, Kompromisse einzugehen im Interesse eines handlungsfähigen Parlaments. Zwar bildete sich wieder eine Regierungskoalition der liberalen Parteien, aber das neue Parlament sollte sich durch Chaos und Handlungsunfähigkeit auszeichnen.[101]

Nitti und sein Nachfolger Giolitti unternahmen zwar ernsthafte Anstrengungen, Sozialisten oder Popolari in den Regierungsblock zu ziehen, diese schlugen aber fehl. Die Sozialisten zeigten sich zu dogmatisch, folgten nicht der reformistischen Linie, sondern beharrten auf den Positionen des massimalismo, die eine Kollaboration mit den alten Kräften nicht vorsah und einen Umsturz der bestehenden Ordnung forderte.[102] Darüber hinaus hegte Giolitti eine tiefe Abneigung gegen den Parteiführer der Popolari, Don Sturzo, so daß sich auch hier keine Zusammenarbeit entwickeln konnte.[103] Dazu kam, daß die Liberalen durch den Konflikt Neutralisten-Interventionisten und Imperialisten-Renunciatori selbst tief gespalten waren und sich kein stabiler Regierungsblock entwickeln konnte.[104]

 

6.2       Das rote Biennium – die Faschisten als Ordnungsmacht

Die soziale Situation in Italien war nach Ende des Krieges, wie schon erwähnt, äußerst gespannt. Bereits 1917 beteiligten sich fast 170.000 Arbeiter an Streiks und Aufständen, die oft von Frauen organisiert wurden und sich in der Regel gegen die starke Teuerung von Lebensmitteln richteten. In den folgenden Jahren, dem „roten Biennium“, verschlimmerte sich die Situation, 1918 gab es ca. 300 Streiks, zwei Jahre später fast 1.900. Im selben Zeitraum erhöhte sich die Zahl der in sozialistischen und katholischen Gewerkschaften organisierten Arbeiter von 500.000 auf vier Millionen. Die Industrie- und Landarbeiter stellten weitreichende Forderungen nach Lohnerhöhungen, Arbeitszeitverkürzungen und mehr betrieblicher Mitbestimmung. Auf dem Land forderten sie unter anderem eine Aufteilung des Großgrundbesitzes unter den mittellosen Bauern im Süden und feste Einstellungsquoten für Landarbeiter bemessen nach der Größe eines Betriebs. Als die Industriellen die Forderungen ablehnten, weil sie eine Umkehrung der Machtverhältnisse fürchteten, kam es vor allem im Norden zu Fabrikbesetzungen.[105] Allein in Mailand wurden 280 Fabriken besetzt, geschützt von den roten Garden, einer Verteidigungsorganisation der Arbeiter.[106] Giolitti weigerte sich jedoch, die Fabriken von der Armee räumen zu lassen und schaffte es, einen Kompromiß auszuhandeln. Daraufhin stellen die Arbeiter ihre Streiks ein, aber die Arbeitgeber begannen sich nun zu organisieren.[107] Trotzdem waren die Sozialisten weiter erfolgreich, übernahmen bei den Lokalwahlen im November 1920 in vielen Gemeinderäten die Kontrolle. Die sozialistischen Organisationen auf dem Land waren mächtig und unternahmen verstärkt Landbesetzungen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Die Regierung Giolitti schritt nicht ein, vertraute auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Obwohl Streiks und Landbesetzungen insgesamt einen eher spontanen Charakter hatten und keineswegs Teil einer großangelegten sozialistischen Umsturzbewegung waren, bekamen es Industrielle und Großgrundbesitzer mit der Angst zu tun, versuchten nun, sich selbst zu helfen.[108] Die Faschisten profitierten von dieser Situation. Überall gingen ihre militärisch organisierten Schlägertrupps, die squadri, gegen die Sozialisten vor, verübten Anschläge auf Parteizentralen, schüchterten Funktionäre ein oder ermordeten sie. Gerade auf dem Land begann sich so ein mächtiger Agrarfaschismus zu entwickeln. Kleinbauern (die von den Sozialisten bekämpft wurden), arbeitslose Bauern (die im sozialistisch monopolisierten Arbeitsmarkt kein Auskommen fanden) und Großgrundbesitzer unterstützten den faschistischen Terror.[109] Unterstützung erhielten die Squadristen bei ihren Aktionen aber auch von Bürokratie und Militär.[110] Zwar gab die Regierung z.T. Anweisungen, gegen den faschistischen Terror einzuschreiten, doch viele Präfekte weigerten sich, sie umzusetzen.[111]

Es gelang Mussolini also durch den faschistischen Gegenterror eine bürgerkriegsähnliche Atmosphäre im Land aufzubauen. Die Mittelklasse und die Bourgeoisie sahen gerade unter dem Eindruck der russischen Revolution und den Aktionen der Sozialisten (obwohl diese, wie erwähnt, eher spontanen Charakter hatten) die Gefahr von links als weit größer an, als die von rechts. Die Revolution schien vor der Tür zu stehen.[112] Angesichts der Tatsache, daß die liberale Demokratie untätig blieb, erschienen ihnen die Faschisten, die sich als Ordnungsmacht präsentieren konnten[113], als Retter der Nation.

Der Arbeiterbewegung fehlte die militärische Organisationsstruktur, um sich den Faschisten zu widersetzen. Auch sahen sie die Faschisten als Hilfstruppen der Agrarier und Industriellen an, als eine temporäre Erscheinung der Reaktion. Dies verstellte ihnen aber den Blick auf die wahren Ziele der Faschisten, die nicht die alte Herrschaftsschicht stützen, sondern die Gesellschaft nach nationalen Prinzipien neu strukturieren wollte.[114]

 

6.3       Versuch der Einrahmung durch Giolitti

Giolittis Problem bestand darin, daß das alte System des trasformismo an den neuen Gegebenheiten im Parlament scheiterte. Er konnte keine Koalitionen zusammenstellen, die dauerhaft genug für eine entschiedene Politik gewesen wären. Durch das Schließen von Steuerschlupflöchern sah vor allem der Vatikan seine Einkünfte gefährdet und setzte die kirchennahen Popolari unter Druck, die Regierung Giolitti nicht mehr zu stützen.[115] Die Reformsozialisten hätten Ende 1920 mit den Liberalen Regierungsparteien zusammenarbeiten können, taten dies jedoch nicht, da sie keine Verantwortung übernehmen wollten und sich nicht dem Vorwurf der Kollaboration ausgesetzt sehen wollten. Giolitti versuchte nun, die Sozialisten unter Druck zu setzen, indem er eine Allianz mit den Faschisten einging.[116] Faschisten und Giolittis Liberale traten nun gemeinsam im Nationalen Block bei den Parlamentswahlen 1921 an. Diese Unterstützung Giolittis, die auch auf lokaler Ebene von Präfekten und Bürokratie  gewährt wurde, war immens wichtig für die Faschisten, gab ihnen einen neuen Anstrich der Respektabilität. Auch wurde der faschistische Terror gegen die Sozialisten im Wahlkampf von der Regierung toleriert, insgeheim wohl sogar begrüßt. Die Faschisten gewannen 35 Parlamentssitze, waren nun zur parlamentarischen Kraft geworden.[117]

Denis Mack Smith: „It was this electoral alliance that guaranteed Mussolini representaion in the new House whereas in the elections of 1913 and 1919 he had completely failed. Liberalism to Giolitti was a matter less of principle than of means that could be modified when necessary. […] he had, like Hindenburg later, based his calculations on a formidable error in psychology and so helped to conjure up a monster which he could not subdue.”[118]

Doch Giolittis Hoffnungen sollten enttäuscht werden. Obwohl Mussolini sich nun staatstragender und gemäßigter gab als zuvor[119], ging seine Partei sofort in die Opposition und arbeitete gegen den liberalen Staat, der zerstört werden sollte.

Giolitti war nun politisch isoliert. Die Nationalisten hatten ihm seinen Neutralismus nie verziehen, die Landbesitzer und die Industriellen hatte er durch seine Steuerpolitik gegen sich aufgebracht, mit den Popolari und den Sozialisten konnte er wegen o.g. Gründe nicht mehr zusammengehen und auch bei den Liberalen hatte er nur noch wenige Verbündete.

Er wurde durch Bonomi ersetzt, der die irrige Vision hegte, ein Bündnis zwischen Faschisten und Sozialisten zustande zu bringen. Die Idee allein beweist, wieviele Gesichter der Faschismus nach außen hin hatte, und wirklich hatte Mussolini im August 1921 einen „Friedenspakt“ mit den Sozialisten unterzeichnet.[120] Anfang 1922 wurde Bonomi durch den wenig kompetenten Luigi Facta ersetzt. Die Faschisten führten weiterhin ungestört Aktionen gegen die Sozialisten durch. Die Sozialisten waren die einzige Kraft, die den Faschismus noch hätte aufhalten können, aber sie wollten aus dogmatischen Gründen nicht mit den Liberalen zusammenarbeiten und waren zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon zu schwach.[121] In einem letzten Aufbäumen gegen die Faschisten riefen Sozialisten und Kommunisten 1922 einen Generalstreik aus. Wieder zeigte sich die Regierung unfähig zu handeln, und der Streik spielte nur den Faschisten in die Hände, die sich bei seiner Niederschlagung wieder als Ordnungsmacht präsentieren konnten.[122] Die öffentliche Meinung war nun immer stärker für eine Regierung mit faschistischer Beteiligung.

Es folgt Mussolinis „Marsch auf Rom“ und seine Einsetzung als Ministerpräsident, drei jahre danach wandelt sich der faschistische Staat vollends zur Diktatur.

 

7.         Fazit

Zentral für den Aufstieg der Faschisten sollte der erste Weltkrieg sein. Er hatte verheerende soziale und wirtschaftliche Auswirkungen, die zu Massenstreiks und Landbesetzungen führten, so daß die Faschisten sich als Ordnungsmacht präsentieren konnten und Unterstützung der verschiedensten Gruppen erhielten. Dazu zählten Industrielle und Agrarier, die Armee und die Kriegsheimkehrer und die Mittelschicht, die eine sozialistische Revolution fürchtete. Die Kriegserfahrung der Massen begünstigte zudem einen ausgeprägten Nationalismus und ein Klima der Gewalt, in dem radikale Ideologien Fuß fassen konnten. Die sozialen Verwerfungen zusammen mit den tiefen politischen Gräben, die der Krieg aufriß, ließen eine latente Systemkrise zu einer akuten werden. Die Ablösung einer gewachsenen politischen Herrscherklasse durch die Massenparteien, die Substituierung von flexiblem trasformismo durch Ideologien beschleunigten den Niedergang des liberalen Systems und bedingten die Handlungsunfähigkeit der Regierung und ihre Unfähigkeit, die drohende Gefahr zu erkennen. Und es war nicht zuletzt die Persönlichkeit ihres Führers Mussolini, sein Werdegang und seine ideologische Flexibilität, die den Erfolg der Bewegung sicherstellten.

Petersen S.17 – Was ist nun schuld am F.

 

 

 

 

8.         Literaturangaben

 

Baglieri, Joseph: Italian Fascism and the Crisis of Liberal Hegemony: 1901-1922, in: Larsen, Stein Ugelvik u.a. (Hg.): Who were the Fascists. Social Roots of European Fascism, Bergen 1980

 

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Pappenheim, Hans-Eugen: Mussolinis Wandlung zum Interventionismus, Jena 1935

 

Petersen, Jens, in: Kolloquien des Institus für Zeitgeschichte: Der italienische Faschismus. Probleme und Forschungstendenzen, München 1983

 

 

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Warooij, Bruno: The Rise and Fall of Fascism as a Generational Revolt, in: Journal of Contemporary History, Vol. 22, No. 3 1987



[1] Petersen, S. 36

[2] Nolte, Ernst: Italien von der Begründung des Nationalstaats bis zum Ende des ersten Weltkriegs, in: Schieder, Theodor (Hg.): Handbuch der europäischen Geschichte Bd. 6, Stuttgart 1968, S. ???? NEU

[3] Mantelli, Brunello: Kurze Geschichte des italienischen Faschismus, Berlin 1998, S. 28f

[4] Lill, Rudolf: Geschichte Italiens in der Neuzeit, Darmstadt 1988, S. 255

[5] Lill, S.264; Der Bund sah nach Art. 3 nur Beistand vor, wenn einer der Partner angegriffen würde. Da aber Österreich der Agressor war, war Italien nach Art. 4 allenfalls zu „wohlwollender Neutralität“ verpflichtet. Auch warf man Österreich vor, seine in Art. 7 festgelegte Konsultationspflicht bei territorialen Vergrößerungen auf dem Balkan verletzt zu haben, und forderte Kompensationen.

[6] Lill, S. 265

[7] Nolte, Ernst: Der Faschismus in seiner Epoche. Die Action Francaise, der italienische Faschismus, der Nationalsozialismus, München 1979, S. 219 f

[8] Lill, S. 266

[9] Lyttelton, Adrian: The Seizure of Power. Fascism in Italy 1919-1929, London 1973, S. 16; Der Nationalismus wurde durch einen nationalen Minderwertigkeitskomplex begünstigt, hervorgerufen durch die späte Nationalstaatsbildung, der Tatsache, daß Italien kaum Kolonien besaß und „nationalen Schandflecken“ wie z.B. der Niederlage von Adowa (Abessinien).

[10] Die Hauptmerkmale des Nationalismus waren übersteigerter Imperialismus, vor allem in Bezug auf Teile Österreichs mit italienischen Minderheiten (Trentino) und Haß auf die „korrupte“ Demokratie; Lyttelton, S. 19

[11] Lyttelton, S. 20

[12] Salvatorelli, Luigi: Nationalfascismus, in: Nolte (Hg.) ???, S. 121

[13] Mantelli, S. 41

[14] Lill, S. 272; Italien wurde das Trentino, Teile Dalmatiens, Istrien, das Protektorat über Albanien zugesprochen, und einige vage Versprechungen gemacht bezüglich der Kolonien und der Aufteilung der Türkei. Diese Konzessionen jedoch verletzten das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das sich die Entente auf die Fahnen geschrieben hatte und sollten sich später noch als problematisch herausstellen

[15] Lill, S. 270

[16] Lytteleton, S. 24

[17] Lill, S. 273

[18] Lill, S. 274

[19] Nolte, S. 227

[20] Lill, S. 275

[21] zitiert nach: Pappenheim, ????????

[22] zitiert nach: Pappenheim, Hans-Eugen: Mussolinis Wandlung zum Interventionismus, Jena 1935, S. 60

[23] zitiert nach: Pappenheim, S 71

[24] Whittam, J.: Fascist Italy, S. 10

[25] Whittam, S. 13

[26] Nolte, S. 202

[27] Nolte, S. 213

[28] Nolte, S. 214

[29] zitiert nach: Nolte, S. 201

[30] Dies war eine position der Syndikalisten, zu denen auch Mussolini zu zählen war. Sie wollten durch staatliche Lenkung und wirtschaftliches Wachstum erst die Bedingungen für die Revolution schaffen, vgl. Gregor, A. James: The Faces of Janus. Marxism and Fascism in the Twentieth Century, New Haven 2000, S. 135ff

[31] Nolte, S. 216

[32] Nolte geht sogar so weit, ihn den ersten Kommunisten Europas zu nennen,[32] der den Grundstein für den italienischen Kommunismus legte und somit auch für die Schwäche der Sozialisten und den späteren Erfolg des Faschismus. Nolte, Ernst: Marxismus, Faschismus, Kalter Krieg, Stuttgart 1977, S. 204

[33] Nolte, S. 204

[34] Nolte, Ernst: Marxismus, Faschismus, Kalter Krieg, Stuttgart 1977, S. 204

[35] Petersen, Kolloquien, S. 37f

[36] Nolte, S. 208

[37] Nolte, S. 211

[38] Nolte, S. 217

[39] Nolte, S. 219

[40] Nolte, S. 222

[41] Nolte, S. 219

[42] Nolte, S. ????

[43] Nolte, S. 221

[44] Schüddekopf, Otto-Ernst: Bis alles in Scherben fällt. Die Geschichte des Faschismus, München 1973, S. 162

[45] Pappenheim, S. ????

[46] Pappenheim, S. ??????

[47] Pappenheim, S. ???? NEU

[48] nach Nolte, S. 221

[49] Settembrini, ?, in: Mosse, George: International Fascism, ? 1979, S. 97

[50] Nolte, S. 225

[51] Whittam, S. 14

[52] Nolte, S. 224

[53] Balabanoff, Angelica, Wesen und Werdegang des italienischen Faschismus, Wien 1931, S. 22; Nolte spricht sich dagegen aus (S. 224)

[54] Mack Smith, Denis: Mussolini. Eine Biographie, 1981, S. 56

[55] Pappenheim, S. 65

[56] Mack Smith, S. 58; Jedoch hat Mussolini nicht, wie er es später gerne darstellte, die entscheidende Rolle in dieser Frage gespielt. Die Aktionen von D’Annunzio und nicht zuletzt Antonio Salandra selbst hatten weit mehr Einfluß.

[57] Mack Smith, S. 57

[58] Nolte, S. 228

[59] Nolte, S. 230; hierbei spielte aber auch die Eifersucht des „verhinderten Revolutionärs Mussolini auf Lenin eine Rolle.

[60] Mack Smith, S. 60

[61] Lill, S. 276

[62] Mack Smith, Denis: Modern Italy. A Political History, New Haven 1997, S. 271

[63] Lyttelton, S. 25

[64] Lill, S. 276

[65] Lill, S. 277

[66] Mack Smith, S. 273

[67] Mack Smith, S. 274

[68] er gab die Schuld für das Desaster der fehlenden Unterstützung aus der Heimat. Zwar hatte es 1917 einige Aufstände der Sozialisten gegeben, v.a. durch die russische Revolution inspiriert, aber insgesamt hielt man sich an die Leitlinie, den Krieg nicht zu unterstützen, ihn aber auch nicht zu sabotieren; Mack Smith, S. 274

[69] Es wurde auch mehr Wert auf die Motivation der Truppen gelgt. Zu diesem Zweck wurde der Propaganda-Dienst „Servizi P“ der Armee gegründet. Die Erfahrung seiner Mitglieder in punkto Massenbeeinflussung sollte allerdings später den Faschisten zugute kommen.

[70] Lill, S. 287

[71] Mantelli, S. 21

[72] Mack Smith (pol. Hist.), S. 275

[73] Mantelli, S. 22

[74] Mantelli, S. 23; so zumindest die sozialistische Interpretation, die teilweise sogar soweit geht, den Faschismus als Komplott der bürgerlichen Kräfte darzustellen

[75] Whittam, S. 16

[76] Turati, in: Nolte (Hg.), S. 144

[77] Lill, S. 289

[78] Mack Smith pol, S. 276

[79] Streit entbrannte vor allem um das dalmatinische Fiume. Italien begründete die Forderung nach der Stadt mit der Tatsache, daß dort viele Italiener lebten. Wilson entgegnete, daß Italien dann ja auch gleich New York City verlangen könnte.

[80] DMS pol., S. 278

[81] Carsten, F.L.: The Rise of Fascism, Berkeley 1967, S. 48

[82] DMS, pol, S. 281 ; in Wahrheit hatte Italien, so Mack Smith, aber den Krieg verloren – denn der hatte gezeigt, daß Italien die schwächste Großmachrt war

[83] Mussolini hatte zunächst den Frieden von Paris begrüßt, war dann aber schnell auf die Linie der „vittoria mutilata“ umgeschwenkt, wovon er sich mehr Popularität erhoffte. DMS pol S. 280

[84] Carsten, S. 49

[85] Mantelli, S. 33

[86] Lill, S. 293

[87] DeGrand, Alex: Fascist Italy and Nazi Germany, ?????, S. 11

[88] Whittam, S. 8f

[89] DeGrand, S. 13

[90] Woolf, S.J., S. 47

[91] Nolte sieht die Entwicklung hier nicht zwangsläufig. Genausogut hätten die linken Interventionisten mit den Reformsozialisten die Sozialdemokratie gründen können. Letztere seien aber zu leninistisch gewesen, Nolte, S. 234

[92] Chiellino, Carmine: Italien. Band 1, Geschichte, Staat und Verwaltung, München 1981, S. 90

[94] vgl. Warooij, Bruno: The Rise and Fall of Fascism as a Generational Revolt, in: Journal of Contemporary History, Vol. 22, No. 3 1987, S. 406

[95] Baglieri, Who were..., S. 330

[96] DMS pol., S. 293

[97] Lill, S. 293

[98] DMS, pol. S. 297; es ist aber fraglich, inwiefern er damals schon einen so dezidierten Plan aufgestellt hat, oder ob er nicht eher die Umstände gut genutzt hat.

[99] DMS pol. S. 294

[100] Lill, S. 293

[101] DMS pol. S. 289f

[102] Mantelli, S. 42

[103] Lyttelton, S. 33

[104] DMS pol., S. 290

[105] Mantelli, S. 24ff

[106] Carsten, S. 53

[107] Mantelli, S. 27

[108] DMS pol., S. 296

[109] Baglieri, S. 329

[110] Carsten, S. 55; Ministerpräsident Bonomi sicherte demobilisierten Offizieren vier fünftel ihres Lohns zu, wenn sie zu den Faschisten gingen!

[111] Lyttelton, S. 40

[112] Carsten, S. 54

[113] Angelica Balabanoff weist darauf hin, daß die Faschisten die Unruhen bewußt geschürt hatten, daß es „in den Jahren 1919/20 [...] nicht eine einzige Streikbewegung [...] gegeben hat, die von den Faschisten nicht unterstützt oder geschürt worden ist.“ Sogar die klassische Argumentation, daß durech die Faschisten die Eisenbahnen pünktlich gekommen seinen, werde zur Farce, wenn man bedenke, daß diese, anders als die Sozialisten, die Eisenbahnerstreiks unterstützt hätten. Balabanoff, S. 32f

[114] Mantelli, S. 46; Leo Trotzki sieht rückblickend vor allem diese Unfähigkeit der Kommunisten, die Besonderheiten des Faschismus zu erkennen, der eben nicht klassisch reaktionär war, als fatalen Fehler. Trotzki, Leo: Fascism: What it is and how to fight it, http://eserver.org/history/fighting-fascism/ch02-How.Mussolini.Triumphe.txt

[115] DMS pol., S. 300

[116] Lyttelton, S. 39

[117] DMS pol., S. 301

[118] DMS pol., S. 299

[119] Insgesamt hatte er viele Gesichter, gab sich mal kultiviert, mal vulgär und konnte so seine Gegner immer wieder täuschen. DMS pol., S. 305

[120] Dies hatte vor allem den Zweck, Mussolini als respektablen und vernünftigen Politiker zu präsentieren. Aus dem gleichen Grund wandelte sich im November 1921 die „Bewegung“ zur Partei (PNF). Mussolinis Pakt stieß jedoch auf harsche Kritik aus seiner Partei, so daß er kurzzeitig zurücktreten mußte. Er schwenkte aber bald darauf wieder auf die alte Linie ein, um nicht an Einfluß zu verlieren, Mantelli, S. 51

[121] Sie hatten sich im Januar 1921 de facto in drei Gruppen gespalten: die neue Kommunistische Partei um Gramsci, die Maximalisten und die Reformsozialisten um Matteotti und Turati.

[122] DMS pol., S. 308