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Seminar für Politische Wissenschaft

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

 

Die Auflösung der NVA

und ihre Teilintegration in die Bundeswehr

 

Hausarbeit zum Hauptseminar

„Ausgewählte Probleme deutscher Sicherheitspolitik“

im Sommersemester 2001

Leitung: Prof. Dr. Manfred Funke

 

vorgelegt von:

Matthias Fuchs

7. Fachsemester Politologie

Kölnstraße 104

53111 Bonn

  1. Einleitung

 

Der in der vorliegenden Arbeit zu beschreibende Prozess sucht wohl seinesgleichen in der Militärgeschichte. Eine schwerbewaffnete Armee, ideologisch indoktriniert und mit einem deutlichen Feindbild ausgestattet, wurde auf friedliche Art und Weise aufgelöst und (wenn auch nur zu einem geringen Teil) in die ehemals verhasste Feindarmee integriert. All dies spielte sich in einem Zeitraum von weniger als einem Jahr ab.

Zu Beginn soll kurz auf die Gründe für die friedliche Auflösung der NVA und ihren Ablauf eingegangen werden. Die Erschütterung der inneren Struktur der Armee noch vor dem 9. November 1989 und der gescheiterte Versuch einer Militärreform sollen kurz erläutert werden. Es sollen die unterschiedlichen Positionen zum Schicksal der NVA angesprochen werden, ebenso wie die Entscheidungen, die schließlich zu einer sofortigen Auflösung und nicht etwa zu einem zeitlich befristeten Fortbestand geführt haben. Dabei wird in einem Exkurs auf die Besonderheiten der NVA, gerade im Vergleich zur Bundeswehr, eingegangen.

In welchem organisatorischen Rahmen wurde dann der Übergang geleistet von einer autoritären Parteiarmee zur Armee eines Rechtsstaats, die den Grundsätzen der „Inneren Führung“ gehorchte? Ausführlich soll erläutert werden, nach welchen Gesichtspunkten aus den Reihen der NVA Personal für eine Integration in die neuen gesamtdeutschen Streitkräfte ausgewählt wurde. Welchen Problemen sah man sich in diesem Zusammenhang gegenüber, und wie wurde die Integration von westlicher Seite, gerade in Bezug auf die notwendige „Umerziehung“ der übernommenen Soldaten, durchgeführt? Was geschah mit den gewaltigen Mengen an Kriegsmaterial aus den Beständen der NVA, aber auch anderer bewaffneter Organe? Auch soll, soweit dies zum jetzigen Zeitpunkt möglich ist, die Frage beantwortet werden, ob die Integration ein Erfolg war, und dies sowohl in struktureller Hinsicht wie auch im Hinblick auf die persönliche Integration der ehemaligen NVA-Soldaten. Kann man feststellen, dass die Bundeswehr einen überzeugenden Beitrag zur inneren Einheit Deutschlands geleistet hat, oder verbietet der Charakter des Prozesses eine solche Behauptung?

Es ist darauf hinzuweisen, dass sich diese Arbeit hauptsächlich auf Literatur aus West-Perspektive stützt, die oft die Linie der alten Bundeswehr widerspiegelt (z.B. Schönbohms Werk). Nach Möglichkeit wird aber auch auf abweichende Einschätzungen hingewiesen.

 

 

  1. Der Weg zur Auflösung der NVA

 

Seit Anfang der 1980er Jahre traten in der NVA bereits die ersten Spannungen auf. Auch in der indoktrinierten und isolierten DDR-Gesellschaft wurde man sich der Gefahr eines nuklearen Weltkriegs bewusst.[1] Während die atomare Nachrüstung im Westen zu Demonstrationen führte, bedingte sie im Osten Deutschlands laut Kutz einen tiefergehenden Prozess des Umdenkens.[2] Dies hatte, wie Scheler ausführt, fatale Folgen für die Wehrmotivation der Soldaten. Friedensbewahrung wurde zur Grundlage der Wehrmotivation, da man die Finalität eines erneuten Weltkriegs erkannte. Die Idee des Abschreckungsfriedens wich Ende der 80er Jahre dem Konzept des Verständigungsfriedens. Dadurch befand sich die NVA aber in der Misere, dass dem Klassenfeind somit auch, anders als bisher, ein Friedenswille unterstellt werden musste – die Legitimation des Feindbilds geriet somit ins Wanken.[3]

Drei Gründe waren laut Hanisch verantwortlich für die Umbruchssituation, in der sich die Armee am Vorabend der friedlichen Revolution in der DDR befand:

  1. Eine Sinnkrise der Soldaten, bedingt durch ein Aufweichen des Feindbilds, auch aufgrund von Annäherung an den Westen (ab 1987)
  2. Der exzessive Einsatz von NVA-Soldaten in der Volkswirtschaft (1989: fast 12.000 Mann), was angesichts des militärischen Auftrags demotivierend wirkte und auch die Gefechtsbereitschaft einschränkte.
  3. Die Sprachlosigkeit der militärischen und politischen Führung angesichts der Perestroika in der UdSSR und der Massenflucht von DDR Bürgern in den Westen ab Mitte 1989. Dies führte zu einem Vertrauensverlust gegenüber der eigenen Führung.[4]

Scheler und Hanisch gehen so weit, diese Umbruchssituation in der sich die Armee befand, verantwortlich für ihr Nichteingreifen während den Demonstrationen im Herbst 1989 zu machen.[5] Im Herbst 1989 waren 183 für die NVA unübliche Hundertschaften aufgestellt worden, die aber fast nie aktiv gegen die Demonstranten vorgingen.[6] Verantwortlich dafür war neben der veränderten Gesamtlage und dem fehlenden Druck durch die Sowjetunion vor allem der friedliche Charakter der Proteste, der viele Offiziere von einem Einsatz ihrer Truppen abhielt.[7]

 

2.1  Versuch der Militärreform

 

Seit Beginn der Proteste gegen das SED-Regime im Herbst 1989 wagten immer mehr Offiziere ihre Kritik am System der NVA offen auszusprechen. Auf einer turbulenten Sitzung im Verteidigungsministeriums wurde der bisherige Verteidigungsminister Keßler durch Admiral Theodor Hoffmann abgelöst. Hoffmann setzte sogleich eine Kommission zur Militärreform ein, die am 25.11. ihre Arbeit aufnahm. Bereits vor Weihnachten erhielt die Kommission über 2.000 Eingaben von Soldaten und Offizieren.[8] Hoffmanns sehr weitgehende Reformen beinhalteten ein neues Dienstgesetz, die demokratische Wahl von Sprechern in den jeweiligen Einheiten, die Einführung der 5-Tage-Woche und die Einsetzung von „Runden Tischen“ auf den Führungsebenen der Armee und im Ministerium. Die Umsetzung der Beschlüsse wurde aber von der Militärbürokratie verschleppt, da viele Offiziere in der Verwaltung den Reformen ablehnend gegenüberstanden. Diese Verzögerungen führten dazu, dass der einzelne Soldat kaum Veränderungen wahrnahm, Streiks und Aufstände waren die Folge (der bekannteste davon im Januar 1990 in Beelitz). [9] Im Aufruf des Beelitzer Soldatenrates wird deutlich, dass die Soldaten nicht nur politische Forderungen stellten, sondern vor allem die rigide Kommissigkeit der NVA mit ihrem rüden Umgangston, hohem Bereitschaftsgrad und eingeschränkter Bewegungsfreiheit kritisierten.[10] Nach einem Besuch in Beelitz ordnete Hoffmann die sofortige Einführung der 5-Tage-Woche und die Abschaffung der Arbeitseinsätze in der Volkswirtschaft an. Außerdem durften die Soldaten nun West-Fernsehen sehen und ihre Ausweise behalten (wodurch sie nun de facto die Möglichkeit zur Ausreise bekamen).

Diese Sofortmaßnahmen wurden zwar als „Perestroika im Überschalltempo“ kritisiert, trugen aber dazu bei, die Situation zeitweise zu stabilisieren.[11] Am 16.1. wurden alle Parteiorgane in der NVA aufgelöst (so u.a. die „Verwaltung 2000“, durch die das MfS die NVA überwachen konnte), die politische Arbeit wurde unter dem Namen „staatsbürgerliche Arbeit“ weitergeführt. Die DDR-Volkskammer war jedoch zu dieser Zeit so überlastet, dass die Reformbeschlüsse größtenteils gar nicht mehr zur Abstimmung gelangten.[12]

Durch Schaffung der Zeitschrift „Militärreform“ konnte Hoffmann zwar die Bürokratie umgehen und sich direkt an die Soldaten wenden, doch wurden alle Reformpläne nach den Wahlen im März ohnehin zur Makulatur. Der Weg schien eindeutig zur Wiedervereinigung zu führen und die Zukunft der NVA ungewiss. Hoffmann sieht die Leistung der gescheiterten Reform aber darin, dass sie notwendige Denkprozesse in der NVA in Gang setzte, die schließlich den friedlichen Umbruch erst ermöglicht hätten.[13] Es stellt sich die Frage, ob die Reform eine größere Kompatibilität beider Armeen (ein Thema, auf das in 2.3 noch genauer eingegangen wird) hätte erreichen können. Dies hätte möglicherweise eine leichtere Integration von ehemaligen NVA-Soldaten oder gar eine Fusion der beiden Armeen ermöglicht. Fest steht aber, dass die Reform vor allem wegen der geringen Zeit, die zur Verfügung stand, scheiterte. Für die Entwicklung durchdachter Konzepte und vor allem für die Verinnerlichung von Ideen, die dem bisher gelernten völlig entgegengesetzt waren, reichten die wenigen Monate von November 1989 bis Mitte 1990 nicht aus.[14]

Der größte Verdienst der NVA in dieser Zeit war die Sicherung der gewaltigen Waffenbestände trotz Desertationen und Personalabbau [15]. Auch wurden bis zur Wiedervereinigung die Bündnispflichten im Warschauer Pakt erfüllt.[16]

Es lässt sich feststellen, dass sich die NVA zu keinem Zeitpunkt offen gegen die Wiedervereinigung stellte. Laut einer Umfrage waren bereits im Januar 1990 40% der Soldaten, 41% der Unteroffiziere und 22% der Offiziere für eine Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten.[17] Eine Rolle dabei spielte sicher auch die von den politischen Führern immer wiederholte Auffassung, dass es für die NVA-Soldaten im vereinten Deutschland durchaus eine Zukunft gebe. Über die Frage des Fortbestandes der NVA gingen die Meinungen aber auseinander, wie im folgenden zu zeigen sein wird.

2.2   Ein Staat – Zwei Armeen?

 

Neuer Verteidigungsminister wurde nach den Märzwahlen Rainer Eppelmann (CDU), Theodor Hoffmann wurde Chef der NVA. Um eindeutig das Primat der Politik auszudrücken, wurde das Ministerium nun zum ersten Mal von einem Zivilisten geleitet, dazu noch von einem Pfarrer.[18] Eppelmann hielt bis zehn Wochen vor der Wiedervereinigung in der einen oder anderen Form an seinem Konzept fest, dass es in einem vereinigten Deutschland zumindest für eine Übergangszeit noch zwei Armeen geben werde.[19] Am 20. Juli noch leisteten die NVA-Soldaten einen neuen Eid auf die DDR, diesmal im Geiste des 20. Juli 1944.[20] Herspring sieht hinter diesem Verhalten die Erkenntnis Eppelmanns, dass die NVA womöglich mit unabsehbaren Folgen zusammengebrochen wäre, wenn er nicht solche Zusicherungen gegeben hätte. Auch wollte er wohl mit einem möglichst langen Beharren auf Maximalforderungen die Chancen erhöhen, dass die Bundeswehr sich bei der Übernahme von NVA-Personal entgegenkommend zeigen würde.[21]

Anfang Februar bereits machte der bundesdeutsche Verteidigungsminister Stoltenberg deutlich, dass Deutschland als ganzes Mitglied der NATO bleiben solle.[22] Für die Bundeswehrführung war schon länger klar, dass die NVA über den Oktober 1990 hinaus keine Existenzberechtigung hatte und dass es keine gleichberechtigte „Fusion“ geben konnte (die Gründe dafür werden im folgenden Abschnitt noch einmal näher erläutert). Daher hielt die Bundeswehr auch bis zum März 1990 Distanz zur NVA, man wollte der Parteiarmee eines Unrechtsregimes keine Anerkennung gewähren. Auch wollte man gegenüber den Verbündeten nicht den Eindruck deutsch-deutscher Militär-Verbrüderung erwecken. Kontakte wurden nur auf den unteren Ebenen zugelassen, waren aber sehr rege (vor allem von Seiten der NVA hatte man großes Interesse an Kontakten). Erst nach den Volkskammerwahlen kam es am 27. April 1990 zum ersten Treffen zwischen Stoltenberg und Eppelmann.[23] Am 13. Juni machte Stoltenberg auf einer Kommandeurtagung der Bundeswehr deutlich, dass er es für geboten hielt, dass es in Zukunft nur eine deutsche Armee geben sollte, die darüber hinaus nach den Grundsätzen der Bundeswehr aufgebaut sein sollte. Schönbohm wertet dies wie folgt: „Stoltenbergs Vorgaben hatten keinen Zweifel darüber gelassen, dass die NVA im vereinten Deutschland nicht mehr fortbestehen konnte.“[24]

Nach dem Kaukasus-Besuch Kohls, in dem Gorbatschow grünes Licht für eine NATO-Mitgliedschaft Gesamtdeutschlands gab, war die Situation klar. Stoltenberg stellte im August u.a. folgende Rahmenbedingungen für den Übergang vor:

  1. Die NVA hört am Tag der Deutschen Einheit auf, zu bestehen. Die NVA-Soldaten werden vorläufig Soldaten der Bundeswehr
  2. Die Verbände werden aufgelöst und neue Bundeswehrverbände aufgestellt.
  3. Etwa 20.000 Soldaten der ehemaligen NVA werden als Soldat auf Zeit zunächst probeweise für zwei Jahre von der Bundeswehr übernommen.
  4. Die Ausbildung von Wehrpflichtigen wird nach Richtlinien der Bundeswehr durchgeführt.
  5. Das Bundeswehrkommando Ost führt ab dem Tag der deutschen Einheit zentral alle Streitkräfte Ost.[25]

Gleichgültig, ob die Gründe für Eppelmanns Festhalten an der „2-Armeen-Theorie“ Naivität oder politisches Kalkül war, sie hatte den Effekt, dass die Lage innerhalb der NVA bis zum 3. Oktober stabil blieb. Freunde hatte er sich bei den ehemaligen NVA-Angehörigen, für die er bald zum „Vereppelmann“ wurde, damit allerdings nicht gemacht.[26] Admiral Hoffmann kritisiert darüber hinaus, dass, wenn die politische Führung die Sachlage von Anfang an ehrlich ausgesprochen hätte, man mehr Zeit für einen sozial verträglicheren, stufenweisen Personalabbau gehabt hätte.[27]

 

2.3  Gründe für eine Auflösung anstelle einer „Fusion“

 

Verschiedene Gründe waren dafür ausschlaggebend, dass es nicht zu einer gleichberechtigten „Fusion“ der beiden Armeen sondern zur Auflösung der NVA nebst Übernahme eines kleinen Teils ihres Personals in die Bundeswehr kam. Zum einen ließ der Zwang der in den 2+4-Gesprächen ausgehandelten Reduzierung der deutschen Streitkräfte auf 370.000 Mann gar keine andere Möglichkeit als einen radikale Verkleinerung der Armee. Ein gesamtdeutsches Heer von über 600.000 Mann wäre unmöglich gewesen. Zum anderen, und das war der ausschlaggebende Faktor, hielt man die NVA aufgrund ihres Charakters als Parteiarmee eines Unterdrückungsregimes für völlig inkompatibel zur Bundeswehr. Conrad weist auf folgendes hin: „Die militärischen Kulturen von Bundeswehr und NVA waren so gegensätzlich und grundverschieden, dass außer der Feststellung, es habe sich bei beiden um Streitkräfte gehandelt, keine Gemeinsamkeiten zu finden sind.“[28] Zur Verdeutlichung soll auf die militärische Kultur der NVA im folgenden kurz eingegangen werden.

Auf den ersten Blick gibt es laut Bald einige Gemeinsamkeiten zwischen Bundeswehr und NVA.[29] Andererseits hatte die NVA sich von der sicherheitspolitischen Entspannung in den 70er und 80er Jahren abgekapselt. Trotz der in 2. dargestellten Veränderungen herrschten hier noch immer zum großen Teil die alten Feindbilder vor. Auch war die NVA vom Charakter her mit der Staatsführung verwoben, sie war für die Bundeswehr eine Parteiarmee mit einseitiger Ausrichtung. Die NVA-Soldaten waren eben keine Brüder in Uniform. Vor allem die regierende CDU hatte gegen eine Integration Vorbehalte, wollte kein „Militär des Ostens“ in der Bundeswehr.[30]

Neue Erkenntnisse legen auch überzeugend dar, dass die NVA im Gegensatz zum Verteidigungscharakter der Bundeswehr eine offensive Ausrichtung hatte. Vorrangiges Planungs- und Übungsziel (bis 1989/90) war die Vernichtung der NATO-Streitkräfte auf westeuropäischem Gebiet. Marschallsuniformen, Kriegsorden und Besatzungsgeld lagen schon in Depots bereit.[31] Die NVA verfügte zur Erfüllung ihres offensiven Auftrags über riesige Mengen an Waffen, wie sich nach der Wiedervereinigung zeigte.[32]

Auch hatte die Bundeswehr eine weitaus pluralistischere Ausrichtung, der Verteidigungsminister war ein Zivilist und man bildete keinen „Staat im Staat“. In der NVA dagegen waren 96% aller Offiziere und Unteroffiziere Mitglied der SED und ein General war Verteidigungsminister.[33]

Gerade im alltäglichen militärischen Leben werden die Unterschiede deutlich: In der NVA herrschte eine Kriegsmentalität vor, geschürt durch eine Hasserziehung gegen den „Klassenfeind“ im Westen.[34] Ausdruck dieser Ausrichtung war der permanente 85prozentige Bereitschaftsgrad, denn die Waffensysteme mussten binnen weniger Stunden einsatzbereit sein.[35] Ein derartig hoher Bereitschaftsgrad wurde bei der Bundeswehr nicht einmal während der Kubakrise erreicht. Die NVA-Soldaten hatten daher nur wenig Freizeit und waren insgesamt stark von der Außenwelt abgeschottet. Eine allumfassende Geheimhaltung trug ihr übriges auch zur Isolation innerhalb der Armee bei.[36] Die relative Offenheit und Transparenz, die die Bundeswehr im Westen auszeichnete, war hier unbekannt. Ohnehin sorgten die negativen Eindrücke der Wehrpflichtigen für eine geringe Akzeptanz der NVA in der Gesellschaft, die starke Abnahme der Bereitschaft zum Wehrdienst bei Jugendlichen in den 80er Jahren ist ein beredtes Zeugnis dafür.[37]

Die Beziehungen zwischen den Soldaten, gerade zwischen Offizieren und Mannschaften, waren katastrophal. Der einfache Soldat war reiner Befehlsempfänger, von dem „unbedingter Gehorsam“ gefordert wurde. Er war teilweise brutalen Disziplinarmaßnahmen unterworfen. Der vorgesetzte Offizier hatte weitgehende Disziplinarbefugnisse, konnte in „unaufschiebbaren Fällen“ bei Befehlsverweigerung sogar von der Schusswaffe Gebrauch machen.[38] Auch eine Delegierung von Verantwortung an Untergebene wurde kaum praktiziert,[39] anders da die „Auftragstaktik“ in der Bundeswehr, die dem einzelnen Soldaten relativ viel Verantwortung übertrug. Die Allgegenwärtigkeit von Stasi-Spitzeln belastete darüber hinaus die Kameradschaft zwischen den Soldaten und verhinderte, dass die eigene Meinung offen geäußert oder Missstände angesprochen wurden.[40] Ein ausuferndes Belobigungssystem zusammen mit oft willkürlich verhängten Disziplinarstrafen und einer relativen Rechtlosigkeit des einzelnen Soldaten trugen zur Abhängigkeit vom Vorgesetzten, und so zur Schaffung opportunistischer Persönlichkeiten, bei.[41]

Insgesamt wurde dem Material ein viel höherer Stellenwert eingeräumt, als dem Personal: Nach der Wende stieß man auf perfekt instand gehaltene Wartungshallen für die Fahrzeuge und im Kontrast dazu auf völlig heruntergekommene Unterkünfte für die Soldaten.[42]

All diese alltäglichen Differenzen sollten Hindernisse bei der Integration der ehemaligen NVA-Soldaten darstellen, wie zu zeigen sein wird. Sie unterstreichen aber nochmals den völlig gegensätzlichen Charakter und machen deutlich, warum an eine gleichberechtigte Zusammenführung der beiden Armeen nicht zu denken war.

Zwar werden der Bundeswehr, z.B. von Detlef Bald, auch Siegermentalität und eigene Vorurteile gegenüber der NVA unterstellt.[43] Wohl ist es schwer vorstellbar, dass die NVA bei einer Gesamtstärke von 170.000 Aktiven und 300.000 Reservisten[44] wirklich der antidemokratische Monolith war, als der sie von der Hardthöhe gesehen wurde. Trotzdem ist insgesamt Conrad zuzustimmen, der ausführt: „Die Besonderheiten dessen, was die NVA gegenüber der Bundeswehr abgegrenzt hatte, waren zu groß, als dass sie unter den Bedingungen einer friedlichen Revolution und unter Zeitmangel entscheidend hätten geändert werden können.“[45]

 

 

  1. Der Ablauf der Integration

3.1  Der Übergang NVA-Bundeswehr in struktureller Hinsicht

 

Bis zum Juli 1990 beschäftigte man sich im Bonner Verteidigungsministerium hauptsächlich mit der Klärung der offenen politischen Fragen in Bezug auf den Charakter der gesamtdeutschen Armee, erst danach begann die eigentliche militärische Planung. Es wurde deutlich, dass die NVA gleichsam „über Nacht“ aufgelöst werden musste. Zunächst sollten die NVA-Einheiten komplett in die Bundeswehr übernommen werden, danach sollten sie aufgelöst und ggf. neu aufgestellt werden.

Ab dem 28. August nahm eine Verbindungsgruppe der Bundeswehr im Ministerium für Abrüstung und Verteidigung in Strausberg bei Berlin ihre Arbeit auf. Sie sollte klären, wie die NVA am schnellsten aufgelöst und einzelne Soldaten sowie Material und Liegenschaften in die Bundeswehr integriert werden könnte. Generalleutnant Jörg Schönbohm wurde von Stoltenberg zum zukünftigen Oberbefehlshaber des neuen Bundeswehrkommandos Ost in Strausberg ernannt. Dieses war direkt dem Verteidigungsministerium in Bonn unterstellt.[46] In Strausberg wurde darüber hinaus eine Außenstelle des Bonner Verteidigungsministeriums eingerichtet, unter der Leitung des Ex-DDR-Staatssekretärs Werner Ablaß.[47] Bereits vom 1. September an sollten alle Wehrpflichtigen der NVA von Bundeswehrsoldaten nach deren Vorschriften ausgebildet werden. Es sollten mehrer Divisionen aufgestellt werden, die bis zum Abzug der Sowjettruppen aber nicht der NATO assigniert werden sollten. [48] Insgesamt sollten im Osten Deutschlands 50.000 Mann Dienst tun. Diese Gesamtstärke sollte sich aus 25.000 Wehrpflichtigen, 5.000 Soldaten der alten Bundeswehr und bis zu 20.000 Berufs- und Zeitsoldaten der ehemaligen NVA zusammensetzen.[49]

Das Bundeswehrkommando Ost existierte schließlich bis zum 30. Juni 1991, danach wurden die Streitkräfte im Osten Deutschlands den Inspekteuren der jeweiligen Teilstreitkräfte unterstellt.

Von zentraler Bedeutung für die Umsetzung des Plans war die Entsendung von Bundeswehrsoldaten in alle Einheiten der ehemaligen NVA. Etwa 2.000 Offiziere und Unteroffiziere der Bundeswehr[50] übernahmen Kommandos. Alle Generäle der NVA waren am 27. September entlassen worden[51], so dass alle Führungspositionen, aber auch etwa die Hälfte aller Kommandos unterhalb der Divisionsebene von der alten Bundeswehr besetzt wurden.[52] Dies hatte auch den Zweck, klarzustellen, wer jetzt die Kommandogewalt hatte.[53] Ein westdeutscher Stabsoffizier machte den Standpunkt deutlich: „Wir wollen die Verantwortung ganz, sind nicht als Berater, sondern als Führer hier.“[54] Um schnelle und unbürokratische Hilfe leisten zu können, wurden darüber hinaus den Truppenteilen im Osten westdeutsche „Patenverbände“ zur Seite gestellt.[55]

Am 3. Oktober ging die Kommandogewalt auf das Bundeswehrkommando Ost über.[56] Aufgabe des Bundeswehrkommandos Ost war im einzelnen, Sicherheit und Kontrolle zu gewährleisten, den Abzug der Sowjettruppen zu unterstützen, Material, Waffen und Munition zu konzentrieren, Einheiten aufzulösen und neu aufzustellen – und die überwältigende Mehrheit der Truppen zu entlassen.[57] Am 3. Oktober war die Stärke der Bundeswehr auf 590.000 Mann angewachsen. Gemäß den Vereinbarungen zwischen Kohl und Gorbatschow musste diese Zahl bis zum 31. Dezember 1994 auf 370.000 Mann reduziert werden. Laut Herspring war der Auftrag der Bundeswehroffiziere also „abwickeln“.[58]

 

3.2   Personal

 

Als grundsätzliche Frage stellte sich im Vorfeld der Vereinigung, ob man überhaupt Personal der ehemaligen NVA übernehmen sollte. Stoltenberg war noch im März 1990 der Ansicht, für NVA-Soldaten gebe es bei der Bundeswehr keinen Bedarf.[59] Diese Bedenken rührten vor allem aus der Tatsache, dass dem von Hasspropaganda geprägten NVA-Personal nie und nimmer eine Wandlung zu guten Demokraten zugetraut wurde. Man sah sogar eine Gefahr für das innere Gefüge der Bundeswehr.[60] Auch war man besorgt, dass aufgrund der angestrebten Reduzierung der Gesamtstärke für jeden übernommenen NVA-Soldaten ein Berufssoldat der alten Bundeswehr entlassen werden müsse.[61] Schließlich setzten sich jedoch die Integrationsbefürworter durch. Allein zur Bewachung der gewaltigen Waffenbestände bräuchte man, zumindest mittelfristig, NVA-Personal, so die Argumentation. Vor allem aber sollte so ein Zeichen für das innere Zusammenwachsen Deutschlands gesetzt werden. Nicht zuletzt  sollte so dem Eindruck begegnet werden, dass die Bundeswehr als „Besatzungsmacht“ im Osten auftrete.[62]

Im Einigungsvertrag wurde dann auch festgelegt, dass das Verteidigungsministerium bei der Übernahme von ehemaligen NVA-Soldaten de facto nach Gutdünken verfahren konnte.[63]

Es wurde schließlich so vorgegangen, dass bestimmte NVA-Angehörige (auf die Auswahlkriterien wird im folgenden Abschnitt eingegangen) in den Status Soldat auf Zeit für zunächst zwei Jahre (SaZ 2) übernommen werden konnten. Nach zwei Jahren wurde dann entschieden, ob diese Soldaten weiterhin als Soldat auf Zeit bzw. Berufssoldat dienen könnten. 6.000 Offiziere, 11.200 Unteroffiziere und 800 Mannschaften wurden in ein Dienstverhältnis als SaZ 2 übernommen. Nach zwei Jahren wurden dann 3.027 Offiziere, 7.639 Unteroffiziere und 207 Mannschaften für ein weiterführendes Dienstverhältnis ausgewählt.[64]

 

3.2.1        Auswahlkriterien

 

Nachdem die prinzipielle Entscheidung zur Übernahme von NVA-Angehörigen gefallen war, legte man die Kriterien fest, nach denen über eine Übernahme entschieden wurde. Bis zum 31.12.1990 hatten alle NVA-Soldaten, die älter als 50 Jahre waren, die Armee zu verlassen. Sie sollten weiterhin 2/3 ihrer NVA-Dienstbezüge erhalten. Generale und Admirale waren noch von der DDR-Regierung entlassen worden.[65]

Die Truppenteile und Dienststellen wurden intern in drei Kategorien unterteilt:

Kategorie A: Truppenteile, aus denen Formationen der Bundeswehr gebildet werden sollten,

Kategorie B: Truppenteile, die für eine Übergangsfrist noch benötigt wurden, aber dann so schnell wie möglich aufgelöst werden sollten

Kategorie C: NVA-Einheiten, die sofort aufgelöst werden sollten. Hierunter fielen der gesamte Politapparat, die Grenztruppen, aber auch die Militärgerichtsbarkeit. Für diese Männer konnte es in der Bundeswehr keine Zukunft geben.[66]

Ab dem 3. Oktober konnten sich die zeitweise in die Bundeswehr aufgenommenen ehemaligen NVA-Soldaten für den SaZ 2-Status bewerben. Viele rechneten sich jedoch nur geringe Chancen aus, übernommen zu werden. So war bereits angekündigt worden, dass militärakademische Abschlüsse aus der DDR wegen dem hohen Ideologieanteil nicht denen aus dem Westen gleichgesetzt würden. Daher verwundert es nicht, dass nach dem 3. Oktober viele freiwillig ihren Abschied einreichten: 2/3 aller Offiziere schieden aus den Streitkräften aus, was die Bundeswehr im Osten vor erhebliche personelle Probleme stellte.[67] Die Moral derer, die blieben, aber unter Kategorie B fielen, war wegen der unklaren Lage der Übernahme auf einem Tiefpunkt. Angst verursachte vor allem die in Osten grassierende Arbeitslosigkeit. Ein NVA-Offizier äußerte sich wie folgt: „Soldaten dürfen nicht auf der Straße stehen, weil sie wissen, wo gegenwärtig Waffen und Munition gelagert werden. Ich habe Bauchschmerzen, Soldaten und Offiziere hier in Rostock bei einer Arbeitslosenquote von 30% zu entlassen. Sie müssen beschäftigt werden, egal wie.“[68]

Schönbohm räumt die Perspektivlosigkeit vieler Soldaten ein: „Wir brauchten die Hilfe von Offizieren und Unteroffizieren der NVA, durften aber nicht verschweigen, dass wir auf Dauer nur eine geringe Anzahl von ihnen übernehmen könnten.“[69]

Es wurden von der Bundeswehr umfangreiche Maßnahmen im Bereich der Weiterbildung unternommen, um den aus der NVA ausscheidenden Soldaten eine berufliche Perspektive außerhalb der Armee zu bieten (die DDR hatte bis Mitte 1990 ähnliche Maßnahmen unternommen). Diese konzentrierten Maßnahmen zu beruflicher Neuorientierung waren jedoch zu Beginn des Jahres 1991 wegen der Entlassungsflut und der schlechten wirtschaftlichen Lage in Ostdeutschland heillos überfordert. Fortschritte wurden erst ab Mitte 1991 erzielt, etwa im Rahmen der Konzertierten Aktion Weiterbildung.[70]

Ein weiteres psychologisches Problem stellte die Degradierung von in die Bundeswehr übernommenen Soldaten dar.[71] Dies resultierte aus der Tatsache, dass die NVA extrem „kopflastig“ gewesen war, d.h. dass das Verhältnis von Unteroffizieren zu Mannschaften in der NVA 1:1 betrug, in der Bundeswehr aber nur 1:3. Etwa 50% der Offiziere erfüllten Aufgaben, die in der Bundeswehr von Unteroffizieren übernommen wurden.[72] Verglich man Aufgaben, Leistung und Werdegang, musste man zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass die meisten NVA-Offiziere in der Bundeswehr einen niedrigeren Rang bekleidet hätten.[73] Das Gefühl, als Soldaten zweiter Klasse behandelt zu werden, konnten einige aber trotz gegenteiliger Beteuerungen von Stoltenberg und Schönbohm nicht abschütteln.

Nachdem es zunächst wegen des Geheimhaltungswahns in der NVA problematisch war, sich über das gesamte vorhandene Personal einen Überblick zu verschaffen, präzisierte die Personalstelle der Bundeswehr im November 1990 die Kriterien für die Übernahme in den SaZ 2-Status. Danach waren zunächst ausschlaggebend der Bedarf im jeweiligen Verwendungsbereich, der Geburtsjahrgang und der Dienstgrad. Bei Bewerbern waren ebenfalls zu berücksichtigen:

-         die militärische Qualifikation

-         der militärische Werdegang im Vergleich mit der Bundeswehr

-         die zivilberuflichen Qualifikationen (z.B. Fahrlehrer)

-         der Aufwand der für die Person nötigen Ergänzungsausbildung, um in der Bundeswehr Dienst zu tun.

-         Bisherige Erfahrungen in der Menschenführung (z.B. Kompaniechef)

-         Besondere Fähigkeiten (z.B. Kommandanteneignung)

-         Sprachkenntnisse[74]

Für die Bewerber, die nicht angenommen wurden, wurde teils durch berufsfördernde Maßnahmen die Aussicht auf einen Arbeitsplatz im zivilen Bereich verbessert. Schönbohm sorgte dafür, dass insgesamt 1.500 Bewerber mehr übernommen wurden, als ursprünglich geplant („Schönbohm-Spende“). Um dies zu erreichen übte er starken Druck auf Bonn aus, hauptsächlich um das Misstrauen der Ex-NVA-Soldaten zu beseitigen und seine Sorge um ihre Zukunft zu demonstrieren.[75]

Danach begann eine Testphase von 2 Jahren, in denen die neuen Bundeswehrangehörigen ihre fachliche und geistige Kompetenz unter Beweis stellen mussten, der Bundeswehr angehören zu können. Auch eine nachträgliche Feststellung der Mitarbeit bei der Stasi konnte zur sofortigen Entlassung führen. Nach Ablauf der 2 Jahre wurde aufgrund der Eignung des Bewerbers, des Bedarfs und letztlich gemäß der Beurteilung durch den neugeschaffenen Unabhängigen Ausschuss Eignungsprüfung (AEP) darüber entschieden, ob der entsprechende Bewerber als längerdienender Soldat auf Zeit bzw. Berufssoldat übernommen werden sollte. Als Vorbild fungierte hier der Personalgutachterausschuss (PGA), der 1955 über die Übernahme von ehemaligen Wehrmachtssoldaten in die neugeschaffene Bundeswehr entschieden hatte.[76] Ausdrücklich wurden Verstrickungen in das alte System mit Nachsicht gehandhabt, um jedem Bewerber eine möglichst faire Chance zu geben. Geprüft wurde die persönliche Eignung zum Soldaten der Bundeswehr.[77] Der AEP tagte vom Juni 1992 bis ins Frühjahr 1993. Von insgesamt 2648[78] Bewerbern wurde bei 2006 nach Aktenlage (persönlicher Werdegang, Beurteilungen durch Vorgesetzte) ein positiver Bescheid erteilt. 642 wurden zu persönlichen Gesprächen geladen. Von diesen wurden schließlich nur 35 negativ beschieden, so dass insgesamt 2613 ehemalige Offiziere der NVA als Berufssoldaten in die Bundeswehr übernommen wurden.[79] Am 2.10. 1992 wurde der erste ehemalige NVA-Soldat Berufssoldat der Bundeswehr.

Dieser Prozess führte zwangsläufig zu einer Verdrängung von Anwärtern auf den Status des Berufssoldaten aus den Reihen der alten Bundeswehr. Hier wurde in verschiedenen Fällen aufgrund politischer Quoten zugunsten von ehemaligen NVA-Angehörigen entschieden, sehr zum Unmut von Soldaten aus dem Westen.[80]

In seinem Abschlußbericht erwähnt der AEP die gute Kooperation zwischen seinen Mitgliedern aus Ost und West und die großen Leistungen der Bundeswehrsoldaten (West), die sich ihren neuen Kollegen aus der NVA sehr taktvoll und einfühlsam genähert hätten. Gleichzeitig sah man die Grenzen der eigenen Arbeit, indem darauf hingewiesen wurde, dass die Frage nach der Zahl der „Wendehälse“ unter den Bewerbern, die sich jedem System anpassen könnten, nicht beantwortet werden könne. Auch wurde konstatiert, dass das NVA-System von Unterdrückung, Konformismus und Opportunismus bei vielen der Bewerber tiefe seelische Wunden hinterlassen hätte. In diesem Zusammenhang wurde die besondere Bedeutung einer Weiterbildung der ehemaligen NVA-Soldaten im Bereich der Inneren Führung unterstrichen, um diese Defizite aufzuarbeiten.[81]

 

3.2.2 „Re-edukation“ der übernommenen Soldaten

 

Es war unerlässlich, dass die in die Bundeswehr übernommenen Offiziere schnellstmöglich mit den Grundregeln der Menschenführung in der Bundeswehr vertraut gemacht werden mussten. Wie in 2.3 dargestellt, hatte ja in der NVA ein ganz anderes Klima innerhalb der Armee geherrscht: geprägt von Willkür der Vorgesetzten, Rechtlosigkeit der Soldaten, politischer Indoktrinierung und fehlender Delegierung von Verantwortung. Das in der Bundeswehr praktizierte Prinzip der inneren Führung und die Auftragstaktik standen also auf dem Lehrplan der neuen Offiziere an erster Stelle.

Zum Ablauf der Ausbildungsmaßnahmen: Bis zum September 1990 wurden die Rekruten nach den alten NVA-Standards ausgebildet. Nach einer Unterbrechung setzten sie ab dem 3.10. die Grundausbildung nach Standards der Bundeswehr fort. Im Falle der Berufssoldaten wurden 3-wöchige Lehrgänge eingerichtet, um ihnen die Besonderheiten der Inneren Führung nahezubringen. Bis Mitte 1992 hatten etwa 10.000 ehemalige NVA-Soldaten an diesen Lehrgängen teilgenommen.[82] Für diejenigen, die dann in den Status SaZ 2 übernommen worden waren, stand ein spezielles Ausbildungsprogramm an, für Offiziere (Hauptmann bis Leutnant) sah dies wie folgt aus: Zunächst beinhaltete es ein Selbststudium zu den Prinzipien der Inneren Führung, eine 1-3monatiges Truppenpraktikum in einer westdeutschen Einheit, dem Ergänzungslehrgang II an der Offizierschule des Heeres und den Ergänzungslehrgang III an Truppenschulen der Bundeswehr. Bei letzterem nahmen die NVA-Offiziere an den „normalen“ Lehrgängen der Bundeswehr teil.[83] In den westdeutschen Einheiten sollte das alltägliche Zusammenleben in der Bundeswehr fern von abstrakten Richtlinien begreifbar gemacht werden. Während der praktischen Tätigkeiten beurteilte der Vorgesetzte, inwieweit die entsprechenden Personen für den weiteren Dienst in der Bundeswehr geeignet waren.[84] Einen großen Beitrag leisteten auch Ausbildungspatenschaften zwischen Verbänden aus West und Ost. Sie beinhalteten Truppenpraktika, aber auch die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen für Unteroffiziere. Hier wurde die oft bitter nötige „Nabelschnur“ für die Verbände im Osten geschaffen, sehr zur Freude der Soldaten in den neuen Bundesländern.[85]

Schnell jedoch wurden Defizite in der Ausbildungsplanung deutlich. Der Rechtsberater des Korps- und Territorialkommandos Ost legte 1992 eine umfangreiche Studie zu den Defiziten des Rechtsunterrichts in den Lehrgängen vor. Zunächst kommt er zu dem Schluss, dass der Rechtsunterricht vom Umfang her nicht ausreichend sei: „Es übersteigt offensichtlich die menschlichen Möglichkeiten, binnen weniger Wochen und Monate das in Jahrzehnten Erlernte, Erfahren und selbst Praktizierte als nicht mehr gültig anzuerkennen.“[86] Weiterhin trat das Problem auf, dass Offiziere als Disziplinarvorgesetzte schon Aufgaben wahrnahmen, für die sie noch gar nicht ausgebildet waren. Es gab Teileinheitsführer, die „bar jeder im soldatischen Alltag an- und umsetzbarer Rechtskenntnisse sind.“[87]

Als die angesprochenen Defizite, nicht nur im Bereich Disziplinarrecht, auch im Hinblick auf Sicherheitspolitik und militärischer Taktik 1992 deutlich wurden, zog Generalleutnant von Scheven in einem Kommandeursbrief die „Notbremse“.[88] Es wurde angeordnet, dass die Teilnahme an den Lehrgängen II und III Vorrang vor allgemeinen Truppenbelangen haben solle. Außerdem sollte jeder übernommene NVA-Offizier, bevor er weitere Führungslehrgänge absolviert, ab Ende 1992 an einem zusätzlichen, 3-4wöchigen „Ergänzungslehrgang zum Ergänzungslehrgang“ teilnehmen. Die Erfahrungen mit diesem neu geschaffenen Lehrgang waren dann doch so positiv, dass ab dem Frühjahr 1993 die ersten ehemaligen NVA-Offiziere an den Grundlehrgängen der Führungsakademie teilnehmen konnten, gemeinsam und gleichberechtigt mit ihren Kameraden aus dem Westen.[89]

Conrad führt das Beispiel des Rechtsunterrichts an, um deutliche Kritik an der didaktischen Qualität der Ausbildungsplanung zu üben. Zu sehr sei „Institutionen- und Paragraphenkunde“ betrieben worden. Sein Hauptkritikpunkt ist, daß versäumt wurde, auf den spezifischen sozialen Kontext der ehemaligen NVA-Soldaten einzugehen. Stattdessen sei einfach das alte Bundeswehr-Unterrichtsmaterial in den o.g. Lehrgängen verwendet worden, was zwangsläufig zu großen Verständnisschwierigkeiten von Seiten der ehemaligen NVA-Angehörigen geführt habe. So wurde beispielsweise von den Teilnehmern gefordert, die Unterschiede in der rechtlichen Stellung von Bundespräsident und dem Reichspräsidenten der Weimarer Republik und des Kaisers während des Kaiserreichs herauszustellen. Ein Bezug auf den Staatsratsvorsitzenden der DDR wäre für den betroffenen Personenkreis ungleich hilfreicher gewesen, um Unterschiede verständlich zu machen. Insgesamt blieb der Unterrichtsinhalt also zu abstrakt, weil der Kontext, die Wertgrundlagen, nicht vertraut waren. Das vermittelte Wissen wurde zwar verstanden, aber konnte in der kurzen Zeit nicht verinnerlicht werden. So wurden eher instrumentelle Fähigkeiten in Bezug auf das Disziplinarrecht vermittelt, aber kein Verständnis ihrer Grundlagen.[90]

 

Für viele ehemalige NVA-Offiziere war diese neue Ausbildung Teil einer psychologisch schwierigen Umstellung. Hierauf wird im folgenden Kapitel genauer eingegangen. Trotz aller Verdienste, die sich die NVA beim friedlichen Übergang erworben hatte, wurde von Schönbohm immer wieder betont, dass für alle übernommenen Soldaten der vollständige Bruch mit der Vergangenheit nötig sei: „Wenn solche Offiziere hofften, künftig in der Bundeswehr dienen zu können, müssen sie sich aber ohne Wenn und Aber von der Vergangenheit der sozialistischen Streitkräfte lösen.“[91]

 

3.3  Material und Liegenschaften

 

Am 3. Oktober 1990 stand die Bundeswehr vor der Aufgabe, einen gigantischen Berg von Waffensystemen zu verschrotten, auszumustern oder abzugeben: darunter insgesamt 1,7 Millionen Waffen, 300.000t Munition, 440 Kampfflugzeuge und Hubschrauber, 2.300 Kampfpanzer, 70 Schiffe der Volksmarine, 7.850 gepanzerte Fahrzeuge, 3.400 Geschütze und 10.600 Boden-Luft-Raketen.[92] Zusätzlich mussten 2.285 militärische Liegenschaften der NVA sowie Liegenschaften der abrückenden Sowjetarmee übernommen oder ziviler Nutzung zugeführt werden.[93] Betrachtet man die Menge der vorgefundenen Waffen, stellt sich heraus, dass die NVA über mehr Feuerkraft verfügte als die alte Bundeswehr – obwohl letztere viermal mehr Soldaten hatte.

Die Bewachung der Bestände an Waffen und Munition stellte daher für die Bundeswehr zunächst das größte Problem dar. Durch die große Anzahl von Soldaten, die in den Monaten vor und nach der Wiedervereinigung aus der Armee ausschieden, verschärfte sich das Problem. Auch wurden die Elektrozäune, die die Waffendepots sicherten, aus ethischen Gründen von der Bundeswehr abgeschaltet. Dadurch wurde mehr Personal für den Wachdienst benötigt, was zur Folge hatte, dass nun selbst Offiziere für den Wachdienst eingeteilt werden mussten. Insgesamt wurden zu Beginn ca. 11.000 Mann benötigt, allein um die Munitionslager zu bewachen. So verwundert es auch nicht, dass ein Grundwehrdienstleistender in der ehemaligen DDR 40% seiner Zeit mit Wachdienst verbringen musste. Im Westen waren es gerade 5%.[94]

Da der Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa Deutschland enge Grenzen in Bezug auf die Streitkräfte auferlegte, musste der Großteil des Materials schnell vernichtet werden. Bereits vor der Wiedervereinigung hatte sich die NVA bemüht, Gerät an Länder der Dritten Welt abzugeben. So wurden u.a. 65 Lastwagen an Angola, Mosambik und Äthiopien geliefert. Dies konnte aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Bonn lieferte Material im Wert von ca. 1,2 Mrd. DM (hauptsächlich Lastwagen, Pionierausrüstung und Schutzausrüstung gegen chemische und biologische Kampfstoffe) als „Golfkriegshilfe“ an die USA. Man legte nun Kriterien fest, welche Arten Gerät behalten werden sollten: es musste Bedarf vorhanden sein, die Nutzung musste sinnvoll sein, das Material musste in gutem Zustand sein, zur militärischen Struktur der Bundeswehr passen, und die Folgeversorgung (z.B. Ersatzteile) musste gesichert sein. Eines der wenigen Waffensysteme, das diesen Kriterien entsprach, war eine Staffel aus 24 MiG-29 Jägern. Immerhin erhielt man so hervorragende Flugzeuge zusammen mit ausgebildeten Piloten und Technikern. Panzer, Mannschaftstransporter, Hubschrauber, usw. wurden u.a. an Schweden, die Türkei, Kasachstan, Kirgisien oder in die Mongolei verkauft. Es wurden pakistanische UN-Truppen genau wie internationale Hilfsorganisationen mit Gerät ausgestattet, an letztere vor allem Fahrzeuge, Anhänger, Bekleidung, Feuerlöschgeräte, etc geliefert. Der weitaus größte Teil des Materials wurde jedoch Zivilfirmen zur Vernichtung übergeben.[95] Die Frage, inwieweit hier vorschnell gehandelt und zum Teil auch nützliches Material übereilt vernichtet wurde, ist offen. Fest steht, dass es angesichts der schieren Menge kaum eine andere Möglichkeit gab.

70% der Liegenschaften der NVA (Kasernen, Truppenübungsplätze, Depots, etc.) wurden von der Bundeswehr an die Länder und Kommunen übertragen.[96] Von 62 Truppenübungsplätzen wurden nur 9 weiter von der Bundeswehr genutzt. Allerdings muss man dabei bedenken, dass der Anteil der militärischen Flächennutzung im Verhältnis zur Gesamtfläche der DDR höher als im Westen ist. Vor allem großflächige Manövergebiete wurden weiter genutzt. Bei einer Stationierung von höchstens 69.000 Mann sollte im Osten bis zu 100.000 ha Übungsfläche weiter genutzt werden. Im Westen sind es weniger als 80.000 ha.[97]

Andererseits erwuchs den Kommunen bzw. dem Bund durch die Rückgabe von NVA-Flächen und Einrichtungen wegen oftmals günstiger infrastruktureller Lage oder durch Verkauf an Investoren ein erheblicher Nutzen. Trotz bürokratischer Hindernisse, zum Teil unklarer Rechtslage und ökologischer Schäden hat die Rückgabe von NVA-Liegenschaften doch einen großen strukturfördernden Nutzen für Länder und Kommunen gehabt.[98]

Kurz noch eine Bemerkung zur Konversion der Rüstungsindustrie: Hatte man vor der Wiedervereinigung noch große Hoffnungen in eine Umstellung von Wehrtechnikproduzenten auf zivile Herstellungsverfahren gesetzt, so wurden diese enttäuscht. Das Wegbrechen des Marktes in Osteuropa, die sich verschlechternde wirtschaftlichen Lage in der DDR, die oft periphere Lage der Betriebe, fehlende Investitionen und hohe Schulden wären als Gründe zu nennen. Ein beträchtlicher Teil der Rüstungsbetriebe wurde von westdeutschen Rüstungsfirmen aufgekauft (z.B. MTU).[99]

 

 

  1. Ergebnisse der Integration

4.1  Integrationsprobleme und ihre Gründe

 

„Wollte man den NVA-Offizier zum Zeitpunkt seines Beitritts zur Bundeswehr mit einem einzigen Ausdruck beschreiben, dann hieße der: am Boden zerstört.“ (Herspring)[100]

Für die ehemaligen NVA-Angehörigen waren bei der Übernahme in die Bundeswehr eher psychologische als militärhandwerkliche Hürden zu überwinden. Die Tatsache, nun zusammen mit Menschen zu arbeiten, die man vor wenigen Monaten noch als Feinde betrachtete, war verwirrend für die meisten. Während ihrer gesamten Dienstzeit hatten sie geschworen, gegen das System zu kämpfen, das sie nun aktiv unterstützen mussten.

Auch entwickelte sich bei vielen eine Art Sozialneid: Die Soldaten der Bundeswehr hatten im Westen alles gehabt, man selbst hatte in einer Welt des Mangels gelebt. Außerdem hatten die Bundeswehrsoldaten rückblickend „auf der richtigen Seite gestanden“.[101] Auch erlebten viele ein Gefühl der Erniedrigung. Dies lag an dem Gefühl der Niederlage gegenüber dem Westen.[102] Und nun waren die Sieger auch noch die neuen Mentoren. Auch die schon angesprochenen Degradierungen (oft um zwei Dienstgrade[103]) verstärkten dieses Gefühl der Erniedrigung bei den Offizieren, aber auch die Tatsache, dass sie ihre bisherige privilegierte soziale Stellung aufgeben mussten. Von Zivilisten waren NVA-Offiziere in der DDR hoch angesehen worden, glaubte man doch (teils zu Unrecht) dass sie mehr verdienten und z.B. bei der Zuteilung von Wohnraum bevorzugt würden. Angesichts grassierender Arbeitslosigkeit und der Personalplanung der Bundeswehr machten sich viele Sorgen um ihre Zukunft. Die existentielle Krise und die Unsicherheit, die viele ehemalige NVA-Angehörige nach der Wiedervereinigung erlebten, verdeutlicht ein Erfahrungsbericht: „Ich habe erlebt, wie ein Wessi-Feldwebel einen Leutnant aus der NVA zusammengeschissen hat [...] der hat sich das gefallen lassen, weil er Angst gehabt hat, er würde sonst entlassen.“[104]

Auch fühlten sich viele als „Soldaten zweiter Klasse“. Gerade bei Soldaten aus Kategorie B (siehe 3.2.1) war ein Grund dafür die Erkenntnis, dass man nur so lange gebraucht werde, bis alles „abgewickelt“ sei. Ein anderer Grund war z.B. die schlechtere Bezahlung als im Westen (mit Ausnahme der Grundwehrdienstleistenden). Selbst 1998 erhielten ehemalige NVA-Offiziere erst 85% dessen, was ihre Kameraden im Westen verdienten. Allerdings darf man nicht außer Acht lassen, dass diese Regelungen für alle Angestellten des öffentlichen Dienstes in Ostdeutschland galten.[105]

Conrad stellt als besonderes Problem den Zwangscharakter der Integration in das Wertesystem der Bundeswehr dar. Ein Wechsel der Identität, der Zwang zum Bruch mit der Tradition, führe zu psychologischen Problemen, zu „schlecht heilenden Narben“. Wo aber zu große Rücksicht auf Empfindlichkeiten genommen wurde, war eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nicht möglich. So verklärten überraschend viele in die Bundeswehr übernommene Offiziere die NVA als „die andere deutsche Armee“. So wurde Verwandtschaft mit der Bundeswehr impliziert. Aber auch wenn eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit alte Wunden wieder aufriss, so war sie doch nötig. Nur durch einen Bruch konnten die ehemaligen NVA-Angehörigen eine neue Identität als Bundeswehrsoldaten gewinnen. Schönbohm wurde daher nicht müde, den „Bruch mit der Vergangenheit“ zu fordern.[106]

 

Die meisten Probleme, die die ehemaligen NVA-Soldaten bei ihrer Integration in die Bundeswehr erlebten, sind zurückzuführen auf die in 2.3 dargestellten Besonderheiten der NVA im Vergleich zur Bundeswehr. Für Offiziere, die in einer Armee gedient hatten, wo unbedingter Gehorsam galt und drakonische Disziplinarstrafen an der Tagesordnung waren, musste die Konzeption von „Rechten der Soldaten“ und die gesamte Idee der Inneren Führung als „elementare Dummheit“ erscheinen.[107] Disziplin und Aufgabenerfüllung waren, so die Meinung von vielen, wichtige Elemente einer Armee, da konnte auf den Einzelnen doch keine Rücksicht genommen werden. Diesen Offizieren andere Umgangsformen ihren Untergebenen gegenüber anzutrainieren, war sehr aufwendig.[108]

Bei vielen Berufssoldaten führte das Unverständnis der Prinzipien der Inneren Führung und die oben angesprochenen Zusammenbrüche von Werten zu einem Rückzug auf vermeintlich sicheres Terrain: Immer mehr orientierte man sich am militärischen „Handwerk“, versuchte den politisch-ethischen Bereich auszuklammern. Diesen besorgniserregenden Trend legen zumindest Befragungsergebnisse von Conrad nahe. Nach der Erfahrung eines umfassenden Wertzusammenbruchs ist dies als ein „die Identität stabilisierenden Rückzug auf bewährte Fähigkeiten und Fertigkeiten“[109] zu verstehen.

Da die NVA von Spitzeln nur so durchdrungen war, waren es die Soldaten auch nicht gewöhnt, ihre Meinung einem offen zu äußern. Kritik an einem Vorgesetzten konnte gefährlich sein – oder unberechtigt, da dieser vielleicht über mehr Informationen als man selbst verfügte (aufgrund des Geheimhaltungswahns der NVA). In jedem Fall war es besser, gar nichts zu sagen. An den viel offeneren Umgangston in der Bundeswehr musste man sich erst gewöhnen. Auch waren die Hierarchien nicht so starr wie in der NVA. So schildert Schönbohm die Aussage eines ehemaligen NVA-Offiziers: „Ich bin seit 18 Jahren Offizier. Doch die Tatsache, dass ich so frei mit einem General sprechen kann, ist für mich etwas völlig Neues.“[110] Erst langsam schafften es die ehemaligen NVA-Offiziere, ihre psychologischen Hemmungen zu überwinden. „Während Gespräche anfangs wie Monologe waren, begannen sich die ehemaligen ostdeutschen Offiziere und Unteroffiziere nach und nach zu öffnen.“[111]

Insgesamt hatte das Klima der dauernden Bespitzelung und die Doppelmoral zwischen „offiziellen“ und „privaten“ Wahrheiten opportunistische Persönlichkeiten hervorgebracht. Der autoritäre Führungsstil und die Angewohnheit, dass die höchsten Kommandobehörden minutiös selbst kleinste Details des Dienstes vorgaben (Mikromanagement), zerstörte jegliche Initiative von Seiten der Soldaten. Alles war durchgeplant, nur selten wurde Verantwortung an Untergebene delegiert. Dadurch wurde jegliches kreatives Handeln der Soldaten unterbunden, obwohl die Militärführung nicht müde wurde, gerade dies zu fordern. Eigenmächtige Initiative wurde aber allenfalls im Bereich der Rationalisierung technischer Prozesse o.ä. ideologiefreier Felder zugelassen. Die daraus resultierende Initiativlosigkeit der ehemaligen NVA-Soldaten fiel sogleich negativ in ihrem neuen Umfeld auf.[112]

Auch die offene Art, in der unterschiedliche politische Standpunkte von Soldaten in der Bundeswehr vertreten wurden, war unbekannt. Zwar war die NVA politisch stärker indoktriniert, doch beschränkte sich die politische Beteiligung darauf, die Politik der herrschenden Partei kritiklos zu akzeptieren. Der Soldat der Bundeswehr war eher am politischen Leben beteiligt, diskutierte offener, wählte seine Volksvertreter. Herspring bezeichnet daher – so überraschend es klingen mag – die NVA als weniger „politisiert“ als westliche Armeen.[113]

Conrad zieht eine allgemeine Bilanz der Integration aus Sicht von 1993. Darin zeigt er u.a. folgendes auf:

-         die Integration war strukturell erfolgreich: die neuen Einheiten waren aufgestellt, die statusmäßige Übernahme des Personals war abgeschlossen, die Ergänzungslehrgänge größtenteils absolviert worden, formal war die Angleichung der Ausbildung geschafft, die Infrastruktur (Kasernen, Übungsplätze) entscheidend verbessert worden. Auch war der Personalaustausch in Ost-West-Richtung in Gang gekommen.[114]

-         es war problematisch, dass sich durch das Bedürfnis nach „Normalität“ der Integrationsprozess oft auf die Funktionalität beschränkte und das Ringen um die geistigen Grundlagen des Dienstes immer mehr erlahmte

-         die Ausbildung war didaktisch oft schwach

-         für die ehemaligen NVA-Soldaten bestand ein Anpassungszwang, weil die West-Offiziere in allen Belangen dominant waren

-         die Bundeswehrsoldaten aus dem Westen konnten die Situation der übernommenen NVA-Soldaten durch Einfühlungsvermögen und Kameradschaft verbessern

-         die militärhandwerklichen Fähigkeiten waren verbessert worden, die Vermittlung von Wertvorstellungen kam aber oft zu kurz

-         soziale Probleme blieben auch durch Übernahme durch die Bundeswehr weiter bestehen. So mussten die neuen Bundeswehrsoldaten nach Ende der Dienstzeit mit weit geringeren Rentenzahlungen als ihre West-Kameraden rechnen.[115]

 

4.2   Der Beitrag der Bundeswehr zur Einheit

 

Hat die Bundeswehr durch die Integration von Soldaten der NVA einen Beitrag zur deutschen Einheit geleistet? Angesichts der Tatsache, dass im Falle des Heeres nur 12% der 1990 übernommenen Soldaten auch wirklich in Dienstverhältnisse als Berufs-/Zeitsoldat übernommen wurden, kann dieser Beitrag auf den ersten Blick nur selektiv gewesen sein. In anderer Hinsicht wird die Leistung der Bundeswehr deutlicher: durch eine geographische Durchmischung von Wehrpflichtigen aus Ost und West wurde eine „Ghettobildung“ verhindert. Bis 1994 wurden 58.000 Soldaten aus dem Westen im Osten stationiert.[116] Gegen die Stationierung von ehemaligen NVA-Offizieren im Westen herrschten in der alten Bundeswehr zunächst große Vorbehalte. Soldaten im Westen brachten Schilder in ihren Schränken an, auf denen es hieß: „Ich lasse mir von ehemaligen NVA-Offizieren nichts befehlen.“ Doch ab 1993 wurden verstärkt Ex-NVA-Offiziere in den Westen geschickt, im Sommer 1993 waren bereits 232 versetzt worden[117]. So wurde ihre Präsenz auch im Westen mehr und mehr zur Normalität. 1996 waren etwa 6.000 Offiziere und Unteroffiziere aus der alten Bundesrepublik im Osten, 7.100 Offiziere und Unteroffiziere des Ostens dienten im Westen.[118]

Auch bekam die Wirtschaft in den neuen Ländern durch Aufträge der Bundeswehr wichtige Impulse. 25.000 neue Arbeitsplätze wurden durch die Übernahme der Wehrverwaltung im Osten geschaffen. Bereits 1991/92 zahlte die Bundeswehr 1,8 Mrd. DM zur Sanierung maroder Kasernen an Bauunternehmen, in den folgenden Jahren jeweils 1 Mrd. DM. 1992/93 gab man von Seiten der Bundeswehr fast 10 Mrd. DM für einigungsbedingte Aufgaben aus, darunter die Verschrottung von Waffensystemen und die Sanierung von Liegenschaften.[119]

 

Eine der Leistungen der Bundeswehr war es in jedem Fall, zu den Menschen im Osten Deutschlands ein völlig neues Verhältnis aufzubauen. Die Bundeswehr zeigte sich offen als eine ganz andere Armee als die NVA. Wo früher Willkür und Abschottung gegenüber der Bevölkerung an der Tagesordnung waren, wurden nun Bürger zur Besichtigung in die Kasernen eingeladen. Auch Offiziere besuchten Bürgermeister und Vertreter des öffentlichen Lebens.[120] Schönbohm beschreibt ein öffentliches Gelöbnis, das auf dem Marktplatz in Bad Salzungen abgehalten wurde. Während der Pfarrer des Ortes anfangs dem „militärischen Spektakel“ sehr ablehnend gegenüberstand, kam er nach der Zeremonie auf Schönbohm zu und äußerte sich erfreut über den Charakter des Gelöbnisses, den er sich so nicht vorgestellt hatte.[121] Ein kleiner Schritt auf dem Weg der Annäherung der Bundeswehr zu den Kirchen im Osten, die der Armee anfangs verständlicherweise sehr ablehnend gegenüberstanden. Schönbohms „Politik der Offenheit“ zeigte Erfolge: In einer Allensbach-Umfrage 1991 sagten bereits 30% der Befragten, dass sie Vertrauen in die Bundeswehr hätten. In einer Umfrage im April 1990 sagten dies nur 13% von der NVA.[122] Im Jahre 1996 betrachteten 78% der Ostdeutschen die Bundeswehr als einen integralen Bestandteil der Gesellschaft. In einer anderen Umfrage im selben Jahr gaben 75% an, von der Bundeswehr eine „hohe“ oder „sehr hohe“ Meinung zu haben. [123] Für viele Ostdeutsche war die Bundeswehr auch ein beliebter Arbeitgeber, v.a. wegen der sozialen Sicherheit in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit. Genauso war die Laufbahn des Offiziers für junge Ostdeutsche attraktiver als für Westdeutsche. 1993 kam bereits fast ein Drittel aller Freiwilligen in der Bundeswehr aus den neuen Ländern.[124]

Es soll nicht verschwiegen werden, dass der radikale Personalabbau in den Monaten vor und nach dem 3. Oktober 1990 auch negative Auswirkungen auf die Gesamtbilanz des Beitrags der Bundeswehr zur Einheit gehabt hat. Das Schicksal der (aus welchen Gründen auch immer) aus der NVA ausgeschiedenen Berufssoldaten kann zwar hier nur am Rande behandelt werden, doch ist zu bemerken, dass diese Gruppe trotz gewisser Anstrengungen der Bundeswehr große Probleme bei der Integration in die neue Gesellschaft hatte, speziell im Hinblick auf den Arbeitsmarkt. Laut einer Umfrage fühlten sich auch 1995 noch 87,8% von ihnen als „Bürger zweiter Klasse.“[125]

 

Conrad zieht 1995 die Bilanz, dass das von Schönbohm geforderte „Heer der Einheit“ zu 2/3 Wirklichkeit geworden ist. Allerdings gebe es im Offizierskorps trotz großer Integrationsleistungen noch eine deutliche Heterogenität.[126]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Integration der NVA-Soldaten in die Bundeswehr beispielhaft für allgemeine Phänomene bei der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten war:

-         es wurden die Unterschiede soziokulturellen (militärischen) Kontext unterschätzt, was zu Kommunikationsproblemen führte

-         Bonner Routineverfahren scheiterten an der spezifischen Situation (z.B. die angesprochenen didaktischen Defizite beim Unterricht über Innere Führung)

-         Idealisten aus dem Westen leisten beeindruckendes im Osten (z.B. die Westoffiziere im Osten oder die Patenschaften)

Conrad wertet den Beitrag des Heeres trotz Problemen insgesamt als „gutes Beispiel“ für die Integration.[127]

Herspring resümiert den Beitrag der Armee zur Einheit positiv: „Die Bundeswehr hat mehr als jeder andere Teil der deutschen Gesellschaft dafür getan, sowohl die psychische als auch die physische Vereinigung zustande zu bringen.“[128] Zwar sei das Ende des Weges noch nicht erreicht, noch kein ehemaliger NVA-Offizier ist zum Beispiel zum General aufgestiegen, aber dennoch habe die Bundeswehr „die Vereinigung schneller und reibungsloser als jeder andere Teil der deutschen Gesellschaft bewerkstelligt.“[129]

Es gibt aber auch andere Stimmen. Egon Bahr beklagt den radikalen Bruch mit allem, was aus der DDR kam und die fehlende Würdigung der Rolle der NVA im Einigungsprozess. In seinem Vorwort zum Werk von Gießmann, schreibt er, dass „die Chance nicht genutzt wurde, aus dem Zusammenführen zweier Armeen ein Modell für die innere Einheit Deutschlands zu machen. Hohe Offiziere der NVA bekamen nicht die Chance [...] ihre demokratische Loyalität zu beweisen, die hohen Offizieren der Wehrmacht [...] gegeben wurde, um beim Aufbau der Bundeswehr mitzuwirken.“[130]

Von allen Seiten wird aber die positive Rolle der West-Offiziere gewürdigt, die im Osten Aufbauarbeit geleistet haben. Gerade Schönbohm erhält von den Autoren viel Lob.[131]

Der damalige Bundespräsident Richard v. Weizsäcker betonte in einer Rede am 29. 4. 1991: „Die Soldaten der Bundeswehr leben die deutsche Einheit vom ersten Tage an vor.“[132] Und ein ehemaliger Oberst der NVA drückte es so aus: „Was wäre, wenn die Geschichte umgedreht verlaufen wäre? Ob wir ihnen soviel Verständnis entgegengebracht hätten, das möchte ich bezweifeln.“[133]

 

 

  1. Schlussbemerkungen

 

Dem Ende der Nationalen Volksarmee der DDR zum 3.10. 1990 waren in den Jahren davor bereits Auflösungserscheinungen vorausgegangen. Die Ideen der Perestroika fanden auch in der Armee einen Nährboden vor, ein Aufweichen des Feindbilds und der Einsatz von Soldaten in der Volkswirtschaft taten ihr übriges, dass sich nach Beginn der friedlichen Revolution der Ruf nach Reformen auch in der Armee Bahn brach. Die NVA sollte jedoch keine Zukunft mehr haben, auch wenn viele ihrer Angehörigen dies gerne gesehen hätten. Es war sicherlich auch eine gewisse Siegermentalität, aber vor allem die richtige Einschätzung der fundamentalen Differenzen zwischen Bundeswehr und NVA, die in Bonn zu dem Entschluss führten, letztere aufzulösen und nur einen kleinen Teil des Personals in die Bundeswehr zu integrieren. Die NVA war eine indoktrinierte Parteiarmee gewesen, hatte einen permanent hohen Bereitschaftsgrad aufrechterhalten und war für einen Angriffskrieg ausgerichtet gewesen. Abschottung gegenüber der Bevölkerung und ein Klima des Misstrauens und des Opportunismus waren weitere Kennzeichen dieser Armee und sollten bei der Integration von ehemaligen NVA-Soldaten in die Bundeswehr von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein.

Der Aufbau der Bundeswehr in den neuen Ländern wurde vom Bundeswehrkommando Ost unter der Leitung von Generalleutnant Schönbohm geleistet. Die gewaltige Aufgabe, vor die man gestellt war, die Auflösung der NVA, die Neuaufstellung von Bundeswehrverbänden, die Unterstützung des Abzugs der Sowjettruppen und schließlich die Integration von ca. 18.000 ehemaligen NVA-Soldaten (zunächst als Soldat auf Zeit für 2 Jahre) wurde strukturell vollständig erfüllt. Die Frage, ob überhaupt Personal der NVA in die Bundeswehr übernommen werden sollte, war Gegenstand kontroverser Diskussionen. Man entschied sich dafür, weil man für eine Übergangszeit zur Bewachung und zur Abwicklung der Auflösung noch zusätzliches Personal benötigte, vor allem aber aus politischen Gründen, als Symbol für die innere Einheit Deutschlands. Trotzdem wurden ab 1992 nur etwa 11.000 ehemalige NVA-Soldaten in längerfristige Dienstverhältnisse in die Bundeswehr aufgenommen. Die NVA hatte, bezogen auf die Berufs- und Zeitsoldaten 90% ihrer Stärke verloren, die Bundeswehr knapp 90% behalten.[134]

Vor allem dem Engagement der in den Osten entsandten Soldaten der alten Bundeswehr ist es zu verdanken, dass die Integration auch auf der persönlichen Ebene im Großen und Ganzen erfolgreich verlief. Problematisch war jedoch die Vermittlung der Grundwerte, auf die die Bundeswehr aufbaute, vor allem der Geist der Inneren Führung und das Rechtsverständnis. Diese sollten in speziellen Lehrgängen vermittelt werden, die jedoch große didaktische Mängel aufwiesen. Als Reaktion war oft ein Rückzug der ehemaligen NVA-Soldaten auf das vertraute militärisch-handwerkliche Terrain zu beobachten. Der völlig gegensätzliche Charakter der NVA stellte im Bereich des Rechtsverständnisses, der zwischenmenschlichen Beziehungen und der Bereitschaft zur Eigeninitiative das größte Integrationshindernis für die übernommenen NVA-Soldaten dar. Auch fühlte man sich als „Soldat 2. Klasse“, als Verlierer in einem Krieg, in dem kein Schuss abgefeuert worden war.

Die großen Bestände an Waffen und Material, die der Bundeswehr nach der Vereinigung in die Hände fielen, wurden teils verkauft, teils an Hilfsorganisationen oder an die USA als „Golfkriegshilfe“ geliefert. Zum größten Teil aber musste das Material verschrottet werden. Nur wenig wurde übernommen, darunter eine Staffel Jagdflugzeuge.

Der Beitrag der Bundeswehr zur deutschen Einheit ist allerdings trotz aller Defizite hoch einzuschätzen. Der Auftrag, der „in keiner Dienstvorschrift“[135] aufgeführt war, wurde insgesamt gut gelöst. Das Verhältnis zu den Bürgern hat sich durch die Leistung der West-Offiziere grundlegend verändert. Wo früher Abschottung und Misstrauen herrschten, gibt es nun ein Klima der Offenheit. Der größte Beitrag zur Einheit besteht allerdings darin, dass nun Wehrpflichtige und Offiziere aus dem Westen in den neuen Bundesländern dienen, und ostdeutsche Offiziere und Wehrpflichtige im Westen – im ehemaligen Feindesland.

 

 

 

 

 

 

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Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Hg.): Verantwortung für Frieden und Freiheit 3.0 – Eine Textsammlung zur Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland von 1949-2000 (CD-ROM), Berlin 2000

 

Prüfert, Andreas (Hg.): Die Nationale Volksarmee im Kalten Krieg. Militärisches Denken und Handeln an Schnittpunkten des Kalten Krieges, Bonn 1995

 

Reeb, Hans-Jürgen: Bundeswehr – wozu?, Auftrag und Legitimation von Streitkräften im vereinten Deutschland, Melle 1992

 

Scheler, Wolfgang: Die Sinnkrise des Militärs. Eine geistige Vorbedingung für das Verhalten der NVA in der demokratischen Revolution, in: Prüfert, Andreas (Hg.): Die Nationale Volksarmee im Kalten Krieg. Militärisches Denken und Handeln an Schnittpunkten des Kalten Krieges, Bonn 1995

 

Schönbohm, Jörg: Die Bundeswehr im Deutschen Einigungsprozeß 1989/90, in: Thoß, Bruno (Hg.): Vom Kalten Krieg zur deutschen Einheit. Analysen und Zeitzeugenberichte zur deutschen Militärgeschichte 1945 bis 1995, München 1995

 

Schönbohm, Jörg: Hoffnung für die Zukunft. Das Bundeswehrkommando Ost als Brennspiegel der Einheit, in: Informationen für die Truppe 5/1998, S. 26-33

 

Schönbohm, Jörg: Zwei Armeen und ein Vaterland. Das Ende der Nationalen Volksarmee, Berlin 1992

 

Thoß, Bruno (Hg.): Vom Kalten Krieg zur deutschen Einheit. Analysen und Zeitzeugenberichte zur deutschen Militärgeschichte 1945 bis 1995, München 1995

 

Ton, Werner: Geschichte der Nationalen Volksarmee, München 1996

 

Wenzke, Rüdiger: Die Nationale Volksarmee 1989/90, in: Informationen für die Truppe 5/1998, S. 9-19

 

Wünsche, Wolfgang (Hg.): Rührt Euch! Zur Geschichte der NVA, Berlin 1998

 

 

 

 

 

 

Appendix: Ausgewählte Grafiken

 

 



[1] vgl. Jablonsky, Walter: Die NVA im Staat der SED, in: Naumann, Klaus (Hg.): NVA – Anspruch und Wirklichkeit, Berlin 1993, S. 469

[2] vgl. Kutz, Martin: Die verspätete Reform 1989/90, in: Bald, Detlef (Hg.): Die Nationale Volksarmee. Beiträge zum Selbstverständnis und Geschichte des deutschen Militärs von 1945 bis 1990, Baden-Baden 1992, S. 89

[3] vgl. Scheler, Wolfgang: Die Sinnkrise des Militärs. Eine geistige Vorbedingung für das Verhalten der NVA in der demokratischen Revolution, in: Prüfert, Andreas (Hg.): Die Nationale Volksarmee im Kalten Krieg. Militärisches Denken und Handeln an Schnittpunkten des Kalten Krieges, Bonn 1995, S. 134ff

[4] vgl. Hanisch, Wilfried: Die NVA während der zugespitzten Krise im Herbst 1989. Wende, Vereinigungsprozeß und Rolle der NVA, in: Prüfert (Hg.): Die Nationale Volksarmee im Kalten Krieg, a.a.O., S. 116ff

[5] In wieweit dies zutrifft, kann hier aus Platzgründen nicht erörtert werden.

[6] Die einzige Ausnahme am 6.10. in Dresden beschreibt Hanisch: Die NVA während der zugespitzten Krise im Herbst 1989, a.a.O., S. 121

[7] vgl. Hoffmann, Theodor: Das letzte Kommando. Ein Minister erinnert sich, Berlin 1993, S. 23

[8] vgl. Kutz: Die verspätete Reform 1989/90, a.a.O., S. 92ff

[9] vgl. Hanisch: Die NVA während der zugespitzten Krise im Herbst 1989, a.a.O., S. 124ff

[10] vgl. Kutz: Die verspätete Reform 1989/90, a.a.O., S. 96

[11] vgl. Hanisch: Die NVA während der zugespitzten Krise im Herbst 1989, a.a.O., S. 124ff

[12] vgl. Kutz: Die verspätete Reform 1989/90, a.a.O., S. 100f

[13] Hoffmann, Theodor: Zur nicht-vollendeten Militärreform der DDR, in: Bald, Detlef (Hg.): Die Nationale Volksarmee. Beiträge zum Selbstverständnis und Geschichte des deutschen Militärs von 1945 bis 1990, Baden-Baden 1992, S. 113; auch Paul Heider stimmt dem zu: „[Die Militärreform erwies] sich auch als grundlegende Voraussetzung für den Einigungsprozeß in militärpolitischer und militärischer Hinsicht.“; Heider, Paul: „Nicht Feind, nicht Gegner, sondern Partner“. Zum Transformationsprozeß der Nationalen Volksarmee auf dem Weg in die deutsche Einheit, in: Thoß, Bruno (Hg.): Vom Kalten Krieg zur deutschen Einheit. Analysen und Zeitzeugenberichte zur deutschen Militärgeschichte 1945 bis 1995, München 1995, S. 436

[14] vgl. Conrad, Hans Udo: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee in das Heer der Bundeswehr (diss.), Hamburg 1996, S. 58ff

[15] Es waren zu dieser Zeit zusätzlich zu den eigenen Beständen zusätzlich noch ca. 1.000 Schützenpanzer, 360.000 Maschinenpistolen, etc. durch die Auflösung der Betriebskampfgruppen und von Stasi-Einheiten zu bewachen

[16] vgl. Hanisch: Die NVA während der zugespitzten Krise im Herbst 1989, a.a.O., S. 127

[17] ebd., S. 127

[18] Außerdem nannte sich das Ministerium nun „Ministerium für Abrüstung und Verteidigung“.

[19] Herspring, Dale R.: Requiem für eine Armee. Das Ende der Nationalen Volksarmee der DDR, Baden-Baden 2000, S. 136

[20] vgl. Wenzke, Rüdiger: Die Nationale Volksarmee 1989/90, in: Informationen für die Truppe 5/1998, S. 9-19, S. 15. Schönbohm kritisiert in diesem Zusammenhang, dass eine Armee, die noch nicht einmal über ihre eigene Vergangenheit Rechenschaft abgelegt hatte, sich nun scheinbar zur Widerstandsarmee stilisierte; vgl. Schönbohm, Jörg: Zwei Armeen und ein Vaterland. Das Ende der Nationalen Volksarmee, Berlin 1992, S. 29

[21] vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 122

[22] vgl. Schönbohm: Zwei Armeen und ein Vaterland, a.a.O., S. 23

[23] vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 62f

[24] Schönbohm: Zwei Armeen und ein Vaterland, a.a.O., S. 27

[25] vgl. ebd., S. 31f

[26] Ein NVA-Offizier attestiert Eppelmann geschicktes Vorgehen, um „den Widerstandsgeist zu lähmen“. Er billigt ihm aber auch zu, dass es sein Verdienst sein könne, „dass es nicht zu blutigen Auseinandersetzungen kam.“ Knabe, Frithjof H.: Unter der Flagge des Gegners. Wertewandel im Umbruch in den Streitkräften – Von der NVA zur Bundeswehr, Opladen 1994, S. 232f

[27] vgl. Hoffmann: Zur nicht-vollendeten Militärreform der DDR, a.a.O., S. 112

[28] Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 48

[29] Beide waren voll in ihr jeweiliges Bündnis integriert (wobei die Bundeswehr in der NATO mehr Mitsprachrechte hatte, als die DDR im Warschauer Pakt), nutzten eine Bedrohung von außen als ihre Rechtfertigung, ordneten sich unter die jeweiligen Siegermächte unter, sind beide nicht allein in der Lage, ihr Land zu verteidigen und betreiben daher einen Wandel ihrer Verteidigungsidentität weg von „Nation“ hin zu „Bündnis“. Beiden gemein war auch ein gewisses Fortleben deutscher Militärtraditionen und –tugenden, was zu einer bizarren Konkurrenzsituation führte. Auch hatten beide den unbedingten Glauben an die eigene moralische Überlegenheit (was sicher auch dazu beitrug, dass die Bundeswehr die NVA auflösen wollte). In ihren jeweiligen Bündnissen werden beide Armeen zu verlässlichen Partnern und gewinnen so nach dem 2. Weltkrieg erneut Ansehen für Deutschland. Beide hatten aufgrund der geschichtlichen Erfahrungen die Möglichkeit zu einer Form von Wehrdienstverweigerung geschaffen. Schließlich herrschte bei beiden eine Diskrepanz zwischen der Perzeption des Gegners und der Realität; vgl. Bald, Detlef: Bundeswehr und Nationale Volksarmee, in: Bald, Detlef (Hg.): Die Nationale Volksarmee. Beiträge zum Selbstverständnis und Geschichte des deutschen Militärs von 1945 bis 1990, Baden-Baden 1992, S. 115ff

[30] vgl. ebd., S. 120

[31] vgl. Reeb, Hans-Jürgen: Bundeswehr – wozu?, Auftrag und Legitimation von Streitkräften im vereinten Deutschland, Melle 1992, S. 12f

[32] unter anderem wurden 1,2 Mio. Handfeuerwaffen und 300.000 t Munition gefunden; vgl. ebd., S. 13

[33] vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 26

[34] vgl. ebd., S. 35; dies steht in starkem Gegensatz zur Bundeswehr, der Kritiker oft nachsagten, sie sei „wenig kriegsbereit“. Man folgte lieber dem Leitsatz vom „Ernstfall, der hoffentlich nie eintritt.“; vgl. ebd, S. 44f; Conrad spricht selbst von einer zu starken „Verzivilisierung“ der Bundeswehr; vgl. ebd., S. 52

[35] vgl. Schönbohm: Zwei Armeen und ein Vaterland, a.a.O., S. 100; Conrad spricht ebenfalls die pflichtbewusste Berufsauffassung der NVA-Soldaten an, bringt den Vergleich mit „roten Preußen“ an – dies führte z.T. zu einer Auffassung in der NVA, der Bundeswehr militärhandwerklich überlegen zu sein. Auch nach der Vereinigung wurde dieser Standpunkt von einigen aufrecht erhalten; vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 49

[36] vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 196

[37] vgl. Reeb: Bundeswehr – wozu?, a.a.O., S. 14

[38] vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 31f

[39] vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 197

[40] vgl. ebd., S. 198

[41] Reeb: Bundeswehr – wozu?, a.a.O., S. 13

[42] vgl. Schönbohm: Zwei Armeen und ein Vaterland, a.a.O., S. 71f; Schönbohm berichtet von katastrophalen Zuständen in den Kasernen. Nach Bundeswehrstandards hätten beispielsweise alle 141 überprüften Küchen der NVA aus hygienischen Gründen stillgelegt werden müssen. Einem Bericht zufolge hatte eine typische Kaserne 8 Duschen für 2.000 Mann; vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 164

[43] Bald: Bundeswehr und Nationale Volksarmee, a.a.O., S. 122

[44] Jablonsky, Walter: Die NVA im Staat der SED, in: Naumann, Klaus (Hg.): NVA – Anspruch und Wirklichkeit, Berlin 1993, S. 26

[45] Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 75

[46] Das Bundeswehrkommando Ost war ein für die Bundeswehr unübliches „unified command“, d.h. die Truppen waren nicht den Inspekteuren der jeweiligen Teilstreitkräfte unterstellt.

[47] Dies trug Ablaß den Vorwurf des „Wendegewinnlers“ ein, vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 148

[48] vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 144ff

[49] vgl. Schönbohm, Jörg: Die Bundeswehr im Deutschen Einigungsprozeß 1989/90, in: Thoß, Bruno (Hg.): Vom Kalten Krieg zur deutschen Einheit. Analysen und Zeitzeugenberichte zur deutschen Militärgeschichte 1945 bis 1995, München 1995, S. 410

[50] Die deutsche Einheit und die Bundeswehr, in: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Hg.): Verantwortung für Frieden und Freiheit 3.0 – Eine Textsammlung zur Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland von 1949-2000 (CD-ROM), Berlin 2000, 5.12.1. Ziff. 127

[51] vgl. Froh, Klaus: Die Generale und Admirale der NVA. Ein biographisches Handbuch, Berlin 2000, S. 62

[52] vgl. Schönbohm: Zwei Armeen und ein Vaterland, a.a.O., S. 52; es fand sich im Westen eine große Menge an Freiwilligen für diese Aufgaben.

[53] Man befürchtete wohl im Westen, dass ein Kontrollvakuum entstehen könnte, mit unabsehbaren Folgen, vgl. ebd., S. 47

[54] zitiert nach: Kirchbach, Hans-Peter von: Abenteuer Einheit. Zum Aufbau der Bundeswehr in den neuen Ländern, Frankfurt a.M. 1992, S 48

[55] vgl. Schönbohm: Zwei Armeen und ein Vaterland, a.a.O., S. 65; dieses System sollte sich gut bewähren.

[56] Schönbohm beschreibt den Empfang beim Staatssekretär Ablaß in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober. In den Gesprächen kam die Zukunftsangst und die gedrückte Stimmung der ex-NVA-Angehörigen zum Ausdruck. Ab Mitternacht trugen alle Soldaten im Osten NATO-Oliv – auch die Kommandeure aus dem Westen. Ein Zeichen der Solidarität, weil nicht genügend Bundeswehr-Ausgehuniformen für alle neuen Soldaten zur Verfügung standen; vgl. Schönbohm: Die Bundeswehr im Deutschen Einigungsprozeß 1989/90, a.a.O., S. 411ff

[57] vgl. Schönbohm: Zwei Armeen und ein Vaterland, a.a.O., S. 33

[58] vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 146

[59] vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 65

[60] zu diesem Ergebnis kam eine Befragung von Bundeswehrsoldaten durch das Sozialwissenschaftliche Institut der Bundeswehr; vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 68

[61] Um diesen Bedenken entgegenzuwirken, versprach Stoltenberg im November 1990, dass kein Berufssoldat der alten Bundeswehr gezwungen werden sollte, sein Dienstverhältnis zu beenden; vgl Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 148

[62] vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 102

[63] vgl. ebd., S. 103; die entscheidenden Passagen finden sich in §7, in dem festgelegt wird, dass Berufs- und Zeitsoldaten entlassen werden können, wenn sie wegen mangelnder fachlicher Qualifikation oder persönlicher Eignung den Anforderungen nicht entsprachen, sie wegen mangelnden Bedarfs nicht mehr verwendbar waren, oder wenn die bisherige Beschäftigungsstelle aufgelöst und ihre Position bei einem Neuaufbau nicht mehr eingerichtet werden konnte; vgl. ebd., S. 74

[64] Die deutsche Einheit und die Bundeswehr, a.a.O., 5.12.1 Ziff. 119

[65] Bis kurz vor der Vereinigung hatte Eppelmann noch geglaubt, dass etwa 12 jüngere Generäle von der Bundeswehr übernommen werden könnten. Stoltenberg machte ihm jedoch deutlich, dass dies nicht beabsichtigt sei, vor allem da man einen Bruch mit der NVA-Vergangenheit deutlich machen wollte und weil Soldaten der alten Bundeswehr nicht unter ehemaligen NVA-Generälen dienen wollten. So wurden die Generäle/Admiräle am 28.9. von Staatssekretär Ablaß entlassen, was für sie auch überraschend war und der Bundeswehr den Vorwurf der Siegerjustiz eintrug. Übernommen wurde nur ein ehemaliger General, allerdings im Rang heruntergestuft. Sechs Generäle erhielten zivile Beraterverträge mit der Bundeswehr für eine Übergangszeit; vgl. Froh: Die Generale und Admirale der NVA, a.a.O., S. 59ff

[66] vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 100

[67] vgl. ebd., S. 104f

[68] zitiert nach: Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 152

[69] Schönbohm: Zwei Armeen und ein Vaterland, a.a.O., S. 33

[70] vgl. Gießmann, Hans-Joachim: Das unliebsame Erbe. Die Auflösung der Militärstruktur der DDR, Baden-Baden 1992, S. 80; Auf die zivile Wiedereingliederung der ausgeschiedenen NVA-Angehörigen, über gezahlte Abfindungen und Renten kann hier nur am Rande eingegangen werden, für ausführlichere Informationen wird auf die Publikation von Gießmann verwiesen.

[71] In §4 des Einigungsvertrags wird festgelegt, dass der Bundesverteidigungsminister bestimmt, welchen Dienstgrad die ehemaligen NVA-Angehörigen vorläufig führen dürfen; vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 74

[72] vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 162

[73] vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 109

[74] vgl. ebd., S. 107f

[75] vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 174

[76] Conrad weist aber auch auf die Unterschiede zwischen AEP und PGA hin: So hätte der PGA Offiziere 10 Jahre nach Ende ihrer militärischen Laufbahn begutachtet, wodurch diese mehr Gelegenheit zur Reflektion und zur Adaption an einen demokratischen Staat gehabt hätten – bei den ehem. NVA-Soldaten sei der Bruch wesentlich radikaler gewesen (inwieweit hier natürlich die Frage bleibt, ob Wehrmacht und NVA ihres Charakters nach vergleichbar sind). Auch hätte der PGA für seine Arbeit bei weniger Bewerbern mehr Zeit gehabt, wäre demokratisch besser legitimiert gewesen und letztlich mit mehr Kompetenzen ausgestattet gewesen; vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 120ff

[77] vgl. ebd., S. 119ff

[78] Conrad nimmt hier nur auf die Offiziers-Bewerber Bezug

[79] vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 124

[80] vgl. ebd., S. 118

[81] vgl. ebd., S. 125

[82] vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 176

[83] vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 128

[84] vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 177

[85] vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 147

[86] zitiert nach: ebd., S. 137

[87] zitiert nach: ebd., S. 138

[88] vgl. ebd., S. 135

[89] vgl ebd., S. 129ff

[90] vgl. ebd., S. 145f

[91] zitiert nach: Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 178

[92] siehe auch Appendix

[93] vgl. Funke, Manfred: Die Auflösung der NVA als Beitrag zur deutschen Einheit, in: Informationen für die Truppe 5/1999, S. 103-105, S. 104

[94] vgl Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S.154f; Schönbohm meinte dazu sarkastisch: „Zum ersten Mal in meinem Leben als Soldat habe ich zuviel Munition.“

[95] vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 155

[96] vgl. Funke: Die Auflösung der NVA als Beitrag zur deutschen Einheit, a.a.O., S. 104

[97] vgl. Bahr, Egon: Vorwort, in: Gießmann: Das unliebsame Erbe, a.a.O, S. 11

[98] vgl. Gießmann: Das unliebsame Erbe, a.a.O., S. 206ff

[99] vgl. ebd., S. 172ff

[100] Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 173

[101] vgl. ebd., S. 156

[102] Conrad geht auf eine Studie von Meyer/Collmo ein, in der ehemalige NVA-Soldaten den Prozess als „Kolonisierung“ bezeichnen, da eine Vereinnahmung statt einer Vereinigung stattgefunden habe, keine NVA-Traditionen übernommen wurden, eine 2-Klassen-Armee geschaffen wurde, und weil die Westdeutschen eine Art von Siegermentalität an den Tag gelegt hätten. Conrad kritisiert diese Schlussfolgerung allerdings, bemerkt, dass man auch die Reedukation nach 1945 als „Kolonialisierung“ bezeichnen könne, wenn man politisch wertet, und nicht als Aufbau eines demokratischen Staats. Der Begriff diskreditiert in seinen Augen die Werte, um deretwillen die friedliche Revolution stattfand; vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 259

[103] vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 172

[104] zitiert nach: ebd., S. 169

[105] vgl. ebd., S. 171

[106] vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 252ff

[107] Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 169

[108] vgl. ebd., S. 170

[109] Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 256

[110] zitiert nach: Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 161

[111] ebd., S. 179

[112] vgl. ebd., S. 172

[113] vgl. ebd., S. 170

[114] vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 149f

[115] vgl. ebd., S. 152f

[116] vgl. Funke: Die Auflösung der NVA als Beitrag zur deutschen Einheit, a.a.O., S. 104f

[117] vgl. Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 119

[118] vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 179

[119] vgl. Funke: Die Auflösung der NVA als Beitrag zur deutschen Einheit, a.a.O., S. 104

[120] vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 180

[121] vgl. Schönbohm: Zwei Armeen und ein Vaterland, a.a.O., S. 92

[122] vgl. Reeb: Bundeswehr – wozu?, a.a.O., S. 19

[123] vgl. Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 181

[124] vgl. ebd., S. 181

[125] vgl Fischer, Egbert (Hg.): Ehemalige Berufssoldaten der NVA in der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 1995, S. 14

[126] vgl Conrad: Die Integration von Offizieren der ehemaligen Nationalen Volksarmee, a.a.O., S. 258

[127] vgl. ebd., S. 260f

[128] Herspring: Requiem für eine Armee, a.a.O., S. 183

[129] ebd., S. 183

[130] Bahr, Egon: Vorwort, a.a.O., S. 11

[131] Ein Beispiel für sein Engagement ist die unbürokratische Vermittlung von Englischunterricht für ehemalige NVA-Piloten, die ihm ihre Sorgen berichtet hatten. So erhielten diese die Möglichkeit als Piloten in der Zivilluftfahrt zu arbeiten; vgl. Schönbohm: Zwei Armeen und ein Vaterland, a.a.O., S. 90

[132] zitiert nach: Reeb: Bundeswehr – wozu?, a.a.O., S. 20

[133] Knabe: Unter der Flagge des Gegners, a.a.O., S. 123

[134] vgl. Bahr: Vorwort, a.a.O., S. 11

[135] vgl. Schönbohm, Jörg: Hoffnung für die Zukunft. Das Bundeswehrkommando Ost als Brennspiegel der Einheit, in: Informationen für die Truppe 5/1998, S. 26-33, S. 32