Ludwig-Maximilians-Universität München

Institut für Kommunikationswissenschaft

 

Die Kontrolle von Medieninhalten zu Kriegszeiten

 

Vom unzensierten Krieg zum eingebetteten Journalisten:
Die Fallbeispiele Vietnam und Irak

 

 

Hausarbeit zur Übung Medienethik

im Sommersemester 2004

Leitung: PD Dr. Thomas Knieper

 

 

Vorgelegt von

 

Matthias Fuchs

Untere Mühlstraße 4

80999 München

 

Philipp Wittrock

Destouchesstraße 69

80796 München

(bis November)

 

 

1. Einleitung

Dass kriegführende Regierungen versuchen, die Berichterstattung über Gründe, Verlauf und Folgen von bewaffneten Konflikten in ihrem Sinne zu beeinflussen, ist kein Phänomen der jüngsten Geschichte. Schon immer haben Regierungen danach getrachtet, Informationen über das Kriegsgeschehen zu unterdrücken oder zu lenken. Mit der Entstehung der modernen Medienlandschaft wurde Informationskontrolle mehr und mehr als kriegsentscheidender Faktor perzipiert.

Anhand von drei Fallbeispielen wollen wir die unterschiedlichen Strategien des Medienmanagements und deren Umsetzung zu Kriegszeiten aufzeigen. Wir konzentrieren uns dabei auf die USA, weil diese in jüngerer Zeit mehrfach an begrenzten Kriegen weltweit beteiligt waren und gleichzeitig eine freie und diversifizierte Medienlandschaft aufweisen. Zudem wurde die Berichterstattung über die relevanten Auseinandersetzungen in der kommunikationswissenschaftlichen Literatur umfassend rezipiert.

Das Beispiel Vietnam steht für einen Sonderfall in der modernen Kriegsberichterstattung, da dort auf eine institutionalisierte Zensur – anders als in vorangegangenen Konflikten – aus verschiedenen Gründen verzichtet wurde. Im Ergebnis gilt Vietnam daher als der „uncensored war“. Dies nahmen amerikanische Politiker zum Anlass, eine „Dolchstoßlegende“ zu verbreiten, nach der die Medien eine Mitschuld an der Niederlage, speziell an der Heimatfront, trügen. Als Lehre aus Vietnam trachteten Militär und Regierung in den folgenden Konflikten danach, die Berichterstattung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Von unzensierten Kriegen konnte daher bei den großen militärischen Auseinandersetzungen nach Vietnam nicht mehr die Rede sein. Sowohl im Golfkrieg 1991 wie 2003 gelang es der US-Regierung, die Berichterstattung zu kontrollieren, ohne offen das Mittel der Zensur einzusetzen.

 

 

 

2. Zensur in Kriegszeiten

2.1 Historische Entwicklung

Pressezensur in Kriegszeiten ist fast so alt wie die modernen Massenmedien selbst. Im Krimkrieg (1853-56) berichtete William Russell für die Londoner Times über die mangelhafte Ausrüstung und die schlechte Moral der britischen Soldaten. Dies führte dazu, dass 1856 der erste offizielle Zensurerlass verabschiedet wurde, in dem der britischen Presse untersagt wurde, über die Stimmung in der Truppe zu berichten oder sich kritisch über die Entscheidungen der Militärführung zu äußern.[1]

Im Ersten Weltkrieg stellten sich die Korrespondenten beider Seiten ganz in den Dienst der Regierungspropaganda. Der Tod von Millionen in den Schützengräben wurde heruntergespielt, stattdessen verbreitete die Presse erfundene Gräuelgeschichten. Die deutschen Zeitungen berichteten, dass französische Soldaten deutschen Gefangenen die Augen ausstachen, die Briten behaupteten, dass die Deutschen Babys auf Bayonette aufspießten und Frauen die Brüste abschnitten.[2]

Für deutsche Kriegsreporter galt im Ersten Weltkrieg eine so große Zahl von Zensuranweisungen, dass diese vom Kriegspresseamt in einem Zensurbuch gesammelt wurden.[3] Im Zweiten Weltkrieg schließlich gelang den Nationalsozialisten dank einer vollständig gleichgeschalteten Presse auch eine Lenkung der Kriegsberichterstattung.

Auch amerikanische Journalisten unterwarfen sich der Zensur. In den beiden Weltkriegen und im Koreakrieg sahen sie sich als Teil des „amerikanischen Teams“, als Soldaten mit Schreibmaschine.[4] Dem Staat wurde die Autorität über die Berichterstattung zugebilligt. Immerhin hatten die Journalisten aber Zugang zu allen wichtigen Entscheidungen, konnten beispielsweise Schlachtpläne einsehen. Dies ermöglichte ihnen, historisch akkurate Berichte über die Ereignisse zu verfassen – aber erst nach Kriegsende.[5]

 

2.2 Zensur in Kriegszeiten: Unterschiedliche Interessenlagen

Der Erläuterung der Fallbeispiele sollen einige theoretische Überlegungen vorangestellt werden. Es liegt auf der Hand, dass die Kriegsberichterstattung der Massenmedien in einem komplexen Spannungsfeld stattfindet. Es ist gekennzeichnet durch zum Teil gegenläufige Interessen der beteiligten Akteure.

Das vordringliche Interesse der Journalisten gilt dem Leser. Er soll umfassend informiert werden, ihm sollen alle Fakten präsentiert werden, damit er selbst ein möglichst objektives Bild der Realität gewinnen kann. Um diesen Auftrag zu erfüllen, besteht das Ziel der Journalisten erstens darin, einen möglichst weitgehenden Zugang zum Kriegsgeschehen zu erhalten. Dies gilt sowohl für die Ebene der strategischen Planung wie auch für die taktischen Ebene, die Kampfhandlungen selbst. Zweitens darf keine Zensur stattfinden. Wenn der erste Punkt erfüllt ist, der zweite aber nicht, wie z.B. im Zweiten Weltkrieg, kann der Journalist seinem Auftrag nicht in vollem Umfang nachkommen.

Die Regierung dagegen möchte über die Medien in erster Linie die eigene Politik „verkaufen“ und ihre Macht sichern. Entweder durch direkte Kontrolle und Zensur oder durch subtilere Mittel wird versucht, die Berichterstattung so zu beeinflussen, dass die Medien Propaganda für die eigene Seite verbreiten. Ziele sind dabei sowohl das eigene Volk, wie das des Gegners, aber auch neutrale Drittstaaten. Besonders stark ist das Interesse der Regierung, durch positive Berichte über Kriegserfolge die Moral an der Heimatfront aufrechtzuerhalten. Zugleich soll die starke Moral an der Heimatfront durch Medienberichte auch dem Feind präsentiert werden.

Für das Militär, den dritten Akteur, steht der Gedanke der „Operational Security“, also der Wahrung militärischer Geheimnisse im Vordergrund. Da der Feind ebenfalls Zugang zu den eigenen Medien hat, könnte der Verrat militärischer Geheimnisse an die Presse indirekt Menschenleben kosten – so zumindest die Sorge der Militärs.[6]

Das gleiche Argument wurde von Winston Churchill so umschrieben: „In wartime, truth is so precious, that she should be attended by a bodyguard of lies“.[7]

 

Es bleibt die Frage, ob militärische Geheimniskrämerei immer der Sicherheit der Truppe dient. Oft geht es dem Militär und den Regierungen nicht darum, Menschenleben zu retten, sondern die eigenen Karrieren zu schützen. Ist der Reporter, der militärische Geheimnisse aufdeckt, unpatriotisch, wie die Regierungen suggerieren, oder tut er nicht einen größeren patriotischen Dienst, wenn sich dadurch die Situation der Soldaten verbessert? Dieses Dilemma illustriert die Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg. Dort lagen britische Truppen hoffnungslos unter türkischem Artilleriefeuer – wenn nicht Kriegsreporter Keith Murdoch die Zensur unterlaufen hätte, um über dieses Fiasko zu berichten, wären noch mehr Soldaten sinnlos gestorben. Denn erst Murdochs Bericht bewog die britische Regierung zum Rückzug.[8]

John F. Kennedy sagte nach der missglückten Invasion in der Schweinebucht: “Every newspaper now asks itself with respect to every story: ‘Is it news?' All I suggest is that you add the question ‘Is it in the interest of national security?'” Aber Kennedy räumte auch ein, dass ihn die Presse vielleicht davor bewahrt hätte, das Fiasko in der Schweinebucht zu autorisieren, wenn sie die Pläne vorher aufgedeckt hätte.[9]

 

 

3. Fallbeispiel I: Vietnam

 

Der Vietnamkrieg stellt eine Ausnahme in der Geschichte der modernen Kriegsberichterstattung dar. Zum ersten Mal unterlag die Presse keinerlei offizieller Zensur. H.D.S. Greenway, damals Reporter für Time, drückt es so aus:

Vietnam is really the only war where there was no censorship and you could go anywhere you wanted. That wasn't true in World War II or World War I, and it's never been true since. So Vietnam was really unique.”[10]

 

Der „uncensored war“ wurde zum Debakel für die USA. Die Niederlage in Südostasien stellte den weltweiten Führungsanspruch Amerikas in Frage und erschütterte das Sendungsbewusstsein der erfolgsverwöhnten Nation. Ähnlich einer modernen Dolchstosslegende haben in den Jahren danach Politiker versucht, die Schuld an der Niederlage der „defätistischen“ Berichterstattung der Medien zuzuschreiben – und nicht den eigenen Fehlern.[11] So zum Beispiel Richard Nixon: “[That war] was the first in our history during which our media were more friendly to our enemies than to our allies“.[12]

Wie aber kam es dazu, dass die US-Regierung, anders als im Zweiten Weltkrieg oder in Korea, diesmal keine Zensur verhängte?

 

3.1 Honolulu 1965: Keine Zensur

Bis 1965 hatten die USA den Umfang ihres militärischen Engagements in Vietnam nie offen zugegeben. Erst 1965 entsandte man offiziell Kampftruppen, nicht mehr nur Militärberater in den Dschungelkrieg in Südostasien. Im selben Jahr berieten in Honolulu hohe Militärs und Regierungsbeamte, auf welche Weise die Medienberichterstattung in Vietnam gesteuert werden sollte. Pressevertreter hatten zuvor freiwillig angeboten, sich einer militärischen Zensur zu unterwerfen, ganz nach dem Vorbild der bisherigen Kriege. Im Gegenzug hofften sie, größtmöglichen Zugang zum Kriegsgeschehen zu erhalten. Aus Sicht der Regierung sprach für eine Zensur, dass man durch die Kontrolle der Berichterstattung den innenpolitischen Druck auf Präsident Johnson hätte verringern können. Die Konferenz in Honolulu kam jedoch zu dem Schluss, dass die Berichterstattung aus Vietnam nicht zensiert werden sollte. Vor allem zwei Gründe sprachen dafür:

Erstens wäre eine Zensur mit einem immensen logistischen Aufwand verbunden gewesen. 1965 waren bereits 400 Journalisten in Vietnam akkreditiert, die man alle hätte kontrollieren müssen. Dies hätte zuviel Personal erfordert, das zudem noch hätte geschult werden müssen. Außerdem hätten technische Einrichtungen angeschafft werden müssen, um TV-Berichte zu sichten und zu zensieren.

Der zweite Grund war der besondere Charakter des „begrenzten“ Kriegs in Vietnam. Da der Krieg nicht offiziell erklärt war, befanden sich die Vereinigten Staaten nicht im Kriegszustand. Daher hatte die Regierung kein Recht, auch in den USA selbst Zensurmaßnahmen zu verhängen. Und eine auf Vietnam beschränkte Zensur wäre aus Sicht der Regierung ineffektiv gewesen, da man die meisten „Lecks“ ohnehin in Washington und nicht in Vietnam vermutete. Außerdem hätten Korrespondenten ihre Berichte auch einfach aus Hong Kong oder Tokio absetzen können, um eine etwaige Zensur in Vietnam zu umgehen.[13]

 

Stattdessen sollten sich die Journalisten an freiwillige Richtlinien halten, die lediglich die „Operational Security“ wahren sollten. So durften Informationen aus 15 Kategorien nicht veröffentlicht werden, zum Beispiel durften nicht die genauen Einheiten bezeichnet werden, mit denen Journalisten unterwegs waren. Exakte Opferzahlen einer Einheit durften erst publik gemacht werden, wenn sie offiziell bestätigt waren – bis dahin konnte nur von „leichten“, „mittleren“ oder „schweren“ Verlusten gesprochen werden.[14] Diese Praxis klappte vom Standpunkt des Militärs gut. Insgesamt wurden während des Kriegs aufgrund von Verstößen gegen die Richtlinien nur viermal Akkreditierungen entzogen.

 

3.2 Bedingungen für Kriegsreporter in Vietnam

In der Praxis genossen Journalisten in Vietnam durch die Weichenstellungen von Honolulu bis dato ungekannte Freiheiten. Das Militär glaubte, die Berichterstattung in seinem Sinne beeinflussen zu können, indem man Reporter direkt aus den Kampfeinheiten berichten ließ, anstatt sie auf eigene Faust umherreisen zu lassen. So konnten Journalisten mit jedem Militärtransport mitfahren und bekamen Kost und Logis gestellt. Telexgeräte standen bereit und den Journalisten wurde eine Vielzahl privater Briefings gewährt. Allein 1966 vermeldete das US-Kommando in Vietnam, dass man 4700 Reisen organisiert, 6900 persönliche Briefings gegeben und 32.000 Telefonanfragen für Journalisten bearbeitet hatte.[15] Die US-Regierung nannte ihre Kommunikationsstrategie „Maximum Candor“ (größtmögliche Offenheit).[16]

George Esper, ehemals AP-Bürochef in Saigon, erinnert sich:

Vietnam was the most accessible war in world history, in my opinion. We went in on foot, we went in on cars, jeeps and helicopters ... If you knew a battle was brewing [you'd] go to the military and hitch a ride and go into the battle. If we wanted to come out, we could come out any time on a resupply helicopter that was empty.”[17]

Auf kritische Berichterstattung (die in der Frühphase des Krieges, wenn überhaupt, nur von den überregionalen Zeitungen kam) reagierte das Pentagon nicht mit Zensurmaßnahmen, sondern mit einer PR-Offensive. Für Reporter kleinerer US-Blätter und Vertreter ausländischer Medien wurden Reisen nach Vietnam veranstaltet und die Erfolge der US-Politik vor Ort präsentiert. Die Hoffnung der Militärs, auf diese Weise die Journalisten wie im Zweiten Weltkrieg ins „richtige Team“ zu bekommen, wurde jedoch enttäuscht. Ein Problem für die Öffentlichkeitsarbeit der Regierung stellte auch die schiere Masse der in Vietnam akkreditierten Journalisten dar. 1962 waren sieben Korrespondenten in Vietnam, 1965 400, in späteren Jahren bis zu 700.[18] Dies verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass Journalisten eigentlich nur ein Schreiben ihrer Redaktion vorweisen mussten, um vom US-Militär akkreditiert zu werden.[19]

 

3.3 Das „Credibility Gap“ entsteht

Der entscheidende Nachteil dieses Systems war, dass die Journalisten die Möglichkeit hatten, Behauptungen der US-Regierung mit den realen Gegebenheiten abzugleichen. Als die US-Regierung zu Beginn der 60er Jahre jegliche direkte Beteiligung am Krieg abstritt, wurde dies durch die Beobachtungen der Korrespondenten widerlegt. Nach 1965 wurde die Kluft zwischen den Erfolgsmeldungen aus dem US-Hauptquartier in Saigon[20] und der tatsächlichen Lage immer größer. Die Journalisten konnten sich jedoch überall im Land frei bewegen und nahmen die Realität mit eigenen Augen wahr: Tausende zivile Opfer, desillusionierte US-Soldaten, die ihre eigenen Vorgesetzten umbrachten, und die wuchernde Korruption in der südvietnamesischen Regierung. So entstand im Laufe der Zeit ein sogenanntescredibility gap“, eine Glaubwürdigkeitslücke.[21]

 

3.4 Die Berichterstattung zu Beginn des Kriegs (1962-68)

In der Frühphase des Kriegs nutzten die Reporter ihre Freiheiten noch nicht für eine negative Berichterstattung. Zwar gab es bis 1965 Konflikte mit der US-Regierung, da diese das amerikanische Engagement in Vietnam herunterspielte, die Korrespondenten der großen US-Zeitungen aber das Gegenteil beobachten konnten und darüber berichteten. Insgesamt aber unterstützten die Korrespondenten die Linie der US-Regierung, ganz in der Tradition der vorangegangen Kriege. Die Journalisten teilten die antikommunistische Ideologie, glaubten an Kennedys „Dominotheorie“, die die Begründung für den Krieg in Südostasien lieferte.[22] Hinzu kam, dass viele der Reporter selbst noch im Krieg gekämpft hatten und sich daher leicht mit den jungen US-Soldaten vor Ort identifizieren konnten. Dass der Krieg in Vietnam geführt wurde, stellte niemand in Frage, einzig wie er geführt wurde. Die Reporter kritisierten nur die konkreten Taktiken und die Unterstützung der korrupten südvietnamesischen Regierung unter Diem.[23]

David Halberstam, Korrespondent der New York Times, macht deutlich, auf welcher Seite die Sympathien lagen: “We would have liked nothing better than to believe that the war was going well, and that it would eventually be won.”[24] Sein Kollege Tom Wicker betonte: “We had not been taught by bitter experience that our government like any other government in extremis will lie and cheat to protect itself.”[25] Angesichts dieser Einstellungen verwundert es nicht, dass US-Präsident Johnson sagte, die regierungsfreundlichen Kommentare der Washington Post seien „50 Divisionen wert.“[26]

Auch Daniel Hallin kommt in seiner Analyse der Berichterstattung der New York Times über den Vietnamkrieg zu dem Schluss, dass die Medien - entgegen landläufiger Meinung – zumindest zu Beginn recht unkritisch berichteten. Dies lag laut Hallin auch am amerikanischen Ideal des „objektiven Journalismus“. Nur Fakten, keine Einschätzungen, sollten berichtet werden. Dies führte dazu, dass man sich sehr stark auf offizielle Verlautbarungen der Regierung stützte, da diese dem Ideal von objektiven Fakten am nächsten kamen, zumindest in den Augen der Journalisten. Selbst wenn eine Zeitung auch Statements der Nordvietnamesen publizierte, so stand doch die Version der US-Regierung stets an erster Stelle.[27] Oft entschieden sich die Redakteure in den USA selbst dann für die offizielle Regierungsversion, wenn diese den Berichten der eigenen Korrespondenten vor Ort widersprach.[28]

 

Durch diese strukturellen Faktoren und aufgrund der ideologischen Prägung vieler Reporter kann man also in der Frühphase des Kriegs von einer indirekten, quasi dem System immanenten Zensur sprechen, die dafür sorgte, dass die offizielle Linie in der Berichterstattung stets Vorrang genoss.

 

3.4 Kritischere Berichterstattung nach der Tet-Offensive (1968-75)

Den Wendepunkt in der Berichterstattung stellte die Tet-Offensive 1968 dar. General William Westmoreland, Kommandeur der US-Truppen in Vietnam, hatte gerade eine „PR-Tour“ durch die USA veranstaltet, auf der er einen baldigen Sieg in Vietnam versprach. Doch plötzlich griff der Vietcong gleichzeitig hundert vietnamesische Städte an, und ein Selbstmordkommando attackierte die US-Botschaft in Saigon. Brutale Bilder, wie das von der Exekution eines Vietcong durch einen südvietnamesischen Offizier („Rough Justice on a Saigon Street“) tauchten in der US-Presse auf. So entstand für das amerikanische Publikum ein scharfer Kontrast zu den Erfolgsmeldungen der Regierung. General Westmoreland beklagte sich bitter über die Berichterstattung: „Die amerikanischen Medien haben das Volk über die Tet-Offensive falsch informiert.“[29]

Tatsächlich war die Tet-Offensive eine verheerende militärische Niederlage für den Vietcong. Für die US-Regierung aber war sie ein PR-Desaster, von dem sie sich nicht erholen sollte. Denn sie hatte zur Folge, dass sich endgültig das „credibility gap“ auftat und die Journalisten den Verlautbarungen der Regierung endgültig misstrauten.[30] Vor Tet äußerten sich vier von fünf Kommentaren im amerikanischen Fernsehen positiv über die Vietnam-Politik der Regierung, danach waren zwei Drittel negativ.[31] Immer deutlicher kritisierten die Medien den Kriegsverlauf, immer stärker konzentrierten sie sich auf die amerikanischen Verluste. Die Opfer bekamen ein Gesicht, wie zum Beispiel im Magazin LIFE, das am 27. Juni 1969 Fotos aller in der vergangenen Woche in Vietnam getöteten US-Soldaten abdruckte.[32]

 

Hinzu kam, dass eine neue Generation von Reportern die „alten Hasen“ in Vietnam ablöste. Sie stand dem Krieg und dem Militär generell deutlich kritischer gegenüber. Sie sorgte dafür, dass das Publikum daheim auch die schmutzige Seite des Kriegs kennenlernte. Nachdem Seymour Hersh das Massaker von My Lai aufdeckte, druckten auch andere Medien derartige Gräuelgeschichten.[33] Mittlerweile war auch das Publikum in den USA nach Jahren des Kriegs bereit, diese Wahrheiten zu akzeptieren und sie nicht als kommunistische Propaganda abzutun.[34]  

 

 

 

3.5 Die besondere Rolle des Fernsehens

Immer wieder wird auf die wichtige Rolle des damals neuen Mediums Fernsehen bei der Berichterstattung über Vietnam verwiesen. CBS-Reporter Morley Safer beschreibt die Macht der TV-Bilder aus Vietnam:

“The camera can describe in excruciating harrowing detail what war is all about. [...] It's true that on its own every piece of war film takes on a certain anti-war character simply because it does not glamorize or romanticize. In battle men do not die with a clean shot through the heart; they are blown to pieces. […] When the U.S. blunders, television leaves little doubt.“[35]

Es verwundert daher kaum, wenn Richard Nixon dem Fernsehen eine Mitschuld an der Niederlage gibt:

“More than ever before, television showed the terrible human suffering and sacrifice of war. […] the result was a serious demoralization of the home front, raising the question whether America would ever again be able to fight an enemy abroad with unity and strength of purpose at home.”[36]

 

Eine Behauptung, die durch die kommunikationswissenschaftliche Forschung jedoch eher widerlegt wurde. Hallin kommt zu dem Ergebnis, dass nur 22 Prozent aller Fernsehaufnahmen Kampfhandlungen zeigten, die zudem oft nur für die Kamera gestellt waren. Auf 24 Prozent aller Bilder waren Verwundete oder Tote zu sehen, jedoch handelte es sich keinesfalls um übermäßig blutige oder sensationalistische Darstellungen.[37] Auch folgte das Fernsehen in seinen Einschätzungen zu Beginn sogar noch deutlicher der Regierungslinie, als dies die Zeitungsjournalisten taten.[38]

 

Dennoch war Vietnam dank des Fernsehens der erste „living room war“ [39]. Die Fernsehbilder brachten den Krieg in Millionen Wohnzimmer. Gleichgültig wie viele Tote und Verletzte sie zeigten, die allabendlichen Kriegsbilder fesselten die Aufmerksamkeit der Zuschauer, machten Vietnam zu einer Konstanten in der öffentlichen Meinung – was nicht ohne Folgen bleiben sollte. Man muss bedenken, dass die TV-Landschaft der sechziger Jahre eine heile Welt war. Die beliebtesten Sendungen waren Serien wie Flipper oder Lassie. Vor diesem Hintergrund darf der Einfluss der Kriegsberichte nicht unterschätzt werden.

Besonders wirkungsvoll war Fernsehen da, wo es eindrückliche Bilder präsentieren konnte. 1965 berichtete Morley Safer für CBS von einem sogenannten „Zippo raid“ auf das Dorf Cam Ne. Safers Bilder zeigten amerikanische Marines, die mit ihren Feuerzeugen die Hütten der Dorfbewohner in Brand steckten, weil sie in dem Dorf Vietcong vermuteten.[40]

 

Gerade die Tet-Offensive im Januar 1968 brachte dann das Grauen des Kriegs in Amerikas Wohnzimmer. Der Effekt war umso größer, als es Winter war und besonders viele Menschen die Abende vor dem Fernseher verbrachten. 1968 hatten bereits 96 Prozent der US-Haushalte einen Fernseher. Zudem setzte die Bevölkerung in den USA großes Vertrauen in die Berichterstattung im Fernsehen, viel mehr als in die Printmedien. Walter Cronkite, der CBS-Anchorman, galt als „vertrauenswürdigster Mann Amerikas“. Nach Tet hielt sich auch das Fernsehen nicht mehr mit Kritik zurück. Cronkite bezeichnete den Krieg als „blutigen Patt“. Worte, auf die Präsident Johnson mit dem Ausspruch „Es ist aus“, reagiert haben soll. Nach Tet befürworteten nur noch 36 Prozent der Amerikaner den Kurs des Präsidenten, Johnson verzichtete daraufhin auf eine zweite Amtszeit.[41]

 

Zudem hat das Fernsehen viel stärker als die Zeitungen die Perspektive der normalen Soldaten eingenommen – solange diese dem Krieg gegenüber positiv eingestellt waren, war der Tenor der Berichte positiv. Später, als sich Drogenmissbrauch und Desillusionierung häuften, naturgemäß viel negativer.[42] Durch die verstärkte Personalisierung im Fernsehen wurden die Schrecken des Krieges greifbarer. Die Toten bekamen auf einmal Namen, waren nicht mehr anonyme Opferzahlen.[43]

 

In der kontroversen Frage, ob die Medien, wie es Politiker und Militärs behauptet haben, eine Mitschuld an der amerikanischen Niederlage tragen, kommt die Forschung zu dem Ergebnis, dass die Medien in ihrer Berichterstattung eher der öffentlichen Meinung folgten, die sich langsam gegen den Krieg wandte – und nicht umgekehrt die öffentliche Meinung von der Medienberichterstattung zum Kippen gebracht wurde.[44] Hallin verweist darauf, dass die Berichterstattung selbst nach Tet „bemerkenswert zahm“ geblieben sei.[45] Nixon und auch Johnson hätten insgesamt eine erfolgreiche Pressepolitik betrieben und so die „schweigende Mehrheit“ erhalten, die ihre antikommunistische Außenpolitik stützte. [46]

 

Dennoch, dadurch, dass der Krieg in den Medien als scheinbar endlose, jahrelange Abfolge von Schlachten dargestellt wurde, stellten immer mehr Zuschauer die Frage nach dem Sinn des Kriegs und danach, ob die USA wirklich dabei waren, ihn zu gewinnen. Und auch wenn insgesamt nur wenige Berichte offen gegen den Krieg Stellung bezogen, fielen selbst diese wenigen negativen Berichte umso stärker ins Gewicht, wenn man sich vor Augen hält, dass das Bild des Kriegs in der amerikanischen Öffentlichkeit noch von der Jubelpropaganda des Zweiten Weltkriegs und des Koreakriegs geprägt war.

 

3.6 Konsequenzen aus Vietnam: Falkland und Grenada

Christiane Amanpour, CNN-Reporterin im Golfkrieg und in Bosnien, zieht ein düsteres Fazit der Entwicklung nach Vietnam: Das Militär habe die Lektion gelernt, die Journalisten nicht.[47]

Der Umgang mit der Presse durch die westlichen Regierungen in den folgenden Konflikten kann tatsächlich als Folge der „Lektionen“ aus Vietnam gewertet werden.[48] Die britische Regierung übte im Falkland-Krieg 1982 eine strikte Pressekontrolle aus. Die Berichte der Journalisten, die auf den britischen Kriegsschiffen in den Südatlantik reisten, wurden zensiert, TV-Kameras waren gar nicht erlaubt.[49]

Die US-Regierung kopierte die Strategie der Briten bei der Invasion der Karibikinsel Grenada ein Jahr danach. Ihr gelang es, die Presse vollständig von der Invasion auszuschließen. Das Militär hatte 300 Journalisten als Berichterstatter eingeladen, flog diese aber nicht nach Grenada sondern auf die 250 km entfernte Insel Barbados. Bilder erhielten die Journalisten nur vom Militär selbst – von den knapp 100 Toten, die die Invasion auf beiden Seiten forderte, war nichts zu sehen.[50]

Nach Protesten der Medienvertreter wurde bei der Invasion Panamas 1989 erstmals das Pool-System etabliert. Aus der Vielzahl von Journalisten wurden einige wenige ausgewählt, die von bestimmten Kriegsschauplätzen berichten sollten und ihre Berichte dann den übrigen Journalisten zur Verfügung stellen sollten. Das Militär erhoffte sich, so die Inhalte der Berichterstattung kontrollieren zu können und zu bestimmen, was die Reporter zu sehen bekamen. Dieses System ging sogar auf Vorschläge der Presse selbst zurück. Denn die Journalisten glaubten, besseren Zugang zu erhalten, wenn sie auf einen Teil der Unabhängigkeit verzichteten – eine Hoffnung, die sich nicht bestätigen sollte. Das Pentagon wählte zwölf Reporter für den Pool aus, hielt sie aber auf dem Flugplatz in Panama City fest, bis die Kampfhandlungen beendet waren.[51] Trotz Tausender Opfer entstand der Eindruck einer sauberen und schnellen Aktion.[52] Für die Regierung – immer noch im Glauben, der Vietnam-Krieg hätte gewonnen werden können, hätte nicht die Berichterstattung der Presse für Anti-Kriegshaltung in der Bevölkerung forciert – hatte sich das Rezept der Medienkontrolle bewährt. Knightley schreibt: „[…] Panama can be seen as the final testing ground of a military media strategy that was to change forever the ways wars would be reported in the West and which was deployed in all its notoriety in the Gulf War.“[53]

 

 

4. Fallbeispiel II: Golfkrieg 1991

4.1 Vorgeschichte und Ausgangsbedingungen

Am 2. August 1990 überfiel und besetzte der Irak den Nachbarstaat Kuwait. Der Angriff war der Höhepunkt einer schon lange andauernden Auseinandersetzung um die Ölfördermenge am Persischen Golf und das Ölfeld Rumalia an der umstrittenen irakisch-kuwaitischen Grenze. Der Irak unter seinem Präsidenten Saddam Hussein annektierte Kuwait und erklärte es zu seiner 19. Provinz. Der Mittlere Osten reagierte angesichts der Aggression geschockt, der Ölpreis schnellte in die Höhe. Regierungen aus aller Welt und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilten den Angriff und forderten den sofortigen Rückzug der irakischen Truppen aus dem Scheichtum.

Der amerikanische Präsident George Bush stellte sich an die Spitze der internationalen Gemeinschaft. Schon kurz nach der Invasion deutete Bush an, die USA würden die irakische Armee notfalls mit Gewalt aus Kuwait vertreiben, sollte Saddam Hussein nicht unter dem Druck eines von den Vereinten Nationen verhängten Wirtschaftsembargos freiwillig nachgeben. Während die Amerikaner und ihre Verbündeten ihre Truppen am Persischen Golf formierten, blieben die Verhandlungen auf diplomatischer Ebene erfolglos. Saddam Hussein wollte Kuwait nicht wieder verlassen. Am 29. November 1990 erlaubte der Sicherheitsrat den Alliierten unter Führung der USA die Anwendung von Gewalt als letztes Mittel zur Befreiung Kuwaits. Das Gremium stellte Hussein ein letztes Ultimatum bis zum 15. Januar 1991. Am 16. Januar startete die amerikanische Luftwaffe die Aktion Desert Strom mit Angriffen auf Ziele in und um die irakische Hauptstadt Bagdad. Nachdem die Iraker auch nach 38-tägigem Luftkrieg Kuwait nicht preisgegeben hatten, befreiten die internationalen Truppen in einer nur 100 Stunden dauernden Bodenoffensive das besetzte Land.[54]

Nicht nur für das Militär, auch für die Medien bedeutete der Golfkrieg 1991 eine neue Dimension. In Rekordzahl machten sich Journalisten auf den Weg an den Golf, um über den Konflikt zu berichten, im Gepäck moderne Technologie, die es ihnen ermöglichte, live vom Kriegsschauplatz und direkt von der Front zu berichten. Eine Tatsache, die für die Regierungen der Krieg führenden Nationen von entscheidender Bedeutung sein könnte, wie Thrall meint: „This increased the likelihood that journalists might broadcast the sorts of scenes that many believed would turn the public against war.“[55] Für Regierung und Militär konnte das nur heißen, dass der nach den bereits ausführlich behandelten Vietnam-Erfahrungen eingeschlagene Weg der bestmöglichen Kontrolle der Medien zu Kriegszeiten auch diesmal weiter beschritten werden sollte.

Auf der anderen Seite war kaum zu erwarten, dass sich die Medien in einem Krieg in der Dimension von 1991 wieder einer absoluten Kontrolle – wie geschehen in Panama und Grenada – unterwerfen würden: “The press’ anger over its experience in Panama had put a point on reportersdetermination to get to the battlefield this time.“[56]

 

Das beschriebene Konfliktpotenzial im Verhältnis zwischen der Regierung und dem ihm unterstehenden Militär zu den Medien bezieht sich zunächst nicht auf inhaltliche Standpunkte, sondern lediglich auf den Umgang miteinander, auf die Arbeitsweise. So muss an dieser Stelle festgehalten werden, dass die Medien, vor allem in den USA und Großbritannien, einen Militärschlag gegen den Irak weitestgehend unkritisch befürworteten, nicht zuletzt wegen unfassbarer Schreckensgeschichten über Gräueltaten, die Saddam Husseins Kämpfer im überfallenen Kuwait begangen haben sollten. Eine besonders grausame Episode über die Ermordung Frühgeborener in einem Krankenhaus in Kuwait-City, die sich später als PR-Coup herausstellte, soll später noch aufgegriffen werden.

 

4.2 Medienpolitik: Kontrolle und Steuerung von Medieninhalten[57]

4.2.1 Grundregeln

Das US-amerikanische Verteidigungsministerium unter Leitung von Secretary of Defense Richard Cheney verfasste im Vorfeld des Krieges Ground Rules und Guidelines for News Media, die den Rahmen für die Berichterstattung durch die Medien abstecken sollten. Die Grundregeln legten fest, welche Informationen nicht veröffentlicht werden durften, weil sie die Sicherheit militärischer Operationen oder Menschenleben gefährden könnten. Dazu gehörten genaue Angaben über militärisch sensible Bereiche wie Truppenstärke, Waffen, Vorräte, Positionen oder zukünftige Pläne und Operationen. Die Richtlinien bezogen sich insbesondere auf die Art und Weise der Berichterstattung über Gefallene und Verwundete. Es sollte sichergestellt werden, dass Opfer nicht identifizierbar dargestellt wurden, um zu vermeiden, dass Angehörige etwa über den Tod eines verwandten Soldaten über die Medien erfahren. Ein entscheidender Satz in den Richtlinien legte auch das Grundprinzip der gesamten Berichterstattung aus dem Kriegsgebiet fest, wie sie sich die Regierung der Vereinigten Statten vorstellte: „Für Einzelpersonen der Medien, die sich Zutritt zum US-Kampfgebiet verschaffen möchten, gilt folgende Regel: Vor oder bei Beginn der Kampfhandlungen werden Medienpools eingerichtet, um Vorsorge für eine erste Kampfberichterstattung der US-Streitkräfte zu treffen.“[58]

 

4.2.2 Medienpools

[…] This is a free society, and the free press is an important part of that. But if I rely as secretary on the press to be the filter through which all information goes – about why we’re going to send 500,000 kids off to the Gulf and may take heavy casualties – then I can’t be at all confident that my side of the story’s going to be told or that the policy’s going to be carefully explained and that people are going to understand what it’s all about.[59]

 

Die Aussage, die Verteidigungsminister Richard Cheney einige Jahre nach dem Krieg machte, verdeutlicht die Denkweise der US-Regierung zu Beginn des Golfkrieges. Die Anführer der Anti-Irak-Koalition wollten ihre Botschaft vermitteln. Dass dies allein durch eine unabhängige Medienberichterstattung geschehen würde, wurde angezweifelt. Die Konsequenz: Man musste versuchen, die Berichterstattung im eigenen Sinne zu beeinflussen, mehr noch, zu kontrollieren. Wie schon die oben zitierten Richtlinien zeigen, glaubten die USA in der Einrichtung von Medienpools das geeignete Instrument hierfür gefunden zu haben. Pete Williams, im Verteidigungsministerium zuständig für Public Affairs, erklärte, dass die Organisation der Berichterstattung in Pools zwingend notwendig sei: „Most of the reporters […] wanted to be where the action is. But with hundreds of fiercely independent reporters seeking to join up combat units, we concluded that when the combat started, we’d have no choice but to rely on pools.“[60] Die Pool-Reporter sollten ihre Informationen nach dem Willen der Regierung dann allen anderen Kollegen zur Verfügung stellen.

Nach der Bekanntgabe, dass die Alliierten eine Berichterstattung über die Kriegsvorbereitungen und den drohenden Krieg nur innerhalb von Journalistenpools gestatten wollten, hallte ein Aufschrei der Entrüstung durch die Medienlandschaft: Die Presse fürchtete Zensur und den Verlust der Unabhängigkeit. Doch der Unmut hielt nicht lange. Zu groß war der interne Wettbewerb um die wenigen guten Plätze in den Pools, als dass die Medien sich auf eine gemeinsame starke Opposition gegen die Regeln des Pentagon hätten einigen können.[61] Schließlich waren während der Operation Desert Shield zunächst nur zwei 18-köpfige Pools vorgesehen, zu einer Zeit, als bereits mehr als 700 Journalisten vor Ort waren. Bis zum Beginn der Kampfhandlungen am Boden wurde das System auf 192 Plätze für nunmehr etwa 1400 Medienvertreter erweitert. Alle Pools wurden von so genannten escort officers begleitet, deren Aufgabe es war, darauf zu achten, dass Journalisten keine militärisch sensiblen Bereiche betraten und keine unangenehmen Fragen an Mitglieder der von ihnen begleiteten Einheiten stellen konnten. Viele Journalisten beklagten sich später über die Arbeit der escort officers, die zum Teil selbst harmloseste Berichterstattung behindert und Truppenmitglieder vor und während Interviews eingeschüchtert hätten.[62]

Ein weiteres Kontrollmittel seitens der US-Regierung und -Streitkräfte bildete der security review, bei dem sämtliche innerhalb des Pools entstandenen Berichte vor ihrer Übertragung auf unliebsames Material hin gesichtet wurden. Der security review gab keine Möglichkeit zur Zensur im engen Sinne, d.h., die Ausstrahlung eines Beitrags konnte letztlich nicht verboten werden. Das eigentliche Problem lag in der Verzögerung der Freigabe, die die Aktualität eines Beitrags hinfällig machen konnte. Jeder Bericht wurde zunächst vom escort officer begutachtet. Hatte dieser aus seiner Sicht Grund zur Beanstandung und der Verfasser weigerte sich, die Beanstandungen zu berücksichtigen, ging das Material an das Joint Information Bureau in Dhahran, das wiederum entweder die Freigabe des unveränderten Berichts veranlassen oder erneut den Journalisten zur Änderung auffordern konnte. Weigerte sich der Autor im letzteren Fall weiterhin, musste dieser sich mit dem Pentagon auseinandersetzen. Bestand er auch hier auf der unveränderten Ausstrahlung, konnte ihm dies auch das Verteidigungsministerium nicht untersagen. Letztlich endeten von 1351 pool reports nur fünf an der höchsten Stelle. Allerdings mussten die Journalisten auch auf den unteren Stufen des security review bereits mehrere Tage auf die Freigabe ihrer Berichte warten. Nicht umsonst tauften sie den zuständigen militärischen Kurierdienst „pony express“.[63]

 

4.2.3 Pressekonferenzen und PR-Strategien

“For the first time ever, the administration […] was talking directly to the American people, using the vehicle of a press briefing, whereas in Vietnam, everything was filtered through the press. I think that was a major advantage for the government. The press, wittingly or unwittingly, between Riyadh and Washington, was giving us an hour-and-a-half a day to tell our story to the American people […]. The American people were getting their information from the government – not from the press […].”[64]

 

Die Aussage von Leutnant General Thomas Kelly – während des Krieges einer der Protagonisten bei den täglichen press briefings des amerikanischen Militärs – macht deutlich, wie gezielt die Regierung mit dem Instrument der Pressekonferenz versuchte, die Berichterstattung in den internationalen Medien zu steuern. Die Pressekonferenzen wurden meist live im Fernsehen übertragen, so dass eine Bewertung und Einordnung der dort verbreiteten Informationen selten stattfand. In bleibender Erinnerung sind die zigfach vorgespielten Videos so genannter smart bombs, die ihre Ziele lasergesteuert punktgenau trafen und zerstörten und den Eindruck eines sauberen Krieges, praktisch ohne Opfer, vermitteln sollten.[65] Erst lange nach Krieg wurde bekannt, dass lediglich neun Prozent aller über dem Irak abgeworfenen Bomben nach diesem System funktionierten. Zahlen, mit denen das US-Militär offensichtlich die Effektivität seiner Aktionen belegen wollte, relativierten sich bei näherer Betrachtung nach Kriegsende: So erklärte General Kelly wenige Tage nach Beginn der Kampfhandlungen 80 Prozent der alliierten Angriffe für erfolgreich. Später musste er eingestehen, dass diese Quote lediglich besagte, dass Bomben über dem Zielgebiet abgeworfen wurden, nicht aber, ob sie auch das anvisierte Ziel getroffen hatten. Ähnliches galt für die 98-prozentige Erfolgsquote der Tomahawk-Raketen. Auch diese bezog sich nur auf das erfolgte Abfeuern der Waffe, nicht auf ihre Treffsicherheit.[66]

Auf der anderen Seite machten die Medienvertreter auf den Pressekonferenzen keine gute Figur, indem sie sich schlecht vorbereitet zeigten und die verbreiteten Zahlen nicht hinterfragten. Oft wurden auch Fragen gestellt, deren Beantwortung die Sicherheit militärischer Aktion offensichtlich gefährdet hätte.[67]

Ein anderes Mittel, um Medien und Öffentlichkeit von der Notwendigkeit eines Krieges zu überzeugen, waren gezielte Public Relations-Aktivitäten. Die bekannteste und wichtigste Inszenierung fand rund vier Monate vor Beginn von Desert Storm fand den Weg in die Berichterstattung, eine angebliche Geschichte über unfassbar grausame Taten irakischer Besatzer: Soldaten von Saddam Hussein waren demnach in ein modernes Hospital in Kuwait-City gestürmt, hatten Frühgeborene aus den Brutkästen gerissen und sterben lassen. Erstaunlicherweise gab es zunächst keine Zeugen für den Vorfall, bis ein 15-jähriges kuwaitisches Mädchen auftauchte, die die Geschichte schließlich unter Tränen vor dem Menschenrechtsausschuss des US-Kongresses bezeugte. Politiker und Presse führten in der Folge immer wieder beispielhaft diesen Vorfall als Argument für einen Feldzug gegen die irakischen Aggressoren an. Erst lange nach dem Krieg kam ans Licht, dass die Gräueltat eine Inszenierung der amerikanischen PR-Agentur Hill and Knowlton war, mit der die Organisation Citizens for a Free Kuwait – finanziert von der kuwaitischen Exil-Regierung – einen Zehn-Millionen-Dollar-Vertrag abgeschlossen hatte. Die angebliche Zeugin war in Wahrheit die von der Agentur eingewiesene Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA.[68]

 

4.3 Alternativen in der Berichterstattung

4.3.1 Unilaterals

Journalisten, die nicht aus einem Pool berichten wollten oder dort keinen Platz zugewiesen bekamen, konnten entweder in ihren Hotels weit ab vom Kriegsgeschehen auf die täglichen Briefings warten oder sich auf eigene Faust in Krisengebiet begeben. Die Zahl Letzterer – vom Militär unilaterals genannt – war aus mehreren Gründen sehr klein. Zum einen war die unabhängige Expedition in das lebensfeindliche Wüstengebiet nicht nur gefährlich, sondern auch aufwändig und teuer. Zum anderen tat das Militär alles, um den unilaterals die Arbeit noch schwerer zu machen, als sie ohnehin schon war. Die wenigen, die ohne Pool unterwegs waren, wurden, nachdem sie als Journalisten erkannt worden waren, oft von Einheiten festgenommen und nach Saudi-Arabien zurückgebracht. Darüber hinaus wurden die Unabhängigen auch von ihren Kollegen, die in den Pools die Truppen begleiteten, denunziert.[69] Alles in allem gelang es den unilaterals nur selten, die kontrollierte Berichterstattung um einen unabhängigen Blick zu erweitern: „[…] unilaterals were not able to seize victory where the rest of the press corps had failed.“[70]

 

4.3.2 Korrespondenten in Bagdad

Eine andere Möglichkeit speziell für das Fernsehen, über den Krieg zu berichten, war die Berichterstattung aus Bagdad. So konnten zwar die alliierten Kontrollmaßnahmen umgangen werden, dafür hatte es CNN – zunächst der einzige Sender, dem die irakische Regierung das Bleiben erlaubte – mit der Zensur des Regimes von Saddam Hussein zu tun. Dies bedeutete, dass die Kamerateams sich nicht frei bewegen konnten und nur das filmen durften, was die irakischen Zensoren erlaubten. Interviewpartner wurden gestellt, der Zugang zu anderen Quellen abgeschnitten. Somit konnten auch die Reporter vor Ort keinen wirklichen Beitrag zum Bild über den tatsächlichen Fortgang des Krieges oder die politische Lage im Irak liefern. Diese Beschränkungen heizten in den Heimatländern der Korrespondenten immer wieder Diskussionen über den Sinn einer solchen Berichterstattung an, die hauptsächlich ein Thema behandelte, das naturgemäß der irakischen Regierung diente: Opfer unter der irakischen Zivilbevölkerung.[71] Journalistische Arbeit ist unter diesen Voraussetzungen auf jeden Fall kritisch zu betrachten. Dennoch lassen sich auch die Verdienste von CNN-Korrespondent Peter Arnett und seinen Kollegen nicht von der Hand weisen. In ihren Reportagen der ersten Bombennächte in Bagdad berichteten sie in einer Art und Weise, die keine Poolberichterstattung leisten konnte, nämlich „live, ohne Zeitverzug, direkt und authentisch.“[72] Arnett ließ seine Zuschauer immer wieder wissen, dass das, was er zu sehen bekam und das, was er sendete, der Zensur unterlag,[73] so auch die Berichte über die gezielte Bombardierung eines, so die irakischen Angaben, Bunkers für die Zivilbevölkerung durch die US-Luftwaffe in Amiriya, bei dem Hunderte Iraker ums Leben gekommen waren. Das amerikanische Militär blieb auf seinem Standpunkt, es habe sich um ein militärisches Ziel gehandelt, und auch die grausamen Bilder der Toten waren kein Beweis für das Gegenteil. Was sie jedoch leisteten, war, dass das Bild eines sauberen Krieges mit präzisen, intelligenten Waffen teilweise korrigiert wurde.[74]

 

4.4 Diskussion

Die Regierungen der Anführer der Kriegskoalition, USA und Großbritannien, wussten aus Umfragen während des Krieges, dass sich die Bevölkerung bewusst war, dass die Nachrichten aus dem Kriegsgebiet zensiert wurden, und das fast 80 Prozent dies für richtig hielten.[75] Es wurde schon vor dem Krieg deutlich, dass eine Mehrheit hinter der Entscheidung stand, Kuwait gewaltsam zu befreien. Offen bleibt, ob die Zustimmung genauso groß ausgefallen wäre, wenn die oben beschriebene Art und Weise der Medienkontrolle und die gezielte Verbreitung von Unwahrheiten, wie im Fall der Ermordung kuwaitischer Babys, bekannt gewesen wäre.

Die Medien hatten sich während des Krieges nach anfänglichen, verhaltenen Protesten mit den Maßnahmen von Regierung und Militär arrangiert. Nach dem Krieg brandete die Protestwelle jedoch wieder auf. Herausgeber und Chefredakteure beklagten sich insbesondere bei Verteidigungsminister Richard Cheney über die Beschränkungen.[76] Dennoch gelang es nicht, eine breite Front unter den Medienvertretern aufzubauen, die sich für bessere Bedingungen der Berichterstattung in zukünftigen Konflikten einsetzte. Gespräche zwischen Cheney und Repräsentanten der Medien ergaben keine wesentlichen Änderungen der angewandten Richtlinien.[77] Die meisten Medienkonzerne orientierten sich eher am Konkurrenzgedanken als einer gemeinsamen Linie gegen Zensur, wie Thrall erkennt: „[…] the vast majority of news organizations were less interested in vigorously challenging the government’s press policy than they were in vigorously ensuring that they would have the most access possible given the situation in which they found themselves.”[78]

Bei allen Vorwürfen gegen die Administration war die Presse auch fähig zur Selbstkritik. Viele Journalisten gestanden ein, die Restriktionen des Pentagons zu schnell und wehrlos hingenommen zu haben. Einige beklagten sogar, die großen Nachrichtenmedien hätten der Regierung in die Hände gespielt, nur um kleinere Wettbewerber etwa aus den Pools auszuschließen. Anthony Lewis von der New York Times schrieb: „[…] the control and the censorship, outrageous as they were, cannot excuse the compliant, unquestioning attitude of the American press. We glorified war and accepted its political premise, forsaking the independence and scepticism that justify freedom of the press.”[79]

Auch eine Live-Berichterstattung wie sie CNN in den ersten Kriegstagen exklusiv aus Bagdad lieferte, konnte die Defizite des Pool Journalism nicht auffangen – nicht nur vor dem Hintergrund, dass auch hier Zensur ausgeübt wurde. Sie scheint als solche auch nicht geeignet, um ein umfassendes Bild von den vielfältigen Prozessen in Krisensituationen zu zeichnen. Der Publizist Michael Hennes spricht im Zusammenhang mit CNN von einem „kritischen Verlust an Zeit.“[80] Diese Art der Krisenberichterstattung übe auf politisch Verantwortliche immensen Druck aus, der die Zeit für Entscheidungen auf Tage oder Stunden zusammenschmelzen lasse, wo eigentlich exakte Expertisen und Konsultationen gefragt seien.[81]

Insgesamt sicherte sich die Regierung im Golfkrieg durch ihre Restriktionen die „information superiority“, wie Thrall es beschreibt.[82] Durch die Organisation des Zugangs zum Krisengebiet in Pools und die Informationsteuerung durch tägliche Pressekonferenzen waren die Journalisten gar nicht in der Lage Fakten zu sammeln, die die Informationen der Regierung potenziell bestätigen, ergänzen oder in Frage hätten stellen können. Thrall fasst zusammen:

[…] the press faced two towering obstacles to getting the kind of access cum independence it wanted. First, the government obviously controlled those things to which access was desired: the troops, the bases, the tanks, and thus the battlefield itself. […] Second, the fundamental nature of the press – fragmented, competitive, unwilling to act collectively due to vastly different interests – made it impossible for the press to oppose the government’s restrictions effectively.

 

 

 

 

5. Fallbeispiel III: Golfkrieg 2003

5.1 Vorgeschichte und Ausgangsbedingungen

Am 20. März 2003 begann unter der Führung der Streitkräfte der USA und Großbritanniens die Operation „Iraqi Freedom“. Nach nur 20 Tagen eroberten die Truppen die irakische Hauptstadt Bagdad. Als US-Präsident George Bush die Kampfhandlungen am 1. Mai offiziell für beendet erklärte, war der irakische Diktator Saddam Hussein noch immer auf der Flucht.

Der erneute Feldzug gegen den Irak kündigte sich bald nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington an. Schnell wurde seitens der US-Regierung der Verdacht geäußert, der Irak könnte an den Anschlägen beteiligt gewesen sein oder Kontakte zum Terroristen-Netzwerk Al Kaida pflegen. Anfang 2002 zählte George Bush den Irak mit dem Iran und Nordkorea zur „Achse des Bösen“. Die amerikanische Regierung vermutete im Irak Massenvernichtungswaffen und forderte Saddam Hussein wiederholt auf, die ausgewiesenen Uno-Waffeninspektoren ohne Bedingungen wieder ins Land zu lassen. In der Folge verzögerte Saddam Hussein die Annahme mehrerer Uno-Resolutionen, ließ die Inspektoren schließlich aber doch wieder ins Land. Während die Uno mehrfach die mangelnde Kooperation der Iraker mit den Waffeninspektoren kritisierte, forcierten die USA und ihre Verbündeten den Aufmarsch ihrer Truppen am Golf. Nach verschiedenen Funden von Raketen und waffenfähigen Materials sowie einer andauernden zögerlichen Haltung der irakischen Regierung legten die USA einen Resolutionsentwurf vor, der die Anwendung von Gewalt autorisieren sollte. Frankreich legte jedoch sein Veto gegen diesen Entwurf ein. Ein letztes Ultimatum der USA bis zum 17. März verstrich ohne diplomatische Erfolge.[83]

Vor Beginn des Krieges 1991 war die Weltgemeinschaft sich weitestgehend einig, dass Saddam Husseins Truppen mit allen Mitteln aus Kuwait vertrieben werden musste. Zwölf Jahre später lag kein unmittelbarer Kriegsgrund vor, die Uno blieb angesichts der Angriffsdrohungen der USA zurückhaltend, vor allem die traditionellen Amerika-Verbündeten Frankreich und Deutschland wollten sich nicht in die zum militärischen Vorgehen entschlossene Anti-Irak-Koalition einreihen. Ähnlich unentschieden war die Meinungsverteilung auch in den Medien, nicht nur international, sondern auch in den Vereinigten Staaten. Hinzu kam, dass nach den Erfahrungen und der Diskussion um das Medienmanagement während des Irak-Krieges 1991 Nachrichten aus dem Krisengebiet jetzt unter dem Generalverdacht der Kriegspropaganda standen. Die Zahl der Journalisten, die direkt vom Persischen Golf über den Konflikt berichten wollte, war 2003 zudem drei Mal so hoch wie zur Zeit der Operation „Desert Storm“.

 

5.2 Embedded Journalists

Angesichts der unentschiedenen Öffentlichkeit war das Interesse der Regierungen der Krieg führenden Nationen umso größer, die Berichterstattung über die Kämpfe in einem für sie positiven Sinne zu beeinflussen. Nachdem aber die Organisation der Medienvertreter in Pools während des letzten Irak-Krieges auf Kritik gestoßen war, sollte ein neues Konzept die Kontrolle über die Medien sichern: Das US-Militär stimmte zu, rund 600 der 2000 bis 3000 Soldaten in Truppeneinheiten „einzubetten“, um eine Berichterstattung direkt von den Kampfhandlungen zu ermöglichen. Im offiziellen Dokument der Regierung der Vereinigten Staaten, das die Journalisten vor ihrer Einbettung unterzeichnen mussten, heißt es: „The United States of America […] believes it to be mutually beneficial to both the Government and news media organizations […] to place selected military units […] for the purpose of providing news media coverage before, during and after military operations.”[84] Die Unterzeichner nahmen alle Gefahren, die mit der Begleitung einer militärischen Einheit einhergehen, zur Kenntnis und sprachen Regierung und Militär von jeglicher Haftung für körperliche Schäden frei.[85] Darüber hinaus mussten die Medienvertreter Grundregeln zustimmen, in denen 14 Kategorien von Informationen aufgeführt waren, die veröffentlicht werden durften. 19 Kategorien von Informationen dagegen durften nicht publiziert werden, da dies militärische Operationen oder Menschenleben gefährdet hätte.[86] Danach sind vor allem exakte Angaben zur Truppenstärke, Position, Vorräten und bevorstehenden Aktionen von der Veröffentlichung ausgeschlossen. Erlaubt ist die Verbreitung von Informationen zu diesen Themenbereichen nur, wenn die Beschreibung allgemein gehalten wird.[87] Auffällig ist, wie explizit sich die Behörden Mühe gaben zu betonen, dass die Restriktionen keine Form der Zensur darstellen sollten: „These ground rules recognize the right of the media to cover military operations and are in no way intended to prevent release of derogatory, embarrassing, negative, or uncomplimentary information.“[88]

In der Praxis wurde den Journalisten innerhalb der Einheiten, in denen sie eingebettet waren, ein Aufpasser zur Seite gestellt. Diese waren angehalten, die Öffentlichkeitsarbeit so zu planen, „dass eine maximale Zusammenarbeit zwischen Medien und Streitkräften zustande kommt.“[89] Damit sollte der Informationsfluss von den Nachrichtenmedien zum Publikum beeinflusst werden. Dass die zu unterzeichnende Haftungsfreistellung aus der Perspektive der Regierungen wohl überlegt war, machten verschiedene Zwischenfälle deutlich, bei denen eingebettete Journalisten verletzt oder getötet wurden.

 

5.3 Alternativen in der Berichterstattung

Berichteten 1991 nur der CNN-Reporter Peter Arnett und später auch der deutsche ARD-Korrespondent Christoph Maria Fröhder aus der irakischen Hauptstadt Bagdad, hatten 2003 mehrere hundert Journalisten hauptsächlich im Hotel Palestine Stellung bezogen. Zwar erhoffte sich die irakische Regierung davon offenbar, dass die Berichterstattung zum Beispiel über zivile Opfer die Alliierten unter Druck setzen könnte, andererseits konnte sie bei diesem Medienaufgebot Zensur nur noch schwer durchsetzen. Christoph Maria Fröhder erklärte in einem Interview nach dem Krieg: „Die irakische Zensur ist diesmal eindeutig überfordert gewesen. Was man 1991 noch mit sehr viel Aufwand und Gehirnschmalz betreiben musste, um sie ins Leere laufen zu lassen, das war diesmal fast kein Aufwand wert. Die haben es zeitlich gar nicht geschafft, die 400 Medienvertreter zu beaufsichtigen.“[90] Ein größeres Problem schien die Ablehnung, die Vertreter der Koalitionstruppen den nicht eingebetteten Journalisten entgegen brachten. Dies galt umso mehr, wenn diese aus Staaten kamen, deren Regierungen dem Irak-Krieg kritisch gegenüber standen. Christoph Maria Fröhder beschrieb die Situation so: „Zuerst einmal hatten wir mit den Amerikanern grundsätzlich Probleme, weil wir Deutsche waren. Das zweite war, dass wir als einzige Akkreditierung die irakische hatten […]. Die Amerikaner waren […] nicht willens, uns neue Akkreditierungen auszustellen.“[91] Dennoch: Fröhder sagte auch, dass es durchaus möglich gewesen sei, aus den Reihen der Truppen zu berichten, wenn man nicht eingebettet war. So hätte er von Einheiten gehört, die Journalisten gegen „zwei Kisten Bier“ die Begleitung gewährt hätten.[92]

 

5.4 Diskussion

Wie schon die Medienpools während des Golfkriegs 1991, geriet auch die Berichterstattung der embedded journalists 2003 in die Kritik. SPIEGEL-Online-Journalist Markus Deggerich resümierte nach dem Krieg: „Das Konzept der ‚embedded journalists’ ist sehr gut aufgegangen. Unter der Vorgabe einer Pseudo-Unabhängigkeit hat man es trotzdem geschafft, die Journalisten für sich einzunehmen.“[93] Die Berichte der eingebetteten Journalisten seien überwiegend den USA dienlich gewesen, nicht im Sinne von Propaganda, sondern einer ständigen Präsenz in den Medien. Die USA hatten sich von der Einbettung erhofft, dass sich daraus eine Nähe und Form der Zusammenarbeit zwischen Soldaten und Journalisten entwickelt, die sich positiv auf die Berichterstattung niederschlägt. Die Nähe ist es, die Deggerich als Hindernis für die Unabhängigkeit der Medienvertreter erkannte: „Als ‚embedded journalist’ bist du an der Seite der Soldaten, die dich im Zweifelsfall beschützen und mit denen du das Essen und den Schlafsack teilst. Ich hatte den Eindruck, dass es nicht mehr allen gelingt, noch zu unterscheiden zwischen ihrer Rolle als Journalist und als Kumpel.“[94] Ulrich Kienzle, ehemaliger Nachrichtenkorrespondent des ZDF, bezeichnete die eingebetteten Kollegen als „Informationskombattanten, die zum Teil der Kriegsstrategie geworden seien: „Sie berichten nicht das, was sie könnten, das, was sie wollen oder das, was sie sehen, sondern sie berichten das, was die Kommandeure erlauben. Das hat mit Journalismus wenig zu tun.“[95] Eine ähnliche Terminologie wie Kienzle verwendet auch der Politikwissenschaftler Ulrich Sarcinelli, wenn er von den eingebetteten Journalisten als „Kommunikationskombattanten“ spricht. Diese seien in die Kriegsmaschinerie ein- und angebunden.[96]

Im Gegensatz zu den Pool-Journalisten des vorhergehenden Irak-Krieges waren die eingebetteten Journalisten häufig wirklich hautnah bei Kampfhandlungen anwesend, wie etwa der BBC-Reporter, dessen begleitende Einheit mitten im Interview mit einem Soldaten unter Mörserbeschuss geriet, oder John Simpson, ebenfalls BBC, der von friendly fire getroffen wurde. Simpson sprach unmittelbar nach dem Angriff in die Kamera, während um ihn herum Verwundete geborgen und versorgt wurden.[97] Unter Einsatz ihres Lebens zeigten die Reporter so auch die schmutzige Seite des Krieges. Dennoch stellt sich die Frage, was die Welt durch sie über den Krieg erfahren hat. Peter Scholl-Latour, früher Nahost-Korrespondent, hielt die Berichterstattung für wenig gehaltvoll: „[…] das Ganze ist natürlich eine Form der Irreführung. Nur, dass man jetzt eben Bilder zeigt, aus jedem Zusammenhang gerissen. Niemand darf sagen, wo er sich befindet. Die politischen Hintergründe, die ja entscheidend sind, […] werden nie erwähnt.“[98] Markus Deggerich erkannte einen „Krieg der Bilder“, bei dem wenige Einzelaufnahmen in Erinnerung geblieben seien, die das Geschehen als Ganzes symbolisierten: „Vielmehr ist eine Flut von Bildern entstanden, die letztlich doch nicht ein Mehr an Informationen transportieren konnte.“[99]

Die Haupt-Alternative zum embedding war, wie oben ausgeführt, Position in Bagdad zu beziehen. Doch auch hier gab es Unterschiede in der Arbeitsweise, behauptete ARD-Korrespondent Christoph Maria Fröhder. So hätten etliche Journalisten in Bagdad kaum das Hotel verlassen, sondern bei Live-Schalten lieber die Zusammenfassungen der Nachrichtenagenturen, die in den Heimatredaktionen eingelaufen waren und dann per Fax oder Email wieder nach Bagdad geschickt worden waren, vorgetragen. So sehr Fröhder dieses Verhalten ablehnte, wusste er dennoch, dass diese Kollegen nicht einmal im Unrecht waren. Denn manchmal waren die Zentralen tatsächlich besser informiert, als die in Bagdad eingeschlossenen Medien.[100]

Ulrich Sarcinelli sieht trotz der neuerlichen Kritik an der Berichterstattung die Informationssituation im Krieg 2003 als eine Art „Rückkehr zur Wirklichkeit“ weg vom „virtuellen Krieg“ zwölf Jahre zuvor. Der Krieg sei gerade in Deutschland zu einem medienpädagogisches Erfahrungsfeld für die Öffentlichkeit geworden: „Noch nie ist hier so kritisch und so distanziert von der Kriegsberichterstattung gesprochen worden. Noch nie ist die Öffentlichkeit so stark sensibilisiert worden für die Regeln, die zu einem funktionierenden politischen Journalismus gehören.“[101]

 

 

6. Fazit

 

Kriegsberichterstattung wird sich auch in Zukunft immer durch einen fundamentalen Interessenkonflikt gekennzeichnet sein. Auf der einen Seite die Journalisten, deren Interesse darin besteht, möglichst umfassend und frei von Einschränkungen berichten zu können, auf der anderen Seite Militär und Regierungen, die dadurch die erfolgreiche Umsetzung ihrer militärischen wie politischen Ziele gefährdet sehen. Für den Reporter selbst könnte bei seiner Arbeit der Konflikt zwischen patriotischer Loyalität und dem Ideal des objektiven Journalismus aufbrechen.

Da Regierungen erkannt haben, wie wichtig die richtige Informationspolitik letztlich für den Kriegserfolg sein kann, ist kaum zu erwarten, dass für die Arbeit von Journalisten jemals wieder so günstige Rahmenbedingungen wie im Vietnamkrieg herrschen werden. Die Zukunft der Kriegsberichterstattung wird eher von ausgefeilten Informationskontrollmechanismen gekennzeichnet sein – ähnlich den Konzepten, die im Golfkrieg 2003 Anwendung fanden.

Die technische Entwicklung kann dabei beiden Seiten zum Nutzen gereichen. Journalisten werden in die Lage versetzt, mit immer handlicheren Geräten immer mobiler zu berichten. Dank moderner Satellitentechnik kann live von jedem Ort auf dem Erdball berichtet werden, ohne dass Texte und Bilder zensiert werden können. Das Internet hat die Massenkommunikation demokratisiert und ermöglicht auch Nichtjournalisten, ihre Sicht der Dinge zu artikulieren – jüngstes Beispiel: Ein Iraker, der in einem so genannten „Web-Blog“ direkt aus Bagdad das amerikanische Bombardement während des letzten Golfkriegs beschrieb und so eine Perspektive eröffnete, die in den herkömmlichen Nachrichtenmedien bis dahin keine Verbreitung gefunden hatte. Doch auch die Militärs können moderne Technologien zu ihrem Vorteil nutzen. Schon im Golfkrieg 1991 präsentierte das Pentagon der Öffentlichkeit Videoaufnahmen aus den Cockpits der Kampfbomber, die einen sauberen High-Tech-Krieg suggerierten. Genauso wie sich die weltweite Verbreitung von Nachrichten durch das Internet beschleunigt hat, hat sich auch die Reaktionszeit verkürzt, in der Regierungsstellen Nachrichten öffentlich dementieren, kommentieren oder einordnen können.

Dennoch, ein ethisches Leitprinzip, das sowohl für den Journalisten wie auch für sein Gegenüber gelten sollte, ist das Gebot der sachlichen Wahrhaftigkeit. Für Journalisten bedeutet dies, ihr Publikum objektiv nach bestem Wissen und Gewissen zu informieren, ohne Rücksicht auf politische und patriotische Sympathien. Es bedeutet auch, Informationen des Militärs zu hinterfragen und sie nicht ungefiltert weiterzugeben. Militär und Regierungen auf der anderen Seite sollten, wenn sie schon das Prinzip der militärischen Geheimhaltung nicht völlig aufgeben können, so doch zumindest in ihrer Kommunikation bei den Fakten bleiben – und nicht versuchen, die öffentliche Meinung durch gezielte Falschinformationen zu manipulieren.

 

 

 

 

7. Literaturangaben

 

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[2] vgl. Schlesinger, Joe: “War Stories: The Fog of Journalism”, in: Toronto Star, 7.11. 2003

[3] vgl. Fischer, Heinz (Hg.): Pressekonzentration und Zensurpraxis im Ersten Weltkrieg, Berlin 1973, S. 152-173

[4] vgl. Thrall, Trevor: War in the Media Age, New Jersey 2000, S. 48

[5] vgl. ebd., S. 256

[6] Evans berichtet von einem Vorfall während des Falkland-Kriegs 1982, der diesen Punkt verdeutlicht. Reportern, die die britische Expeditionsstreitmacht begleiteten, wurde verboten darüber zu berichten, dass die Schiffe eine Nebelbank passierten. Die Journalisten reagierten äußerst ungehalten auf diese scheinbare Schikane. Es gab jedoch einen triftigen  Grund: An diesem Tag war nur an einem kleinen Flecken im Südatlantik Nebel. Durch Presseberichte hätten die Argentinier also die genaue Position des britischen Angriffsverbandes erfahren können; vgl. Evans, Harold: „Reporting in the Time of Conflict“, in: http://www.newseum.org/warstories/essay

[7] zitiert nach: ebd.

[8] vgl. ebd.

[9] vgl. ebd.

[10] PBS News Hour: “Covering the War”, 20.4.2000, in: http://www.pbs.org/newshour/bb/media/jan-june00/vietnam_4-20.html

[11] vgl. Forster, Peter: Aber wahr muss es sein. Information als Waffe, Stuttgart 1998, S. 56

[12] zitiert nach: Evans: “Reporting in the Time of Conflict”

[13] vgl. Thrall: War in the Media Age, S. 20f

[14] vgl. ebd., S. 22

[15] vgl. ebd., S. 23

[16] vgl. ebd., S. 19

[17] Jurkowitz, Mark: “Vietnam Scribes see a Concept that’s embedded with Flaws”, in: Boston Globe, 9.4.2003

[18] vgl. Knightley, Philip: The First Casualty. The War Correspondent as Hero and Myth-Maker from the Crimea to Kosovo, London 2000, S. 418f

[19] vgl. Thrall: War in the Media Age, S. 26

[20] Die täglichen Pressekonferenzen wurden von Journalisten bald nur noch „Five o’clock follies“ genannt; vgl. Braestrup, Peter: „The News Media and the War in Vietnam. Myths and Realities”, in:

http://www.vwam.com/vets/media.htm

[21] Ein gutes Beispiel für diese Situation gibt Time-Reporter Stanley Karnow. Karnow, der aus Vietnam berichtete, bevor die USA dort offiziell in den Krieg eingriffen, saß mit einem US-Presseoffizier im Restaurant des Majestic Hotels in Saigon, als neben ihnen ein riesiger amerikanischer Flugzeugträger durch den Hafen fuhr. Karnow rief erstaunt aus: „Mein Gott! Sehen Sie den Flugzeugträger da?“ Der Offizier sagte nur „Welchen Flugzeugträger? Ich sehe gar nichts.“; Evans: Reporting in the Time of Conflict

[22] vgl. Hallin, Daniel: The „Uncensored War”: The Media and Vietnam, New York 1986, S. 48

[23] vgl. ebd., S. 83; Knightley: The First Casualty, S. 417

[24] zitiert nach: ebd., S. 417

[25] zitiert nach: Hallin: The “Uncensored War”, S. 63

[26] zitiert nach: Evans: “Reporting in the Time of Conflict”

[27] vgl. Hallin: The „Uncensored War“, S. 70ff

[28] vgl. Knightley: The First Casualty, S. 412

[29] zitiert nach: Forster: Aber wahr muss es sein, S. 51

[30] vgl. Thrall: War in the Media Age, S. 28ff

[31] vgl. Hallin: The „Uncensored War“, S. 161

[32] vgl. The Faces of the American Dead in Vietnam: One Week’s Toll, in: LIFE, 27.6.1969

[33] Knightley weist darauf hin, dass Hersh kein Vietnam-Korrespondent war, sondern Zeitungsreporter in den USA, und somit weniger abgestumpft war. Gräuelgeschichten wie My Lai waren für die Korrespondenten vor Ort nämlich schon so alltäglich, dass sie ihnen keinen Nachrichtenwert mehr zuschrieben; vgl. Knightley: The First Casualty, S. 431ff

[34] vgl. ebd., S. 436

[35] zitiert nach: Braestrup: “The News Media and the War in Vietnam

[36] Nixon, Richard: The Memoirs, New York 1978, S. 350

[37] vgl. Hallin: The „Uncensored War“, S. 129f; siehe dazu auch: Lichty, Lawrence/Fouhy, Edward: “Television Reporting of the Vietnam War; or Did Walter Cronkite Really Lose the War?”, in: World & I, Vol. 2, No. 4 (April 1987), S. 577-590

[38] ABC-Reporter Peter Jennings begann einen Beitrag über Anitkriegsdemonstranten z.B. mit folgenden Worten: "While Americans fight and die in Vietnam, there are those in this country who sympathize with the Viet Cong." (1965); Evans: “Reporting in the Time of Conflict”

[39] Arlen, Michael: Living Room War, Syracuse, NY 1997

[40] Safers Kommentar war deutlich: „Als Ergebnis der heutige Operation wurden 150 Hütten niedergebrannt, drei Frauen verletzt, ein Baby getötet, ein Marine verletzt. Vier alte Männer wurden gefangengenommen. [...] Es besteht kein Zweifel, dass amerikanische Feuerkraft hier einen militärischen Sieg erringen kann – aber für einen vietnamesischen Bauern, dessen Haus das Ergebnis eines harten Arbeitslebens ist, wird es mehr als ein paar Zusicherungen des Präsidenten brauchen, um ihn zu überzeugen, dass wir auf seiner Seite sind.“ Nachdem der Bericht gesendet wurde, rief Präsident Johnson den Chef von CBS an und warf ihm vor: „Sie haben gerade auf die US-Flagge geschissen“; zitiert nach: ebd.

[41] vgl. Thrall: War in the Media Age, S. 30ff

[42] vgl. Hallin: The „Uncensored War“, S. 134ff

[43] vgl. ebd., S. 174ff

[44] vgl. Braestrup: “The News Media and the War in Vietnam

[45] vgl. Hallin: The „Uncensored War“, S. 162

[46] vgl. ebd., S. 182ff

[47] vgl. PBS News Hour: “Covering the War”

[48] siehe dazu auch das Medienmanagement-Modell von Luostarinen/Ottosen; vgl. Luostarinen, Heikki/Ottosen, Rune: „Militär-Medien-Management und Kriegsberichterstattung. Herausforderungen für den Journalismus in begrenzten Konflikten nach dem 2. Weltkrieg“, in: Kempf/Schmidt-Regener (Hg.): Krieg, Nationalismus, Rassismus und die Medien, Münster 1998, S. 27f

[49] Für eine Untersuchung der britischen Pressepolitik im Falklandkrieg siehe: Mercer, Derrick, et al.: The Fog of War: The Media on the Battlefield, London 1987

[50] vgl. Thrall: War in the Media Age, S. 116ff; Schlesinger: “War Stories”

[51] vgl. Thrall: War in the Media Age, S. 152ff

[52] vgl. Knightley: The First Casualty, S. 484f

[53] ebd, S. 485

[54] Zum politischen und militärischen Hintergrund vgl. ausführlich: Thrall: War in the Media Age, S. 165ff

[55] ebd., S. 164

[56] ebd.

[57] Die einzelnen Hauptinstrumente des Medienmanagements vor und während des Krieges können hier nur skizziert, ihre Entstehung im politischen Prozess kann nicht in jedem Fall und in aller Ausführlichkeit nachvollzogen werden. Für eine detaillierte Darstellung vgl. Thrall.

[58] vgl. Pentagon-Vorschriften zur „Operation Wüstensturm“ (Zweiter Golfkrieg 1991), in: http://www.friedenspaedagogik.de/themen/krieg_verst/medienber/medienber_04.htm

[59] Richard Cheney, zitiert nach: Thrall, S. 176

[60] Pete Williams, zitiert nach: Thrall, S. 177

[61] vgl. Knightley: The First Casualty, S. 490, Thrall, S. 180

[62] vgl. Thrall: War in the Media Age, S. 192

[63] vgl. ebd., S. 187f., 193f

[64] Thomas Kelly, zitiert nach: ebd., S. 185

[65] Für eine ausführl. Diskussion zum Bild des sauberen Krieges vgl. Taylor, John: Body Horror. Photojournalism, Catastrophe and War. New York, 1998

[66] vgl. ebd., S. 211f

[67] vgl. Thrall: War in the Media Age, S. 184

[68] vgl. Knightley: The First Casualty, S. 486ff

[69] vgl. ebd., S. 491f

[70] Thrall: War in the Media Age, S. 205

[71] vgl. ebd., S. 206

[72] Forster, Peter: Aber wahr muss es sein. Information als Waffe. Frauenfeld/Stuttgart/Wien, 1998, S. 82

[73] vgl. Knightley: The First Casualty, S. 493

[74] vgl. Thrall: War in the Media Age, S. 207

[75] vgl. Knightley: The First Casualty, S.492

[76] vgl. Thrall: War in the Media Age, S. 214

[77] vgl. ebd., S. 215f

[78] ebd., S. 215

[79] ebd.

[80] zitiert nach: Forster: Aber wahr muss es sein, S. 83

[81] vgl. ebd.

[82] Thrall: War in the Media Age, S. 216

[83] vgl. Auswärtiges Amt: „Irak Geschichte“, in:

http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=9&land_id=62 und Wiener Zeitung: „Krieg im Irak“, in: http://www.wienerzeitung.at/linkmap/politik/irak/kriegstagebuch.htm

[84] U.S. Department of Defense: “Embedding Release for Iraq 2003”, in:  http://www.defenselink.mil/news/Feb2003/d20030210embed.pdf

[85] vgl. ebd.

[86] vgl. Mitchell, Greg: “Exclusive: U.S. Military Document Outlines War Coverage”, in:  http://editorandpublisher.com/eandp/news/article_display.jsp?vnu_content_id=1817934

[87] vgl. ebd.

[88] ebd.

[89] Ruf, Werner: „Journalisten und Krieg. In Lebensgefahr für die Wahrheit.“, in: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/24/0,1872,203504,00.html

[90] Hesseling, Claus: „Interview: Bagdad zur Primetime.“, in: http://www.diegegenwart.de/ausgabe33/froehder.htm

[91] ebd.

[92] ebd.

[93] Bundeszentrale für politische Bildung: „Interview: Markus Deggerich. Journalist oder Kumpel? Zwischen Livemomenten und Reflexion.“, in:  http://www.bpb.de/veranstaltungen/8ZWGP2,,0,Journalist_oder_Kumpel_Zwischen_Livemomenten_und_Reflexion.html

[94] ebd.

[95] Ruf: „Journalisten und Krieg“

[96] Bundeszentrale für politische Bildung: „Interview: Prof. Ulrich Sarcinelli. Medienpädagogik im Zeitraffer.“, in: http://www.bpb.de/veranstaltungen/G82ANC,,0,Medienpädagogik_im_Zeitraffer.html

[97] vgl. Ruf: „Journalisten und Krieg“

[98] ebd.

[99] Bundeszentrale für politische Bildung: „Interview: Markus Deggerich.“

[100] vgl. Hesseling: „Interview: Bagdad zur Primetime.“, sowie Düker, Ronald: „Ein Outlaw in Bagdad.“, in: http://www.netzeitung.de/voiceofgermany/248456.html

[101] Bundeszentrale für politische Bildung: „Interview: Prof. Ulrich Sarcinelli.“