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Die Studenten aus der Boxengasse

Münchener Wohnungsmarkt: Wenn nichts mehr hilft, bleibt nur die Notunterkunft

Bett, Stuhl, Tisch und eine Kleiderstange. Das alles umgeben von vier Wänden aus Sperrholz und kaum größer als zwei mal zwei Meter. Hinge hier nicht ein buntes Plakat mit der Aufschrift "Olympiastadt München", man könnte meinen, man wäre in Sparta. Trotzdem freut sich der Bewohner dieses Verschlags wie ein kleiner Prinz in seinem Märchenschloss. "Für mich ist diese Box hier das Paradies", sagt Koudi und lacht.

Der 19-jährige Libanese, angehender Maschinenbaustudent an der TU München, hat in den letzten Tagen selten in solchem Luxus gehaust. Nachdem seine Wohnungssuche am Ankunftstag erfolglos blieb, schlief er im Bahnhof, bis ihn die Polizei hinauswarf. Die nächste Nacht verbrachte er im Englischen Garten. "Aber es war sehr kalt, deshalb habe ich bei einem Wohnheim gefragt, ob ich in der Küche schlafen kann", erzählt er. Nach einigen Nächten in der Küche quartierte ihn das Studentenwerk schließlich in einer von acht Notunterkünften in der Studentenstadt Freimann ein. Für fünf Euro pro Nacht darf er dort bis Ende Dezember bleiben. Außer Koudi wohnen in den Not-Boxen noch sechs weitere Studenten aus Frankreich, Israel, Italien und Deutschland auf engstem Raum. Europa rückt näher zusammen, wenn auch unfreiwillig.

Die Wohnungsnot in München trifft ausländische Studenten besonders hart. Weil sie meist nur kurz in Deutschland bleiben und zudem oft mit Vorurteilen von Vermietern zu kämpfen haben, sind sie auf Wohnheimplätze angewiesen. Doch hier liegt das Problem. "Einerseits werben die Universitäten seit einiger Zeit verstärkt um ausländische Studenten, andererseits haben wir überhaupt nicht genügend Platz, alle unterzubringen," klagt Helmut Gierke, Leiter der Abteilung für Studentisches Wohnen beim Studentenwerk München. Für die Austausch-Studenten werden dieses Semester 900 Plätze benötigt, anbieten kann er aber nur 700. Mit Kreativität versuchen Gierke und seine Leute dem Mangel Herr zu werden. Bei Hausbesitzern werben sie für die Vermietung an Studenten, errichten Containersiedlungen und wollten sogar einen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg zum Wohnheim umbauen lassen.

Tropfen auf den heißen Stein. Zwar ist die Zahl der Studenten in München in den letzten Jahren gesunken, doch steigende Erstsemesterzahlen und die EU-Osterweiterung werden den Druck auf den Wohnungsmarkt nach Gierkes Ansicht in Zukunft wieder zunehmen lassen.

Am Abend trudeln die anderen Bewohner der Notunterkunft ein. Koudis Nachbar Mussa, ein Israeli, hat Glück gehabt. Gerade eben hat er ein Apartment gefunden, für 300 Euro im Monat. Laurent aus Toulouse hat wieder nur Absagen bekommen. Wenn er nicht bald etwas findet, möchte er wieder zurück nach Hause. "Weihnachten will ich hier drin nicht verbringen", sagt er.

Matthias Fuchs

(DJS-Kurs Lokalreportage)



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