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Von Dünnbrettbohrern und Nervensägen

Der Badezimmer-Umbau als Medienereignis: Heimwerker-Soaps haben Konjunktur

Mit zaghaften Schlägen versucht Michael einen winzigen Nagel in eine Latte zu hämmern, um eine Holzpaneele zu befestigen. Und schon wieder haut er daneben, der Nagel fällt zu Boden. "Auch hämmern will gelernt sein", meldet sich eine höhnische Stimme aus dem Off. Und Melanie vom Pro Sieben-Heimwerker-Team grinst nur mitleidig in die Kamera. Heimwerken, das ist nichts für Michael. Kein Wunder, mit seinem feinen Hemd und Rollkragenpulli sieht der 38-Jährige eher aus wie ein Schöngeist als ein rauer Kerl vom Bau. Sein Lieblingswerkzeug ist wohl die Feder, nicht der Vorschlaghammer. "Komm Michael, ich glaub, du nimmst besser eine Nagelhilfe", sagt Melanie und drückt dem Verzweifelten einen Plastikaufsatz in die Hand, mit dem selbst er anständig nageln kann. Peinlich für Michael, der schaut, als wäre er gerade entmannt worden.

Leuten beim Nichtskönnen zugucken - das ist der neueste Trend, den die deutschen TV-Sender unter dem Etikett "Real People-Doku" ausschlachten. RTL2 geht mit der "Hammer-Soap" ins Rennen um die Heimwerker-Krone und ist auf verschiedenen Privatbaustellen mit der Kamera zugegen. Pro Sieben hilft täglich bei "Do it yourself - S.O.S." mit einem Team von Profi-Handwerkern, wenn sich der Papa mit den Umbauplänen übernommen hat. Selbst beim ehrwürdigen WDR heißt es nicht mehr "Zimmer frei" sondern "Zimmer fertig", wenn Handwerker heimlich Wohnräume umbauen, deren Besitzer im Urlaub sind. Dabei geht es natürlich nur vordergründig darum, Tipps für den Innenausbau zu geben. Das eigentlich Reizvolle ist bekannt aus den täglichen Talkshows: Das beruhigende Gefühl, dass die anderen immer noch blöder sind als man selbst.

Gerade Männern wird hier verloren geglaubtes Territorium zurückgegeben. Bohrmaschinen-schwingende Emanzen, die alles genauso gut wie die Jungs können - die gibt es gar nicht, zeigt die Heimwerker-Soap. Überall wimmelt es von weiblichen Amateuren, denen ein Mann zeigen muss, wo der Hammer hängt. Ein typischer Satz "Manfred macht es richtig - Astrid und Renate hätten bei der Türzarge längst aufgegeben." Oder Michaela aus Burscheid bei Köln, die beim Renovieren auch mal den Bohrmeißel schwingen will - und dabei prompt ein Kabel durchtrennt und die halbe Wand einreißt - alles nur, weil sie nicht auf die Männer gehört hat, die kopfschüttelnd daneben stehen.

Davon lässt sich Pro Sieben-Allzweckwaffe Sonya Kraus nicht abschrecken. Zur Moderation von "Do it yourself-S.O.S." trägt sie derbe Armeehosen zum Girlie-Look. Stets freut sie sich wie ein kleines Kind, wenn ihr einer der Profi-Handwerker ein neues Werkzeug erklärt. "Oooh, eine Lochsäge - toll!" Dieses Niveau weiß RTL2 wie immer souverän zu unterbieten. Zum Beispiel dank Thomas, der in Bielefeld gemeinsam mit einigen halbstarken Trinkgenossen einen Partykeller ausbaut. Der 22-Jährige zerschlägt mit dem Hammer eine alte Kloschüssel, um eine neue einzubauen - und dann wird es eklig. "Mir ist gerade Scheiße in den Mund geflogen", ruft er. Diesen Satz darf er jetzt mehrmals wiederholen und allen seinen Freunden erzählen. Die Kamera hält dabei genüsslich drauf. Der Zuschauer daheim lernt aus all dem eigentlich nur eins: Beim nächsten Umbau bloß nicht RTL2 anrufen.

Matthias Fuchs

(DJS-Kurs Medienberichterstattung)



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