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Schäubles Hände oder: Das Wohl und Wehe der Welt

Der ehemalige CDU-Chef liefert in der Freiburger Universität einen Rundumschlag zur Außenpolitik des 21. Jahrhunderts

FREIBURG. Seine rechte Hand schießt nach vorn, umgreift den "gesamten Nahen Osten". Dann rührt die Linke in der Luft herum, so orientierungslos wie Joschka Fischers Diplomatie in dieser Region. Das zumindest meint Wolfgang Schäuble. Mit einer wegwerfenden Bewegung verbannt er Fischers Bemühungen in den Orkus der Weltpolitik. Kurz darauf stoßen die Fäuste zusammen - optische Untermalung der Krise in der Ukraine. Schäuble knetet in der Freiburger Universität das Wohl und Wehe der Welt in seinen Händen.

Neben Schäuble sitzt Lothar Jansen, der Freiburger Vorsitzende des Rings Christlich Demokratischer Studenten (RCDS), und wirkt etwas verloren. Das mag daran liegen, dass Schäuble problemlos das Audimax ausfüllt - mit seinen Gesten, mit seinen scharfzüngigen Analysen. Und so faltet Jansen brav seine Hände ineinander, während Schäuble weiter tut, als kämpfe er um die Luftherrschaft über dem Tisch.

Die CDU-nahe Hochschulorganisation hatte Schäuble am Donnerstagabend eingeladen, zu einem Vortrag, der den Titel "Deutsche Außenpolitik im Zeitalter der Globalisierung" trägt. Ähnlich umfassend ist denn auch Schäubles Rede, ein Ritt über die Spielfelder deutscher Außenpolitik, von der Türkei über den Iran bis hinein nach China und wieder zurück. Für Schäuble ein Heimspiel, nicht nur weil er als gebürtiger Freiburger einst selbst dem RCDS der Universität vorstand, sondern vor allem aufgrund seiner unbestrittenen außenpolitischen Kompetenz.

Schäuble zentrales Thema sind dabei die Gefahren des 21. Jahrhunderts: Terrorismus, asymmetrische Kriegsführung, "failing states" (zerfallende Staaten). In Zeiten des Kalten Kriegs sei die Welt noch übersichtlich gewesen, heute könnten die Staaten den Herausforderungen nicht allein, sondern nur gemeinsam begegnen. Deshalb mahnt er auch, das zerrüttete Verhältnis zu den USA zu reparieren. "Wenn die Deutschen wieder ein wenig nüchterner werden, werden sie sehen, dass wir nie einen verlässlicheren Verbündeten als die die USA gehabt haben." Angesichts der Foltervorwürfe im Gefängnis Abu Ghoreib blutet dem Atlantiker Schäuble jedoch das Herz: "Eine schlimmere Schande gibt es nicht. Selbst als Freund der USA schämt man sich."

Des Kanzlers Forderung nach einem ständigen deutschen Sitz im UN-Sicherheitsrat erteilt Schäuble eine Absage: "Die Europäer müssen eine gemeinsame Position haben. Aber das deutsche Streben nach einem ständigen Sitz bringt uns dem nicht näher." Schäuble beschwört stattdessen eine gemeinsame europäische Außenpolitik.

Die wenigen kritischen Fragen der Studenten können das Schäuble'sche Außenpolitikgebäude nicht erschüttern. Angriffe auf die CDU-Position in der Frage des EU-Beitritts der Türkei perlen an dem Politiker ab. Eine Vergrößerung der EU über die Grenzen Europas hinaus sei den Menschen nicht verständlich zu machen, so seine Sorge. Stattdessen sei eine "privilegierte Partnerschaft" anzustreben: "Ich hoffe auf ein ergebnisoffenes Verhandlungsmandat."

Schäuble macht die Diskussion sichtlich Spaß. "Ich habe noch Zeit, meine Frau ist nicht zu Hause", sagt er. Um seine Einschätzung des Außenministers gebeten, schließt er mit einem launigen Rat an Joschka Fischer, der ja stets mit seinem exzellenten Verhältnis zur ehemaligen US-Außenministerin Madeleine Albright kokettiert habe. "Der hat das gefallen, so ein Straßenkämpfer von den Grünen. Mit dieser Attitüde sollte er aber Condoleezza Rice nicht gegenübertreten. Das wird schief gehen."

Matthias Fuchs

(Badische Zeitung, 11.12.2004)




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