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"Gelder jetzt, nicht in zehn Jahren"

BZ-INTERVIEW mit Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul über Schuldenerlass für Afrika und die Fluthilfe

FREIBURG. Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) nimmt am Samstag an der Eröffnung der Misereor-Fastenaktion in Freiburg teil. Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern. Mit Wieczorek-Zeul sprach Matthias Fuchs .

BZ: Laut Unicef sterben jeden Tag weltweit 30 000 Kinder an vermeidbaren Krankheiten. Was tut Deutschland dagegen?
Wieczorek-Zeul: Wir helfen, die Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern aufzubauen und die Übertragung von Aids von erkrankten Müttern auf ihre Kinder zu verhindern. Wir bringen dazu in einigen afrikanischen Ländern die Ausbildung im Gesundheitsbereich voran. Wir leisten auch einen großen Beitrag zum globalen Gesundheitsfonds, der den Entwicklungsländern Geld zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose zur Verfügung stellt.

BZ: Kann man denn überhaupt effizient Aids bekämpfen, wenn selbst Regierungschefs wie Thabo Mbeki aus Südafrika die Epidemie verharmlosen?
Wieczorek-Zeul: Aids-Bekämpfung ist immer Thema bei jedem politischen Dialog. Heute hat sich der tansanische Präsident Mkapa ausdrücklich dafür bedankt, dass ich und drei andere europäische Entwicklungsministerinnen ihn in dieser Frage vor drei Jahren ganz massiv aufgerüttelt haben. Das Wichtigste ist, das Thema nicht zu verschweigen, Schutzmöglichkeiten, die Nutzung von Kondomen, aufzuzeigen und anzubieten.

BZ: Der britische Finanzminister Brown hat auf dem G7-Treffen in London umfassende Entschuldungsmaßnahmen gefordert. Sind Sie enttäuscht, dass dabei nur Absichtserklärungen rausgekommen sind?
Wieczorek-Zeul: Nein. Ein Anfang wurde gemacht. Ich setze große Hoffnungen auf das Treffen der G7-Regierungschefs im Sommer.

BZ: Zur Finanzierung werden eine Kerosinsteuer oder eine Steuer auf Spekulationsgewinne diskutiert. Wäre das hilfreich?
Wieczorek-Zeul: Selbst eine Kerosinsteuer würde ja nicht im nächsten Jahr wirken. Wir brauchen jetzt zusätzliche Finanzmittel und nicht erst in zehn Jahren, damit dem Skandal ein Ende gemacht wird, dass täglich 30 000 Kinder an vermeidbaren Krankheiten sterben.

BZ: Sie planen, den Anteil der Entwicklungshilfe auf 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Wie soll das in Zeiten knapper Kassen funktionieren?
Wieczorek-Zeul: Bis zum Jahr 2006 haben wir zugesagt, 0,33 Prozent erreichen. Der Plan meines Ministeriums ist darüber hinaus, 2010 bei 0,5 Prozent und bis 2014 bei 0,7 Prozent zu sein. Besser ist doch Prävention als nachträglich Schäden zu beseitigen oder militärisch einzugreifen.

BZ: 500 Millionen Euro stehen für die Fluthilfe bereit. Welche konkreten Aufbauprojekte unterstützt Deutschland bislang?
Wieczorek-Zeul: Ende nächster Woche werde ich Sri Lanka besuchen. Dort setzen wir zwei Schwerpunkte: Zum einen sollen die Fischer wieder eine eigene wirtschaftliche Basis bekommen, Boote sollen beschafft und Werften wiederhergestellt werden. Zum anderen helfen wir traumatisierten Kindern vor Ort.

BZ: Man sagt Joschka Fischer nach, er wolle das Entwicklungsministerium ins Außenamt eingliedern. Wie stehen Sie dazu?
Wieczorek-Zeul: Wir werden in allen Industrieländern um dieses eigenständige Ministerium beneidet. Ich kenne viele US-Kollegen, die sagen, dass es ganz schlecht ist, wenn Entwicklungspolitik kurzfristigen außenpolitischen Zielen unterworfen wird.

BZ: Aber das passiert doch auch hier schon. Deutschland zahlt Geld an China, das gerade einen Wirtschaftsboom erlebt. Da geht es doch nur darum, das politische Klima zu verbessern.
Wieczorek-Zeul: Es hat mit Klimaverbesserung zu tun, aber in ganz anderer Hinsicht. Wenn China seine wirtschaftliche Entwicklung mit veralteten Technologien voranbringt, geht auch uns die Luft aus. Wenn wir da wirtschaftliche Zusammenarbeit betreiben, tragen wir zum Klimaschutz bei. Es profitieren aber auch deutsche Unternehmen, die bei erneuerbaren Energien führend sind.

(Badische Zeitung, 11.2.2005)



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